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Was passiert an der alten Strecke der Linie 10?

Ende einer Stadtbahn Was passiert an der alten Strecke der Linie 10?

Im Mai fuhr die letzte Stadtbahn auf der Strecke zwischen Aegi und Hauptbahnhof Hannover. Die toten Gleise werden noch ein paar Jahre liegen bleiben – und bieten neue Chancen für Pflanzen und Parkplatzsucher.

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Am Aegi steht der erste hannoversche Hochbahnsteig, der ausgemustert ist –für immer.
 

Quelle: Michael Zgoll

Hannover.  Die tote Strecke misst exakt einen Kilometer. Ein Kilometer nutzloser Gleise mitten durch die Stadt, ein Kilometer Schienen, auf denen nie wieder eine Stadtbahn rollen wird. Im Mai war ein letzter Zug der Linie 10 vom Aegi zum Hauptbahnhof gerumpelt, dann war Ruhe. Grabesruhe? 

Bummelt man die aufgelassene Strecke entlang, kann man neue Nutznießer entdecken: parkplatzsuchende Autofahrer etwa oder allerlei Grünzeug, das hier schon nach wenigen Monaten Wurzeln geschlagen hat. Wie es aussieht, dürfte den Hannoveranern dieses Zeugnis von Stadtbahnhistorie  noch mindestens zwei bis drei Jahre erhalten bleiben – erst dann, so sagen Region und die für das Gleisnetz zuständige  Infrastrukturgesellschaft, werde man sich mit einem Rückbau beschäftigen. 

Doch gut möglich, dass dieser Akt von Vergangenheitsbewältigung noch erheblich länger dauert. Ein traurig Lied, wie liegengelassene Schienen zum Dauerärgernis wurden, können die Anwohner der Hindenburgstraße singen: Schon in den neunziger Jahren hatte die Üstra die über Königstraße und Emmichplatz führende Zoolinie eingestellt. Doch erst 2013 wurden die Gleise in der Hindenburgstraße herausgerissen, bekam die Fahrbahn ein neues Profil. 

Der verlassene Hochbahnsteig 

Das blaue Schild auf dem Hochbahnsteig am Aegi verspricht etwas, das unhaltbar geworden ist: Linie 10 Richtung Ahlem, Linie 17 Richtung Wallensteinstraße. Von diesem Punkt rollt gar nichts mehr gen Westsüdwest.  Viel los war hier noch nie, doch nun darf sich das aufgeständerte Bauwerk mit einem traurigen Titel schmücken: Es ist der erste Hochbahnsteig in Hannover, der auf Nimmerwiedersehen verschwinden wird. Gesperrt wegen Reparaturarbeiten oder einer Plattform-Verlängerung war schon so mancher seiner Art, aber aufgegeben wurde bislang noch keiner. Damit Ortsfremde an der Station Aegi nicht Ewigkeiten auf die nächste Bahn warten, versperren rot-weiße Baken die Zugänge.

Grünzeug im Gleisbett

Im Schotterbett zwischen Aegi und Schiffgraben kann man trefflich beobachten, wie sich die Natur verlorenes Terrain zurückerobert. Die Schienen haben schon reichlich Rost angesetzt, viel Laub bedeckt die Schweller, und an etlichen Stellen recken junge Sträucher ihre Ästlein in die Höhe. Wer weiß, welch Biotop  sich noch entwickeln wird in diesem Refugium – stören wird es wohl niemanden.

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Die Gleise zwischen Aegi und Hauptbahnhof haben keinen Nutzen mehr.

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Der Überweg ins Nichts

Der Fußgängerüberweg, der die Prinzenstraße vis-à-vis des Warmbüchenkamps quert, zählt zu den Ärgernissen und Absonderlichkeiten des hannoverschen Verkehrswesens. Zum einen bringt die Ampel Autofahrer in regelmäßigen Abständen zum Stoppen, leider auch dann, wenn überhaupt kein Fußgänger den Leuchteknopf gedrückt hat. Zum anderen bot der Überweg schon früher bestenfalls einen gesicherten Zugang zum Hochbahnsteig Aegi –aber der ist ja nun passé. Dafür kann man in schöner Regelmäßigkeit Passanten beobachten, die nach der Querung der Prinzenstraße über die Gleise stolpern und sich dann über den ungesicherten Schiffgraben Richtung Warmbüchenviertel durchschlagen.

Neue Parkplätze auf Schienen

Die Autobesitzer, die mit ihren Wagen zwischen Schiffgraben und Sophienstraße auf den Gleisen stehen, müssen nicht fürchten, dass ein penetrant sturmklingelnder Stadtbahnfahrer sie zum Teufel wünscht – die grünen Waggons lassen sich hier nicht mehr blicken. Ob der Parkplatz-Wildwuchs auf Schienen genehmigungsfähig ist, sei dahingestellt. Aber bekanntermaßen sind Autofahrer ja kreativ beim Erschließen unkonventioneller Abstellflächen.

Das Schauspielhaus verliert

Im alten Liniennetzplan ist sie noch verzeichnet: Die Haltestelle Thielenplatz / Schauspielhaus. Doch seit Mai müssen vom Hauptbahnhof kommende Kulturliebhaber auf das exklusive Erlebnis verzichten, eine Bahnhaltestelle und ein Theaterfoyer nahezu verschmelzen zu sehen. Das Gerumpel vor den Türen werden die Besucher des weißen U-Boots aber sicher nicht vermissen.

Mehr Übersicht am Thielenplatz

Am Thielenplatz gibt es enorm viele Profiteure der toten Linie: alle Fußgänger sowie Rad- und Autofahrer. Die Kreuzung mit ihren fünf Einmündungen war schon immer ein Garant für herausfordernde Verkehrssituationen. Doch nun ist wenigstens ein Akteur – die Stadtbahn – verbannt, und das dürfte für ein wenig Entspannung sorgen. Richtig frohgestimmt dürften aber insbesondere die Zweiradfahrer erst dann sein, wenn die Schienen weg sind. Das Gehoppel nervt, und wer nicht aufpasst, gerät im Gleis ins Schlingern.

Die Busse lassen auf sich warten

„Verehrte Fahrgäste“, schreibt die Üstra per Aushang an der Haltestelle Hauptbahnhof, die Stadtbahn fahre ja nun nicht mehr, aber auch die Buslinien 121, 128 und 134 würden hier aufgrund von Bauarbeiten nicht mehr halten – voraussichtlich bis Mitte November. „Voraussichtlich“ zu schreiben war ein schlauer Zug, denn nach wie vor halten die Busse an der Ersatzhaltestelle Joachimstraße.  Aber im Gegensatz zum Aegi muss man hier wenigstens kein Wartehäuschen abreißen, das funktionslos geworden ist.

Diese Bahn fährt nur im Kreis

Da sage noch einer, auf dem Ernst-August-Platz würden keine Bahnen mehr fahren. Doch die farbenfrohen Züge mit den goldenen Ornamenten drehen sich leider nur im Kreis, und großgewachsene Passagiere haben keinen Zutritt: Die Nostalgie-Eisenbahn ist Teil des Weihnachtsmarkts vor dem Hauptbahnhof, und ihr Betrieb wird in wenigen Wochen eingestellt.

Die Verbindung ist gekappt

So nah und doch so fern – schiebt sich ein giftgrüner Triebwagen 6000 aus der Kurt-Schumacher-Straße Richtung Ernst-August-Platz, mag man einen Wimpernschlag lang meinen, alles sei wie früher. Doch die abgeschnittenen Schienen am Abzweig Schillerstraße und die Kurvenfahrt der Bahn Richtung Raschplatz weisen den Weg: Die alte Verbindung ist gekappt, endgültig. Der Übergangsbereich zwischen schickem neuen Pflaster vor der Ernst-August-Galerie und altem Kopfsteinpflaster ist jedoch nur notdürftig mit Asphalt verkleistert – wie viele Jahre wird dieses Flickwerk wohl daran erinnern, dass hier einst eine Stadtbahn fuhr?

Von Michael Zgoll

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