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Prozess

Neurochirurg belastet angeklagten Kollegen schwer


Im Prozess um den Tod einer Achtjährigen im Nordstadtkrankenhaus belastete ein Neurochirurg am Mittwoch seinen Kollegen vor Gericht schwer.

Prof. Peter Vorkapic zählt zu den besten Neurochirurgen Hannovers und hat in seiner Laufbahn schon mehr als 5000 Tumore operiert. Über den Eingriff bei der achtjährigen Saskia sagt er, dass sich die gutartige Geschwulst zwar in einer sensiblen Hirnregion befand, aber problemlos entfernen ließ. Als bei seiner Aussage vor dem Landgericht der Begriff „Bilderbuchoperation“ fällt, zucken Saskias Eltern merklich zusammen. Denn eine Woche nach eben dieser Bilderbuchoperation starb ihre Tochter.

Der Grund ist unstrittig: Der Tod des Mädchens ist einem Behandlungsfehler geschuldet. Dieser muss bei der Nachsorge der erfolgreichen OP passiert sein, die im September 2003 im Nordstadtkrankenhaus vorgenommen worden war. Der Zustand des Mädchens hatte sich schließlich dramatisch verschlechtert, die Achtjährige wurde zunächst in das Kinderkrankenhaus Auf der Bult und schließlich in die Medizinische Hochschule verlegt, doch dort konnten die Ärzte nicht mehr helfen – Saskia starb. Mittlerweile haben zahlreiche Zeugen den angeklagten Arzt Mohammad M. schwer belastet. Auch Prof. Vorkapics sagt über ihn, dass er dem Mädchen ein Hormonpräparat, das den massiven Wasserverlust gestoppt hätte, viel zu spät verabreicht habe. Das führte laut rechtsmedizinischem Gutachten zum Tod der Achtjährigen.

Der Flüssigkeitsverlust trete fast bei jedem Patienten nach der OP auf, betonte Vorkapic: „Das ist kein spezielles komplexes Problem. Es geht um Flüssigkeit, und es geht um ein Spray.“ Nur wenige Hübe des Hormonsprays in die Nase hätten ausgereicht, um die Störung zu beheben. „Jeder Arzt, jede Schwester weiß Bescheid, dass darauf zu achten ist.“ Daran, dass ihn das Pflegepersonal darauf aufmerksam gemacht hat, will sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Seine Erklärung für das Versäumnis beschränkt sich auf eine hohe Arbeitsbelastung. Der 35-Jährige erhielt zwei Jahre später vom Nordstadtkrankenhaus wegen einer Tätlichkeit gegen einen Kollegen die Kündigung. Weil die Staatsanwaltschaft zu dem Zeitpunkt noch keine Anklage erhoben hatte, musste der Arzt die gegen ihn gerichteten Ermittlungen nicht bei seinen Bewerbungen um eine neue Stelle angeben. Heute arbeitet der Neurochirurg an der Medizinischen Hochschule. Er sei aber bis zum Urteil nicht mehr in der Krankenversorgung tätig, sagte MHH-Sprecher Stefan Zorn. Ms Verteidiger Bertram Börner setzt nun auf einen Kinderintensivmediziner aus Heidelberg. Der soll bezeugen, dass auch andere Behandlungsfehler für Saskias Tod verantwortlich sein könnten – etwa eine zu hohe Dosis Paracetamol.
Der Prozess wird am 25. November fortgesetzt.

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  • Behandlungsfehler ABC – 06.12.09
    Das Problem ist eindeutig bei dem diensthabenden Arzt zu suchen. Wie kann den bloss Paracetamol innerhalb so kurzer Zeit ohne Leberversagen zum Tode fuehren?
    Ferner ist die Einstellung im oeffentlichen Dienst extrem mangelhaft!!
    Wo bleibt die Suche nach Vorgeschichte des einzustellenden Arztes?
  • Bewerbung nurleser – 19.11.09
    "Weil die Staatsanwaltschaft zu dem Zeitpunkt noch keine Anklage erhoben hatte, musste der Arzt die gegen ihn gerichteten Ermittlungen nicht bei seinen Bewerbungen um eine neue Stelle angeben". Na, da staune ich aber, stehen da in den Einstellungsfragebögen für den "Öffentlichen Dienst" nicht etwa auch Fragen zu laufenden Ermittlungsverfahren, oder muß man erst etwas angeben, wenn es schon zur Anklageerhebung gekommen ist, da habe ich so meine Zweifel. Und wenn der Mann bis zur Urteilsverkündung nicht mehr in der Krankenversorgung tätig ist, was treibt er bis dahin, macht er Gesunde krank, dreht er Däumchen auf Kosten des Steuerzahlers oder haut er seinen Kollegen was auf die Glocke ? Und nach dem Urteil kann er wieder loslegen, egal wie es ausgeht ? Wenn er schlau ist, zieht er das Verfahren ordentlich in die Länge, nach spätestens 15 Jahren ist er dann fast nicht mehr aus dem Öffentlichen Dienst und der MHH zu entfernen.
  • MHH Hermes – 19.11.09
    Beruhigend zu wissen, daß der Kollege in der MHH immer noch im Dienst ist. Das erleichtert für den Patienten die Krankenhauswahl erheblich.
  • paracetamol? netdoc – 18.11.09
    soso. jetzt soll es eine zu hohe dosis paracetamol gewesen sein, dass den tod des mädchens verursacht hat? hatte es denn leberversagen? das ist die intoxikationsfolge: akuter leberzerfall.
    ich finde es ekelhaft, wie sich jemand mit hilfe eines anwaltes von seinem fehler freisprechen will statt zuzugeben, dass er einen (kunst)fehler begangen hat, und die konsequenzen zu tragen.

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