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Aus der Stadt Neuer Besitzer will Millionen in Gilde investieren
Hannover Aus der Stadt Neuer Besitzer will Millionen in Gilde investieren
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00:16 09.01.2016
Von Bernd Haase
Die Geschäftsführer Mike Gärtner und Karsten Uhlmann, Holger Bock und Oberbürgermeister Stefan Schostok bei einem frisch gezapften Gilde. Mit der Marke soll es nach dem Eigentümerwechsel wieder aufwärts gehen. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Der neue Eigentümer der Gilde Brauerei, die TCB Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt/Oder, will Hannovers ältestes Unternehmen nach Jahren des Niedergangs auf schnelles Wachstum trimmen. „Wir wollen am Standort in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder mehr als eine Million Hektoliter Bier produzieren“, sagt Mike Gärtner, neben Karsten Uhlmann einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der rein privat geführten TCB. Dazu seien Investitionen zwischen 10 und 20 Millionen Euro erforderlich.

Die TCB hatte schon länger ein Auge auf die Gilde geworfen und war im vierten Anlauf im vergangenen Jahr unter Mithilfe des Biermanagers Holger Bock zum Zuge gekommen. Der Brauriese AB Inbev stieß seine wenig geliebte Hannoversche Tochter zum Preis von angeblich 15 Millionen Euro ab; mit dem Jahres- wurde auch der Eigentümerwechsel vollzogen. Unter der Regie von AB Inbev war der Hektoliterausstoß einer der größten Braustätten Deutschlands binnen zehn Jahren von 1,3 Millionen Hektoliter um 90 Prozent gesunken.

Gilde will weiter Sponsoring betreiben.

Nach Angaben von Gärtner braucht die Gilde eine schnelle Steigerung des Ausstoßes, weil sonst wegen des kostspieligen Unterhalts der Brauerei Millionenverluste anfallen. „Allein mit den eigenen Marken ist das Wachstum nicht zu schaffen“, erklärt der Geschäftsführer. TCB will in Hannover Exportbier für den asiatischen Markt produzieren, auf dem die Frankfurter mit ihrer Marke Feldschlößchen aus Dresden schon vertreten sind. Für das Massengeschäft soll ferner die Auftragsproduktion für Discounterketten sorgen. Auch in diesem Segment ist TCB seit längerer Zeit unterwegs und brauchte dafür neue Braukapazitäten. Die erste größere Investition geht in eine Dosenabfüllanlage, die es bisher bei der Gilde nicht gab.

Pläne haben die neuen Eigentümer auch mit den drei regionalen Marken Gilde Ratskeller, Gilde Pilsener und Lindener Spezial. Für März ist ein Relaunch geplant, was bedeutet, dass Schriftzüge, Logos und Flaschendesign der Traditionsmarken überarbeitet werden. Das Unternehmen will Ratskeller als traditionelles, wertiges Bier vermarkten, Pilsener als junges und frisches Erzeugnis und Lindener als Kultmarke. Außerdem bringt die Gilde zwei neue Produkte auf den Markt: ein alkoholfreies Bier und ein naturtrübes Radler.

Region bleibt Kernmarkt

Kernmarkt für die Regionalmarken bleibt die Region Hannover. Zurzeit hält die Gilde Verträge mit rund 1300 Gastronomiebetrieben. Diese Zahl wollen die Biermanager steigern und haben zusätzlich zu den 75 von AB Inbev übernommenen Mitarbeitern zehn Vertriebsfachleute eingestellt. „Wir bieten Gastronomen Finanzierungsmöglichkeiten etwa über Darlehen an“, erklärt Gärtner. Auch im Sponsoring wolle man sich engagieren – nicht nur bei etablierten Partner wie dem Eishockeyteam Hannover Indians oder der Parkbühne am Stadion, sondern auch bei neuen wie etwa der hannoverschen Media Night oder bei Sportvereinen.

Mit den Ambitionen in der Region dürfte sich die Gilde mit der Herrenhäuser Brauerei ins Gehege kommen – beide konkurrieren in einem leicht schrumpfenden Markt. Dabei gibt es interessante Personalkonstellationen. Sowohl Holger Bock, Geschäftsführer der Gilde Vertriebsgesellschaft, als auch der technische Leiter Dietmar Würzinger sind waren früher bei Herrenhäuser. Dem Vernehmen nach versucht die Gilde, weitere Mitarbeiter abzuwerben.

Vorschusslorbeeren für die neuen Gilde-Besitzer gab es am Mittwoch von Oberbürgermeister Stefan Schostok. Der war zum symbolischen Fahnenhissen in die Südstadt gekommen und sagte, TCB habe „hinreichend Belege für kompetentes und zupackendes Handeln“ geliefert. Auch bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist man nach Angaben von Sekretärin Lena Melcher mit dem Gang der Dinge zufrieden. Wie lange das anhält, dürfte davon abhängen, ob der angestrebte Haustarifvertrag abgeschlossen wird.

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