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Soll der Holländische Pavillon abgerissen werden?

Abriss oder Nutzung? Soll der Holländische Pavillon abgerissen werden?

Brandstiftungen, Beinbrüche, bierselige Klettertouren: Der Pavillon der Niederlande, heimliches Expo-Wahrzeichen, wird zum Risikoobjekt. Der Eigentümer kündigt nun an, den Zaun zu verstärken und aufzuräumen. Und bei der Expo-Grund heißt es, es gebe wieder Interessenten für die Nutzung.

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Windräder, Baumstämme, anspruchsvolle Architektur: Der Holland-Pavillon war der Hingucker der Expo. Inzwischen müssen immer öfter Einsatzkräfte zur Ruine anrücken.

Quelle: Rainer Dröse

Hannover. Brandstiftungen, Beinbrüche und bierselige Klettertouren der vergangenen Tage lassen die Diskussion über den niederländischen Pavillon wieder aufleben. Christian Bendig, Miteigentümer des nahen Finnland-Pavillons, fordert sogar seinen Abriss: „Der Zustand senkt den Wert der umliegenden Gebäude“, sagt er. Bendig ärgert sich, dass die Stadt nicht genug durchgreift. „Bei anderen Gebäuden muss nur ein Kabel raushängen, dann wird das Bauamt aktiv – der Pavillon aber wird zum Risikofaktor, und keiner handelt.“

Öffentlich will sich indes niemand der Abrissforderung anschließen. Stefan Schlutter, Sprecher des Vereins Expo-Parks, sagt, der Großteil der Anlieger aus dem Expo-Park wolle das markante Bauwerk als weithin sichtbare Landmarke erhalten. Statisch ist der Bau in Ordnung, das hatten Gutachter 2014 ermittelt.     

2014 hatte die Baupolizei dem Eigentümer eine Zwangsverfügung zugestellt, das ruinenhafte Gebäude gegen unbefugtes Betreten zu sichern. Trotzdem ist der provisorische Bauzaun vielfach durchlöchert, und ein neu errichteter stabiler Zaun umfasst nur etwa ein Drittel des Grundstücks. Täglich kann man Abenteurer sehen, die auf dem Gebäude gefährliche Klettertouren unternehmen. Anlieger kritisieren, dass die Stadt beim Eigentümer nicht genug Druck ausübe. Der kündigt gegenüber der HAZ an, sich jetzt verstärkt kümmern zu wollen. Nächste Woche soll der Zaun fertiggestellt, dann das Grundstück aufgeräumt werden. Von der Stadt hieß es gestern, sie begutachte unter anderem die Statik des Gebäudes. Zudem prüfe sie unter anderem, die Treppen zu entfernen, um „den unrechtmäßigen Zugang zum Gebäude unterbinden zu können“.

Vielleicht gibt es bald sogar doch noch eine wirtschaftliche Nutzung für das Gebäude. Karsten Klaus ist Geschäftsführer der städtischen Expo-Grund, der die leeren Grundstücke ringsherum gehören. Er berichtet, dass es „neuerdings wieder Anfragen von Interessenten“ gebe. Aktuell lasse ein Investor ein Projekt durchrechnen: „Bei uns sind auch die Preise für beide Nachbargrundstücke abgefragt worden.“ Es handele sich um eine mögliche Nutzung aus dem gewerblichen Bereich. Aber selbst wenn daraus erneut nichts wird: „Die Stadt entwickelt den neuen Stadtteil Kronsberg-Süd, der bis fast an den Pavillon heranreicht. Es ist gut möglich, dass es in dem Zusammenhang Entwicklungspotenziale gibt“, sagt Klaus. Auf dem Areal der nahen Stadtbahn-Endhaltestelle soll Handel angesiedelt werden, südlich im Expo-Park beginnt in Kürze der Bau von Studentenwohnheimen – das Gelände wird spürbar belebt.     

Während der Weltausstellung im Jahr 2000 war der Holländische Pavillon ein Besuchermagnet. Seitdem rottet das spektakuläre Gebäude ungenutzt vor sich hin.

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2,8 Millionen Besucher hatten im Weltausstellungsjahr die „Gestapelten Landschaften“ bestaunt, gebaut vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV. Doch seit der Expo rottet das Bauwerk vor sich hin. Es gab kuriose Pläne – von einer Shrimpszucht bis hin zu einem Vorzeigebau für Energieeffizienz. Alles scheiterte.
Gebäudeeigentümer Olaf Körper, der die Immobilie von seinem verstorbenen Vater übernommen hat, kündigt an, „ernsthaft die Neuausrichtung der Immobilie in den Fokus“ zu nehmen. Seinen Reifenhandel in München wolle er zurückstellen und jetzt Nutzer für den Pavillon suchen. Dessen mangelhafte Sicherung sei ärgerlich: „Die Zaunbaufirma hat mir nach einem Drittel der Arbeiten mitgeteilt, dass der für das Gesamtprojekt vereinbarte Etat fast aufgebraucht sei“, man habe sich im Streit getrennt. In der nächsten Woche werde eine andere Firma den Zaunbau fortsetzen. Er sei „fassungslos über den Vandalismus auf dem Gelände“. Wenn der Zaun dicht sei, werde alles aufgeräumt. „Dann kann man ihn wieder vorzeigen.“     

 

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