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Pornofilter fürs Internet gefordert

Beratung Pornofilter fürs Internet gefordert

Pornografie ist allgegenwärtig – und in vielen Fällen bereits in Kinderhand. Zwei Drittel aller männlichen Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren konsumieren täglich bis wöchentlich Pornografie. Jetzt regte die Niedersächsische Landesmedienanstalt an, Pornofilter im Internet einzurichten.

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„Pornografie ist nicht harmlos“: Diplom-Psychologin Tabea Freitag.

Quelle: Moritz Küstner

Hannover. Fast die Hälfte aller elf- bis 13-jährigen Kinder hat bereits pornografische Bilder oder Filme gesehen - im Internet oder auf ihren Handy (Dr.-Sommer-Studie 2009). Am „Safer Internet Day“ am Dienstag wurde return, die hannoversche Fachstelle für Mediensucht, von der Krankenkasse Barmer GEK mit dem Gesundheitspreis zur Jugendprävention für ihr Handbuch „Fit for Love?“ ausgezeichnet.

„Kinder und Jugendliche brauchen Hilfe, um die Auswirkungen des Pornokonsums zu durchschauen und einen reifen, verantwortlichen und selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Sexualität zu entwickeln“, begründete Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer GEK, die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung. Das Diakonische Werk der Landeskirche Hannover hatte als Starthilfe das Projekt aus Mitteln der Konzessionsabgabe Glücksspiel mit 10.000 Euro gefördert.

Bei dem 160 Seiten starken Handbuch „Fit for Love?“ handelt es sich um ein Praxisbuch zur Prävention von jugendlichem Pornografiekonsum. Das innovative Lehrmaterial – inklusive CD für den Beamereinsatz und mit ausgearbeiteten Modulen für Schulungseinheiten – wurde unter anderem für Lehrer und Fachkräfte in Jugendeinrichtungen entwickelt, um Schülern zwischen 13 und 19 Jahren ein positives Bild von verantwortlicher Liebe und Sexualität zu vermitteln.

Der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, Andreas Fischer, regte am Dienstag die Einführung von Pornofiltern für das Internet nach britischem Vorbild an. „Pornofilter sind ein Instrument, um Eltern zu helfen, ihre Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten aus dem Netz zu schützen“, sagte Fischer anlässlich des „Safer Internet Day“. Auf Druck der Regierung hatten die vier großen Internetprovider in Großbritannien Ende 2013 voreingestellte Filter eingeführt, die von den Anschlussinhabern aber deaktiviert werden können. Auf Wunsch sind weitere Sperren, etwa zu Waffen, Gewalt oder Suizid, möglich.

„Pornografie ist nicht harmlos“, sagte die Diplom-Psychologin Tabea Freitag am Dienstag bei der Vorstellung von „Fit for Love?“. In ihrer psychotherapeutischen Praxis erlebt sie zunehmend Fälle, in denen fünf-oder sechsjährige Mädchen von ihren Brüdern oder Cousins zu sexuellen Handlungen genötigt wurden. „Die Kinder spielen die Szenen nach, die sie gesehen haben“, sagte Freitag. Elf- oder 13-jährige Jungen kämen von sich aus nicht auf die Idee, ihre kleinen Schwestern zu missbrauchen. Weitere Ratsuchende in ihrer Praxis seien Paare mit massiven Beziehungsproblemen durch exzessiven Pornokonsum. Wer an den schnellen und jederzeit verfügbaren Kick gewohnt sei, verliere sein Interesse und seine Empathie für die Partnerin. In der öffentlichen Diskussion werde der Pornokonsum von Kindern und Jugendlichen noch immer weitgehend bagatellisiert, sagte der Diplom-Pädagoge und Leiter der Fachstelle return, Eberhard Freitag. Das gängige Argument laute: Es gehe ja nur um Sex, und der sei doch nur natürlich.

Internationale Studien, darunter aus Schweden, aber belegten, dass sich mit der Häufigkeit des Konsums auch das Verlangen nach härteren Bildern, etwa nach Gewalt-, Sodomie- oder Kinderpornografie, wachse. „Unsere Kinder und Jugendlichen wachsen mit diesen Bildern auf. Je häufiger sie sie konsumieren, desto mehr trennen sie Sexualität von jeglicher Form von Beziehung und halten Promiskuität für normal“, kritisierte Tabea Freitag. „Wir müssen uns nicht darüber wundern, warum zwölfjährige Mädchen Nacktfotos von sich via Smartphone versenden.“

Darüber hinaus berichten Betroffene in „Fit for Love?“ über ihre Sucht nach Internetpornografie. Zu Wort kommen auch ehemalige Pornostars, die über die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in dieser milliardenschweren Industrie berichten. „Wir leben in ständiger Angst vor Aids und andern Geschlechtskrankheiten. Kondome sind nicht erlaubt“, erzählt Shelley Lubben.

Hier gibt es Hilfe

Eltern oder Lehrer, die mehr zum Thema wissen möchten, können sich an folgende Adressen wenden:

  • return Fachstelle für Mediensucht, Kirchröder Straße 46, Telefon (05 11) 9 54 98 30, Internet: www.return-mediensucht.de. Dort ist auch das Praxisbuch „Fit for Love?“ zum Preis  von 29,90 Euro (zuzüglich Versandkosten) erhältlich. 
  • Die Angehörigen-Selbsthilfegruppe Mediensucht bietet Eltern von internetabhängigen Kindern praktische Hilfen und seelische Unterstützung an. Sie trifft sich jeden zweiten Donnerstag um 19.30 Uhr im Freizeitheim Lister Turm, Raum 26 A, Walderseestraße 100.
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