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Jetzt geht der Aufbau am Landtag richtig los

Grundstein für neuen Plenarsaal Jetzt geht der Aufbau am Landtag richtig los

Wie ein tristes Betonskelett wirken derzeit die Reste des alten Plenarsaals in Hannover. Das soll sich bis 2017 ändern. Ein helles, modernes und transparentes Parlament soll im Herzen Hannovers entstehen. Der Anfang dafür ist gemacht - mit einer Kupferschatulle.

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Grundsteinlegung zum neuen Plenarsaal des Landtages: Lantagspräsident Bernd Busemann (li) und Dr. Georg Bissen, Vertreter der Erben Oesterlens.

Quelle: Behrens

Hannover. Landtagspräsident Bernd Busemann zeigt mit großen Armbewegungen in Richtung der Betonwände. Wenn man täglich auf der Baustelle sei, dann könne man sich schon ein bisschen vorstellen, wie der neue Landtag mal aussehen werde, sagt der Präsident.

„Ein würdiger Parlamentsbau“ werde der runderneuerte Landtag, so Busemann, „kein Protzbau“. Und auch dem Denkmalschutz will man genüge tun, weshalb die Kubatur des von Dieter Oesterlen 1962 geschaffenen Plenarsaals erhalten bleibt.

Es ist ein Mammutprojekt: Drei Jahre lang soll der Umbau des Landtagsgebäudes in Hannover andauern. Ein Rundgang über die Baustelle.

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 Bis zum fertigen Sitzungssaal wird es aber noch ein bisschen dauern, denn  am Dienstag feierten 250 Gäste im Rohbau die Grundsteinlegung. Zusammen mit Finanzminister Peter Jürgen Schneider mauerte Busemann eine Kupferkapsel mit mehreren Tageszeitungen (darunter der HAZ), Münzen und einer Liste der Abgeordneten ins Fundament ein. 

Mit der offiziellen Grundsteinlegung hat Landtagspräsident Bernd Busemann die Aufbauarbeiten für den neuen Plenarsaal des Parlaments in Hannover gestartet.

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Warum muss man einen Grundstein legen, wenn man nur ein Denkmal erhält?
Der Landtagsumbau ist keine Sanierung sondern weitgehender Umbau eines Denkmals. „Die Hülle bleibt, ansonsten ist es ein Neubau“, sagt Busemann. Außerdem hat das Gebäude mit dieser Praxis Erfahrung: Als Oberhofbaudirektor Georg Ludwig Friedrich Laves das Leineschloss umbaute, wurde 1817 eine Kapsel ins Fundament eingemauert, ebenso beim Wiederaufbau des Leineschlosses 1958.

Was ist bisher auf der Baustelle passiert?
Der alte Plenarsaal und der Gebäudeteil hinter dem Portikus sind komplett entkernt, rund 14 000 Tonnen Abbruchmaterial wurden abgefahren. Das Fundament des Plenarsaals wurde neu gegossen, 120 Mikrobohrpfähle stabilisieren den Bau zusätzlich.

Wie hoch sind die Kosten?
Eingeplant sind 52,8 Millionen Euro. Tatsächlich abgerechnet hat das Land erst 4,5 Millionen Euro, weitere 20 Millionen Euro sind durch Aufträge fest gebunden. Niedersächsische Firmen seien mit einem Volumen von 8,5 Millionen Euro an den Bauarbeiten beteiligt, sagte Finanzminister Schneider. Derzeit sehe alles danach aus, dass man den Kostenplan einhalten könne, man müsse aber auf Probleme gefasst sein. Es hatte bereits Verzögerungen gegeben, weil in den Wänden Rost entdeckt worden war.

Was sagen die Freunde des Oesterlen-Baus zu den Umbauplänen?
Der Architekt Ekkehard Bollmann, der sich vehement für den Erhalt des Landtagsplenarsaals eingesetzt hatte, lobt den Umgang mit der Oesterlen-Architektur. „Das ist ganz ausgezeichnet, dass das so erhalten geblieben ist.“ Dagegen ist sein Mitstreiter Jürgen Junghänel enttäuscht. Die Bürgerinitiativen hätten sich einen Erhalt des Oesterlen-Gebäudes innen wie außen gewünscht. „Das ist ein Neubau durch die Hintertür.“ Oesterlens Erben wiederum sind mit den Maßnahmen einverstanden: Sein Stiefsohn Georg Bissen war extra aus Tokio zur Grundsteinlegung angereist.

Kurze Chronik

Ein langer Streit: Wenn alles klappt, wird der Umbau des Plenarsaals und damit die Renovierung des niedersächsischen Landtagsgebäudes 2017 abgeschlossen sein. Es wäre das Ende eines fast 20-jährigen Streits.

Bereits zur Jahrtausendwende hatte der damalige Landtagspräsident Rolf Wernstedt einen Umbau des Plenarsaals ins Gespräch gebracht. Ein Architektenwettbewerb sah einen Umbau des Sitzungssaals im Bestand vor, doch diese Pläne wurden 2003 aus Kostengründen auf Eis gelegt.

Erst nach der Landtagswahl 2008 wurde die Renovierung der Parlamentsräume erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Diesmal ging es aber nicht mehr nur um einen Umbau: Im März 2010 beschloss der Landtag den Abriss des 1962 vom Architekten Dieter Oesterlen geschaffenen Plenarsaals. Statt dessen sollte auf dem Platz der Göttinger Sieben ein Neubau entstehen.

Doch dagegen rührten sich massive Proteste im Land. Als dann auch noch klar wurde, dass der Glas-Neubau die Kostengrenze von 45 Millionen Euro reißen würde, wurde auch dieses Projekt 2012 gestoppt.

Stattdessen bleibt nun die äußere Hülle des historischen Plenarsaals erhalten, während der Innenraum komplett neu gestaltet wird. Kostenpunkt für diese Lösung nach derzeitigem Stand: 52,8 Millionen Euro.

„Wollen wir alle hoffen, dass der Bau ohne Zwischenfälle voranschreiten wird. Wenn alles gut geht, werden wir hier Mitte Dezember das Richtfest feiern können“, sagte der Parlamentspräsident Bernd Busemann bei der Grundsteinlegung.

ran

dpa

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