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Noch mehr Knochen im Landtag entdeckt

Fall Königsmarck Noch mehr Knochen im Landtag entdeckt

Auf der Landtagsbaustelle sind Anfang August Knochen gefunden worden, die möglicherweise von dem 1694 spurlos verschwundenen Grafen Philipp Christoph von Königsmarck stammen könnten. Nun wurden noch weitere Knochen am Fundort entdeckt.

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„Das Gesichtsfeld fehlt leider komplett“: Archäologe Friedrich-Wilhelm Wulf zeigt die Gebeine aus dem Landtag. 

Quelle: Benne

Hannover. Mit dem Finger fährt er über den Beutel: „Hier sind Fragmente des Schädels, von Armen, Beinen, Rippen und vom Becken“, sagt Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf. Die Polizei hat die Knochen in den transparenten Beutel gesteckt. „Das Gesichtsfeld fehlt leider komplett“, sagt Wulf. Das dürfte die Arbeit nicht leichter machen: „Wenn wir die Zähne haben, können wir durch Strontium-Untersuchungen herausfinden, wo ein Mensch aufgewachsen ist.“

Die Gebeine, die Wulf im Landesamt für Denkmalpflege vor sich hat, stammen von der Landtagsbaustelle. Gestern hat er am Fundort der Skelettteile noch weitere kleine Knochen entdeckt: „Sie könnten von einer Hand oder einem Fuß stammen“, sagt er. Womöglich handelt es sich um die Überreste des 1694 im damaligen Leineschloss verschwundenen Grafen Philipp Christoph von Königsmarck, der dort wegen einer Affäre mit der Kurprinzessin ermordet wurde.

Über die jetzt aufgetauchten Knochen berichten mittlerweile Zeitungen von der „Daily Mail“ bis zum schwedischen „Aftonbladet“. Bauarbeiter entdeckten sie bei Schachtarbeiten für einen barrierefreien Aufzug, der im rechten Teil des Portikus am Landtagseingang eingerichtet wird. Sie lagen im Bereich eines Kriechkellers, der mit jahrhundertealtem Bauschutt verfüllt worden war - und in diesem fanden sich die Knochen.

„Leider wurden die Gebeine nicht fachgerecht geborgen“, sagt Wulf. Arbeiter hatten sie zunächst in Säcken gesammelt. „Sie taten das in guter Absicht, doch nun lässt sich die Fundsituation nicht mehr rekonstruieren, die uns womöglich wichtige Informationen verschafft hätte.“ Zudem sei Erdaushub vom Fundort abtransportiert worden: „Mit Metallsonden hätten wir untersuchen können, ob darin Knöpfe, Schnallen oder Schmuck stecken, die auf Graf Königsmarck schließen lassen.“ Wulf appelliert an Bauherren und Bauarbeiter, bei Funden sofort das Landesamt für Denkmalpflege zu verständigen.

Die Untersuchung der Knochen dürfte sich über Monate hinziehen. „Sie gehören zu einem ausgewachsenen Menschen, und sie sind alt - doch ob sie aus dem 17. Jahrhundert stammen, muss noch untersucht werden“, sagt Wulf. In den nächsten Tagen wird er die Gebeine nach Göttingen bringen. Das Institut für Historische Anthropologie der Georg-August-Universität soll klären, ob die Knochen von einem einzigen Menschen stammen. Auch Alter, Geschlecht und mögliche Krankheiten lassen sich feststellen. „Königsmarck war 29 Jahre alt, als er verschwand - vielleicht ergibt sich eine Übereinstimmung“, sagt Wulf.

Anschließend werden die Gebeine bei einem Institut im polnischen Posen, mit dem Hannovers Denkmalschützer oft zusammenarbeiten, nach der C-14-Methode auf ihr genaues Alter untersucht: „Es kann Monate dauern, bis Ergebnisse vorliegen“, sagt der Archäologe. Eine Frau aus England - nach eigenem Bekunden eine Verwandte Königsmarcks - hat sich zu einem DNA-Abgleich bereit erklärt. „Eine DNA-Untersuchung der Knochen werden wir in jedem Fall vornehmen“, sagt Wulf. „Schließlich handelt es sich um einen besonders prominenten Fund.“

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