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Aus der Stadt Noch viele Fragen zu Hannovers See-Projekt
Hannover Aus der Stadt Noch viele Fragen zu Hannovers See-Projekt
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21:52 05.09.2010
Hannover soll einen riesigen Freizeitsee erhalten. Quelle: HAZ-Grafik

„Ein kleiner Kreis von Engagierten hat sich große Mühe gegeben, ein qualifiziertes Projekt zu entwickeln“, sagt Michael Beck, Chef des Standortentwicklungsprojekts Hannover-Holding: „Jetzt kommen die Fragen, die wir mithilfe detaillierter Gutachten solide beantworten wollen – aber zu diesem Zeitpunkt nicht können.“ Die Macher hatten gehofft, die Pläne noch einige Monate intern diskutieren zu können. „Wir wollen dicke Bretter bohren“, sagt Beck. Er habe „Sorge, dass jetzt wieder alles zerredet wird“.

Für Hannover biete das Vorhaben, innerhalb der nächsten Jahrzehnte im Überschwemmungsgebiet der Leine zwischen Herrenhausen, Garbsen und Seelze einen dreigeteilten Großsee auszubaggern, ungeahnte Chancen. „Hannover hat jetzt schon einen Ruf als Stadt im Grünen mit hohem Freizeitwert – dieses Projekt würde den Schwerpunkt ungemein fördern“, sagt Holding-Chef Beck. Er sucht seit Jahren nach einem Leitmotiv, mit dem sich Stadt und Region Hannover besser vermarkten lassen. Auch Hannovers Tourismuschef Hans-Christian Nolte spricht nur positiv über das Seenprojekt: „Das Vorhaben geht weit über eine Attraktivitätssteigerung im Tourismus hinaus“, sagt Nolte: „Ziel ist eine größere Lebensqualität für den Raum Hannover.“ Problem ist allerdings, wie berichtet, insbesondere die Einstufung des betroffenen Gebiets als Naturschutzgebiet nach europäischer FFH-Richtlinie (Text links unten). Mithilfe einer Machbarkeitsstudie soll geklärt werden, ob die FFH-Festlegung aufgehoben werden kann. Auch Fragen zu Hochwasserschutz und anderen Themen sollten vor Veröffentlichung geklärt werden. Es dürfte mehrere Monate bis zur Vorstellung des Gutachtens dauern, sagt Beck. Öffentliches Geld werde nicht genutzt.

Bei den Kommunalpolitikern überwiegen derweil die Bedenken. Die Grünen sprechen sich klar gegen die Umnutzung der Leineaue aus. „Die Idee bringt uns inhaltlich nicht voran und ist ökologisch nicht verantwortbar“, sagt Fraktionsvize Michael Dette. SPD-Kollege Thomas Hermann findet das Vorhaben zwar „auf den ersten Blick bestechend“. Es täten sich aber „auf den zweiten Blick viele Fragen auf“. So halte er den Bau von bis zu 10.000 Wohnungen für völlig unrealistisch, das Gesamtprojekt für überdimensioniert, die Naturschutzprobleme für nahezu unlösbar und eine mögliche Privatisierung von Uferarealen für indiskutabel.

Allein in der FDP und Teilen der CDU gibt es deutliche Zustimmung. „Das wäre eine weitere Attraktion für Hannover“, sagt FDP-Stadtchefin Claudia Winterstein, die als Bundestagsabgeordnete Vergleiche mit der Seenlandschaft bei Berlin zieht. Sie fordert allerdings eine gute Vermarktung und das Einbeziehen der Wirtschaft. Zustimmung signalisieren auch die Ratsherren Wilfried Engelke und Jens Meyburg – allerdings auch Zweifel, dass es den geplanten See jemals geben wird. „Bevor ich anfange zu planen, würde ich bei der EU nachfragen, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden darf“, sagt Engelke. CDU-Regionsfraktionschef Eberhard Wicke findet hingegen, dass es Wichtigeres gibt als das Anlegen von Seen. Er fordert, das Auengebiet aufzuwerten, statt es zu fluten. Der hannoversche CDU-Wirtschaftspolitiker Jens-Michael Emmelmann dagegen ist „sehr aufgeschlossen auch für große Visionen“ und verlangt daher, das Projekt genau zu prüfen: „Es hat großes Potenzial, auch wenn noch viele Gutachten nötig sind.“

Conrad von Meding und Felix Harbart

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