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Nostalgische Reise mit dem Circus Roncalli

Waterlooplatz Nostalgische Reise mit dem Circus Roncalli

Wer brüllende Tiger erwartet, die durch Feuerreifen springen, oder tapsige Dickhäuter, die auf Podesten balancieren, der ist bei Roncalli falsch. Der Zirkus setzt weniger auf fragwürdige Tier-Effekte, als vielmehr auf die Ästhetik der menschlichen Bewegung und den Zauber von Licht und Musik.

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Der Zirkus Roncalli setzt weniger auf fragwürdige Tier-Effekte, als vielmehr auf die Ästhetik der menschlichen Bewegung und den Zauber von Licht und Musik.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Ausgenommen die Pferde-Show von Dompteur Karl Trunk, die aber ihren eigenen Charme entfaltet. Die Tiere marschieren nicht nur auf Peitschenknall im Gleichschritt, sie dürfen auch frech aus der Reihe tanzen - und gerade das macht den Reiz der Darbietung aus.

Wer sich also auf einen Circus im alten Stil einlässt, der wird bei Roncalli bestens unterhalten. „Good Times“ (Gute Zeiten), so ist das neue Programm überschrieben, mit dem Zirkusdirektor Bernhard Paul und seine Künstler auf Tour sind. Gestern Abend feierte die Show Premiere in Hannover vor ausverkauften Rängen. Rund 1500 Besucher ließen sich verzaubern. Unter den Premierengästen fand sich einige Prominenz, etwa 96-Altstürmer-Star Dieter Schatzschneider, GOP-Direktor Dennis Bohnecke, Bürgermeister Klaus-Dieter Scholz sowie Christoph Rüth, Geschäftsführer bei der Madsack Mediengruppe.

Wer brüllende Tiger erwartet, die durch Feuerreifen springen, oder tapsige Dickhäuter, die auf Podesten balancieren, der ist bei Roncalli falsch. Der Zirkus setzt weniger auf fragwürdige Tier-Effekte, als vielmehr auf die Ästhetik der menschlichen Bewegung und den Zauber von Licht und Musik.

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Wieder einmal gelingt es den Künstlern, die besondere Roncalli-Stimmung zu erzeugen: eine aufregende Mischung aus kindlichem Staunen, heller Freude und Entrücktheit. Das liegt nicht nur an liebevollen Details in der Ausstattung, den messingbeschlagenen Türen und Mohair-bezogenen Sitzen. Gleich zu Beginn setzt der junge spanische Magier Sergi Buka ein poetisches Zeichen, bündelt Lichtstrahlen und bringt sie zum Tanzen als wären es massive Stäbe. Nach einer Clownnummer, wie immer bei Roncalli voll anarchischem Humor aber auch mit exzellenter Choreographie, folgt der erste Höhepunkt des Abends. Die Akrobatik-Truppe „Bingo“ wirbelt durch die Manege zu treibenden Rhythmen. Danach jongliert Clown Anatoli virtuos mit Zigarrenkisten, bis die Manege umgebaut ist und die Pferde mit Dompteur Carl Trunk durchgehen.

Dann schlägt die Stunde des Nachwuchses. Vivian Paul, älteste Tochter des Zirkusdirektors, lässt Schmetterlinge aus Seidenpapier durch die Manege fliegen. Kurz vor der Pause setzt Roncalli noch einmal ein Ausrufezeichen. Das Duo Viro führt eine Art Tanz in luftiger Höhe auf, umschlungen von wallenden Tüchern. Die vier Reckturner der Gruppe „Rokashkovs“ aus Moskau zeigen danach Turnkünste in höchster Vollendung.

Der zweite Teil setzt die Reise in die guten alten Zirkuszeiten fort. Poetischer, entschleunigter geht es in der zweiten Halbzeit zu. Beispielhaft steht dafür die Darbietung der Künstlerin Marula Rigolo. In der Manege konstruiert er aus scheinbar schwerelosen Palmenästen ein komplexes Mobile, das von einer einzigen Feder im Gleichgewicht gehalten wird. Das Publikum schaut staunend und mucksmäuschenstill zu. Am Ende brandet der verdiente Applaus auf - für ein gelungenes Roncalli-Märchen.

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