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Notfallsanitäter angegriffen: 1300 Euro Schmerzensgeld

Anzahl der Attacken auf Helfer steigt Notfallsanitäter angegriffen: 1300 Euro Schmerzensgeld

1300 Euro Schmerzensgeld wegen Körperverletzung muss ein Diabetiker nun an einen Notfallsanitäter zahlen. Der Angeklagte brach dem 31-Jährigen eine Rippe. Anzahl der Attacken auf Helfer steigt seit Jahren. Der Rettungsdienst wappnet sich

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„Die Angriffe werden immer schlimmer“: Notfallsanitäter Andre Friedrichs. Foto: Schaarschmidt

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. 1300 Euro Schmerzensgeld wegen Körperverletzung muss ein Diabetiker an einen Notfallsanitäter zahlen. Darauf einigten sich die Parteien nun vor dem Amtsgericht Hannover. Der Angeklagte Aljoscha S. hatte Andre Friedrichs am 24. September 2015 angegriffen und ihm eine Rippe gebrochen sowie mehrere Prellungen verpasst.

Doch die rüde Attacke ist kein Einzelfall. Angriffe auf Rettungskräfte und Feuerwehrleute nehmen seit Jahren zu. Zahlen des Landesinnenministeriums und der Polizeidirektion Hannover verdeutlichen den negativen Trend. In ganz Niedersachsen stiegen die Übergriffe auf die Helfer binnen weniger Jahre: 2011 waren es noch 100 Taten, 2016 kam es bereits zu 161 Vorfällen. In Hannover verzeichnete die Polizei 2013 noch 21 Attacken, im vergangenen Jahr waren es bereits 31 - Höchststand war 2015 mit 34 Vorfällen. Die Statistiker vermuten sogar, dass die Zahl der nicht angezeigten Delikte noch viel höher liegt.

„Im Schnitt haben wir zwei Fälle pro Monat, die wir auch zur Anzeige bringen“, sagt Michael Hintz, Sprecher der Berufsfeuerwehr Hannover. Die Helfer seien eindeutig angehalten, jegliche Form von Übergriff anzuzeigen - egal ob Beleidigung, Anspucken oder körperliche Übergriffe. „Es geht um eine klare Botschaft“, sagt Hintz. „Wir gehen konsequent gegen Gewalt vor.“ Gleichzeitig werde das Personal in Deeskalationskursen geschult.

Nach Angaben des Berufsverbands Feuerwehr sei „die Schwelle, Gewalt anzuwenden, gesunken“, sagt Axel Traichel, Vorsitzender des Ortsverbandes Hannover. Einige Rettungskräfte würden daher bereits schnittschutzsichere Handschuhe tragen und Selbstverteidigungskurse belegen. Am Raschplatz zum Beispiel halte mitunter ein Helfer Ausschau nach Gefahren, während sich der zweite um den Patienten kümmere.

Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) fordert: „Einsatzkräfte müssen besser vor Angriffen geschützt, die Angreifer härter bestraft werden.“ Es sei daher positiv, dass die Bundesregierung nun einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht habe. Pistorius: „Schließlich sind es die Polizisten und Rettungskräfte, die jeden Tag auf die Straße gehen, sich und ihre Gesundheit einsetzen für unser aller Sicherheit.“

So war es 2015 auch bei Notfallsanitäter Andre Friedrichs. Aljoscha S. hatte in den frühen Morgenstunden einen Zuckerschock erlitten. Als die Helfer eintrafen, ging es dem Diabetiker aber bereits besser. Bei dem Versuch, dem Patienten einen Zugang zu legen, schlug S. plötzlich um sich und verletzte Friedrichs. Am Dienstag entschuldigte sich S. nochmals persönlich bei dem 31-jährigen Notfallsanitäter. Das Amtsgericht in Burgdorf hatte S. in derselben Sache bereits zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten und 300 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Vor dem Gericht erwähnte Andre Friedrichs am Dienstag, dass Angriffe auf Rettungshelfer „immer schlimmer“ werden. Mittlerweile hätte jeder seiner Kollegen zumindest als Zeuge vor Gericht aussagen müssen. „Bei mir selbst war es aber hoffentlich das erste und letzte Mal.“

Von Madeleine Buck und Peer Hellerling

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