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Obdachlos, schutzlos, mutlos

Wohnungslose in Hannover Obdachlos, schutzlos, mutlos

Hunderte Wohnungslose übernachten in Hannovers Straßen – und sind oftmals Angriffen ausgesetzt. „Die Sicherheit von Obdachlosen auf der Straße ist ein Riesenproblem“, sagt Gottfried Schöne vom Diakonischen Werk, der sich mit seinen Kollegen um die Betreuung von Obdachlosen in der Stadt kümmert.

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Leben in Armut – und in Furcht: Die Prügelattacke verängstigt viele in der Obdachlosenszene.

Quelle: Dillenberg

Hannover. Das Bekanntwerden eines brutalen Überfalls auf einen Obdachlosen in Hannover hat Entsetzen in der Szene ausgelöst. Fünf Unbekannte hatten einen schlafenden 45-Jährigen mitten in der Calenberger Neustadt mit Baseballschlägern verprügelt. Die Polizei wies gestern darauf hin, dass sich der Angriff zwar bereits am 16. Juni ereignet hatte. Aufgrund der besonderen Schwere der Tat seien aber nun auf richterliche Anweisung drei Phantombilder der fünf Täter veröffentlicht worden.

Bisher handelt es sich um einen Einzelfall, doch die Angst vor Nachahmern ist bei Gottfried Schöne vom Diakonischen Werk groß. „Die Sicherheit von Obdachlosen auf der Straße ist ein Riesenproblem“, sagt Schöne, der sich mit seinen Kollegen auch um die Betreuung von Obdachlosen und Trinkern in der Stadt kümmert. Zuletzt habe es 2011 eine Reihe von mehreren Angriffen auf Obdachlose am Raschplatz gegeben. Eine weitere Serie von Straftaten sei Anfang 2007 verübt worden. Damals hatten die jugendlichen Schläger ihre Angriffe sogar im Internet veröffentlicht.

Derartige schwere Übergriffe auf Obdachlose würden nur selten bekannt werden, sagt Schöne. Bei den Opfern gebe es eine große Hemmschwelle, über diese Fälle zu sprechen. Immer wieder würden in den Beratungsstellen Obdachlose vorbeikommen, die mit Schürfwunden und Blutergüssen übersät sind. „Die sagen dann nur, dass sie die Treppe heruntergefallen sind“, sagt Schöne.

Auch Karl Bremer vom Karl-Lemmermann-Haus kennt diese Fälle. „Viele Obdachlose haben mit Recht und Gesetz schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt er. Häufig würden sie bei den Beamten aber auch nicht auf allzu viel Verständnis stoßen. Daher gebe es eine „sehr große Dunkelziffer“ bei Übergriffen auf Obdachlose. Außerdem gehöre es leider zum Alltag eines Obdachlosen, dass er angepöbelt, geschubst oder mit Bier übergossen wird.

„Es gibt Obdachlose, die haben sich an einem Ort richtig eingerichtet – dann kommen Jugendliche vorbei und hauen alles kaputt“, schildert Wilfried Lindwedel vom Verein In Würde Leben den Alltag in Hannover. Einen solchen Fall habe er erst kürzlich wieder unter einer Ihme-Brücke in Linden beobachten müssen. Verständnis für die Rowdys hat er nicht. „Die Obdachlosen, um die wir uns kümmern, sind ganz unten – die haben völlig den Mut verloren“, sagt er.

Die Obdachlosen suchen sich daher Plätze, an denen sie mit der Öffentlichkeit möglichst nicht in Kontakt kommen. Sie quartieren sich in leerstehenden Häusern, Parkhäusern, unter Brücken oder sogar auf Baugerüsten ein.

Die städtischen Obdachlosenunterkünfte sind bei den Betroffenen nicht sehr beliebt. „Die Bewohner bestehlen sich dort oft gegenseitig“, sagt Lindwedel. Auch gewaltsame Auseinandersetzungen seien dort keine Seltenheit. Viele hätten dort bereits schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Arbeit mit Obdachlosen sei allgemein schwierig. Höchstens zehn Prozent fänden den Weg zurück in die Normalität, schätzt Lindwedel. Er macht sich keine Illusionen. „Das Problem kriegt man so einfach nicht in den Griff, unsere Arbeit ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der hauptberufliche Lkw-Fahrer. Seine Freizeit opfert er trotzdem gerne für die ehrenamtliche Straßensozialarbeit. „Wenn man nur einem helfen kann, hat sich die Arbeit gelohnt“, sagt er.

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