Darf’s ein vegetarischer Döner sein oder vielleicht ein Tofu-Hotdog? Mit einer Kiste voll vegetarischer Produkte empfingen die Grünen am Donnerstag vor der Ratssitzung die Kommunalpolitiker, um auf humorvolle Weise für den sogenannten Veggie-Day zu werben, eine Kampagne gegen übermäßigen Fleischkonsum. Doch Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) war nicht amüsiert.
Als er das Foyer zum Ratssaal betrat, runzelte er die Stirn und schritt ohne ein Wort an Grünen-Ratsfrau Maaret Westphely vorbei, die ihm eine Tofu-Salami unter die Nase hielt. „Im Rathaus sind grundsätzlich keine demonstrativen Akte gestattet. Darüber werden wir noch einmal reden müssen“, sagte Weil später am Rande der Ratssitzung. Eigentlich freue er sich über jeden, der sich gesund ernährt, „aber man sollte ein allzu aufdringliches Gutmenschentum vermeiden“, sagte Weil.
Tatsächlich weist ein Schild am Eingang des Rathauses darauf hin, dass im Gebäude Demonstrationen verboten sind. Es bestehe die Gefahr, dass die Veggie-Werbung der Grünen weiteren politischen Aktionen Tür und Tor öffne, sagte Weil. Die meisten Ratsmitglieder nahmen die Kampagne der Grünen am Donnerstag mit Humor und ließen es sich schmecken.
„Eine Tofu-Wurst nehme ich mit, zur Verpflegung für die nächste Baumaktion“, sagte Linken-Ratsherr Luk List. Er hatte vor einigen Monaten viel Aufmerksamkeit erregt, als er zusammen mit anderen Aktivisten Bäume am Ihmeufer „besetzte“, um gegen Abholzungen zu protestieren. CDU-Ratsherr Dieter Küßner hingegen weigerte sich, beim Tofu-Burger zuzugreifen. „Solche Fertigprodukte mag ich nicht, dann lieber eine frische Wurst“, sagte er.
Küßner sorgt sich, dass es am Vegetarischen Tag, den die Grünen gerne künftig stadtweit immer donnerstags abhalten wollen, kein Fleisch mehr in den Pausen der Ratsversammlung zu essen gibt. Die Currywurst bietet aber für viele Politiker eine willkommene Abwechslung während der manchmal ermüdenden Debatten. „Wir wollen Fleisch nicht verbieten, es soll am Veggie-Day nur ein zusätzliches vegetarisches Gericht angeboten werden“, sagt Grünen-Ratsherr Michael Dette. Und das nicht nur im Rathaus, sondern möglichst überall in Hannover.
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