Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Nach der Wahl ist vor der Wahl
Hannover Aus der Stadt Nach der Wahl ist vor der Wahl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:21 30.09.2013
Von Bernd Haase
Und noch einmal: Matthias Waldraff (links) und Stefan Schostok müssen in die Stichwahl. Quelle: HAZ
Hannover

Der Kampf um die Stimmen geht weiter: Die CDU hat schon Plakate für die Stichwahl drucken lassen – wie übrigens auch die Grünen, die sie nun nicht brauchen. Bei den Sozialdemokraten hatte man sich im Vorfeld siegesgewisser gegeben und darauf verzichtet. Allerdings hieß es aus der örtlichen Parteizentrale, man werde nicht ganz ohne Vorbereitungen in eine Extra-Runde gehen. Die Grünen, ohnehin im Rat mit der SPD verbandelt, wollen sich heute auf Vorstandsebene zusammensetzen, um über die Bedingungen für eine Wahlempfehlung zugunsten Schostoks zu beraten. „Dabei muss es um die verstärkte Förderung von preiswerten Wohnungen gehen“, sagte Schlieckau. Auch Kaminski deutete an, dass die Linken sich für den SPD-Mann aussprechen dürften. Die FDP wird es auch in den kommenden vierzehn Tagen mit Waldraff halten.

Der SPD-Kandidat bei den Oberbürgermeisterwahlen in Hannover, Stefan Schostok, ist am Sonntag nur knapp an der erforderlichen Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen vorbeigeschrammt. Der Sozialdemokrat verbuchte dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge 48,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er lag damit deutlich über den Resultaten seiner eigenen Partei bei der Bundestagswahl. Zwischenzeitlich war er noch näher am Ziel einer absoluten Mehrheit. So aber ist das Wahljahr 2013 für die Hannoveraner noch nicht zu Ende. Am 6. Oktober treten Schostok und sein Rivale aus der CDU, Matthias Waldraff, zur Stichwahl an.

Die Bekanntgabe der Ergebnisse verzögerte sich, weil Oberbürgermeisterwahlen nach der Bundestagswahl ausgezählt werden müssen. Schostok bezeichnete sein Ergebnis als „großen Vertrauensbeweis. Es hat mich überrascht,dass der Abstand zum Mitbewerber so groß ist.“ Der Rechtsanwalt Waldraff der noch gar nicht lange Mitglied der CDU ist und im Wahlkampf Hinweise auf sein Parteibuch häufig vermieden hatte, sammelte 33,8 Prozent und damit ebenfalls mehr, als seine Partei in Hannover an Zweitstimmen holte. Der Grünen-Kandidat Lothar Schlieckau folgte mit glatt elf Prozent, Maren Kaminski holte für die Linken 6,4 Prozent.

In der Geschichte der bisher vier Direktwahlen für den Oberbürgermeister in Hannover kommt es damit zum zweiten Mal zu einer Stichwahl. Gleich bei der Premiere 1996 hatte die CDU-Kandidatin Rita Pawelski den Langzeitbürgermeister Herbert Schmalstieg in die zweite Runde gezwungen, unterlag dann aber. In einer Neuauflage dieses Duells 2001 gewann Schmalstieg deutlich; fünf Jahre später besiegte der heutige Ministerpräsident Stephan Weil für die SPD Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer.

SPD-Kandidat Stefan Schostok hat bei der Oberbürgermeisterwahl die meisten Stimmen bekommen. Bilder vom Wahlabend im Rathaus.

Schostoks gutes Resultat überraschte nicht nur vor dem Hintergrund der Bundestagswahlergebnisse. Der 49-jährige frühere Fraktionschef der SPD im Landtag war ohne Amtsbonus ins Rennen gegangen. Er musste sich im Lager links der Mitte Stimmen mit Schlieckau und Kaminski teilen, während der 61-jährige Christdemokrat Waldraff im bürgerlichen Spektrum allein auf Stimmenfang gehen konnte. Hannovers FDP hatte im Gegensatz zu früheren Wahlen auf einen eigenen Bewerber verzichtet und stattdessen den CDU-Politiker unterstützt.

Wenn die beiden Sieger und ihre Parteifreunde nun ihre Wähler für die Stichwahlen mobilisieren, birgt das manche Tücken. Erstens fehlt beim erneuten Wahltag die gleichzeitige Bundestagswahl, was erfahrungsgemäß die Wahlbeteiligung nach unten drückt. Dafür, dass am 6. Oktober deutlich weniger Bürger in die Wahllokale gehen würden als gestern, spricht auch das Datum an sich. Drei Tage vor dem Stichwahltag ist mit dem Tag der Deutschen Einheit ein Feiertag, außerdem beginnen dann in Niedersachsen die Herbstferien. Mancher Wahlberechtigte dürfte somit schlicht im Urlaub sein, falls die endgültige Entscheidung darüber, wer künftig auf dem Chefsessel im hannoverschen Rathaus sitzt, erst an diesem Tag fällt.

Am 22. September waren gut 400.000 Hannoveraner aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ein Rückblick auf den ersten Wahlgang, der für den OB-Posten in Hannover noch keine endgültige Entscheidung brachte:

Für die Stadtverwaltung bedeutet eine Stichwahl eine logistische Herausforderung. Rund 67 000 der insgesamt 402 000 Wahlberechtigten hatten zuletzt von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch gemacht. „Wir gehen davon aus, dass sie das auch bei der endgültigen Entscheidung tun wollen“, hieß es von Seiten der Wahlleitung im Rathaus. Die muss gegebenenfalls dafür sorgen, dass binnen weniger Tage die erforderlichen Unterlagen bei den Wahlberechtigten eintreffen.

_________________________________________________________

„Großartiger Vertrauensbeweis“

Herr Schostok, es hat nichts ganz geklappt mit dem Sieg im ersten Wahlgang. Wie beurteilen Sie Ihr Ergebnis?
Ich bin ehrlich gesagt sogar ein bisschen stolz. Ich habe fast 50 Prozent der Stimmen bekommen, das ist ein großartiger Vertrauensbeweis der Bevölkerung. Wir, alle vier Kandidaten, wussten ja nicht, wo wir stehen.

Welche Rolle spielte die gleichzeitig stattfindende Bundestagswahl für das Ergebnis? Es gab Befürchtungen in der SPD, dass Merkel-Wähler ihr Kreuz auch bei der Oberbürgermeisterwahl beim CDU-Kandidaten machen könnten.
Die Bundestagswahl war tatsächlich die große Unbekannte. Ich glaube, dass es mir gelungen ist, viele Wähler, die zur Wahl gegangen sind, auf meine Seite zu ziehen.

Der Kandidat der Grünen, Lothar Schlieckau, hat unerwartet schlecht abgeschnitten. Er führt das auf den Bundestrend zurück, der seiner Partei zuletzt entgegenschlug. Haben Sie davon profitiert?
Das weiß ich nicht, das habe ich noch nicht analysiert. Was mich überrascht hat, war der Abstand zu meinem Mitbewerber ...

... Matthias Waldraff von der CDU.
Sein Ergebnis war noch schlechter als das von seinem Vorgänger Dirk Toepffer bei der OB-Wahl 2006.

Der Wahlkampf wird nun zwei Wochen lang weiter die Stadt beschäftigen. Wird er sich unterscheiden von dem der vergangenen Monate?
Ich habe bisher einen Wahlkampf geführt, der stark auf Hannover-Inhalte setzte. Das hat mich von meinem Mitbewerber unterschieden. Aber jetzt werde ich meine Themen noch stärker in den Mittelpunkt stellen, Stadtentwicklung, Ganztagsbetreuung, Wohnen und Bürgerbeteiligung. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich diese zwei Wochen so ernst nehmen werde wie die vergangenen Monate.

_________________________________________________________

„Es beginnt die zweite Halbzeit“

Herr Waldraff, Sie haben es nur ganz knapp in die Stichwahl geschafft. Sind Sie enttäuscht?
Nein, ich bin aufgeräumt. Das liegt vor allem daran, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt. Für mich persönlich beginnt jetzt die zweite Halbzeit.

Dennoch konnten Sie hier in Hannover nicht vom Bundestrend Ihrer Partei profitieren.
Das ist richtig und hat mit der lokalen SPD zu tun. Aber Herr Schostok hat trotz aufwendiger Kampagne sein Wahlziel nicht erfüllt, mehr als 50 Prozent der Stimmen zu erringen.

Wie bereiten Sie sich jetzt auf die Stichwahl am 6. Oktober vor?
Wir werden die Wahlergebnisse in den Stadtbezirken genau analysieren. In den Stadtteilen, in denen die CDU gut abgeschnitten hat, werden wir in den kommenden zwei Wochen verstärkt präsent sein und Wähler mobilisieren.

Fürchten Sie, dass die Grünen sich jetzt auf die Seite der SPD schlagen und eine Wahlempfehlung für Schostok aussprechen?
Ich habe mir mit dem OB-Kandidaten der Grünen, Lothar Schlieckau, einen fairen Wahlkampf geliefert. Es gibt auch viele Themen, bei denen wir beide einer Meinung sind. Sein schlechtes Ergebnis hat eher mit den Debatten um die Bundes-Grünen zu tun als mit der Person Lothar Schlieckau.

Sind Sie es nicht leid, wieder in den Kampf ziehen zu müssen?
Nein, ich freue mich darauf. Jetzt geht es darum, eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen.

Krempeln Sie morgen gleich wieder die Ärmel hoch?
Ich gönne mir einen Tag Pause. Ich werde meinen Sohn zur Kita bringen, das habe ich schon lange nicht mehr getan, und dann einmal durchatmen. Ab Dienstag geht es dann wieder los.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Hausverwaltung macht Druck - Ultimatum an Thor-Steinar-Laden

Nach den anhaltenden Protesten aus Politik und Bevölkerung gerät der Thor-Steinar-Laden in der List zunehmend unter Druck. Die Hausverwaltung des Gebäudes stellt mehrere Forderungen – und stellt auch die Gültigkeit des Mietverhältnisses infrage.

25.09.2013

Zwei Bombenfunde in Hannover an zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben die Einsatzkräfte an ihre Belastungsgrenze gebracht. Feuerwehrchef Claus Hoppe fordert daher die systematische Suche nach Blindgängern – vor allem auf Baustellen.

27.09.2013
Aus der Stadt Wahlleiter Carsten Köller - Der Mann der Zahlen

Es ist Wahltag: Über 400.000 Menschen dürfen in Hannover ihre Stimmen abgeben. Dass alles reibungslos läuft, darüber wacht Hannover Wahlleiter Carsten Köller. Seine Zahlen rufen Gewinner aus – und Verlierer.

Bernd Haase 24.09.2013