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Aus der Stadt Obstbuden setzen Wochenmärkte unter Druck
Hannover Aus der Stadt Obstbuden setzen Wochenmärkte unter Druck
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00:15 23.06.2017
Von Andreas Schinkel
Harte Konkurrenz: Erdbeeren und Spargel gibt es in der Verkaufsbude am Herrenhäuser Markt. Direkt daneben wollen auch die Wochenmarktbeschicker ihre Frischwaren an die Kundschaft bringen – bei deutlich höheren Standpreisen. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

„So etwas dürfte es gar nicht geben“, sagt Sigurd Wisseroth vom Verband der niedersächsischen Schausteller und Marktbeschicker. Die Konkurrenz durch Billiggemüse und -obst in Discountern sei ohnehin sehr groß, da bräuchte man nicht noch die freien Verkaufsbuden. Davon sind nach Angaben des Verbands mehr als 50 in Hannover offiziell genehmigt. „Es kann nicht sein, dass die Budenbetreiber deutlich weniger Standgebühren bezahlen als wir Marktleute auf den Wochenmärkten“, ärgert sich Wisseroth. Die Stadtverwaltung teilt auf Nachfrage der Fraktion „Hannoveraner“ im Rat mit, dass sie nicht eingreifen wolle. Man sei zu Neutralität verpflichtet und dürfe weder die eine noch die andere Verkaufsform befördern oder behindern.

Preise liegen weit auseinander

Tatsächlich gehen die Preise, die Marktbeschicker und Budenbetreiber zahlen müssen, weit auseinander. Das liegt daran, dass für beide jeweils eine andere Satzung gilt. Die Marktsatzung legt fest, dass Marktbeschicker pro Tag rund 4 Euro je Frontmeter Verkaufsstand zahlen müssen. Darauf wird zusätzlich die gesetzliche Mehrwertsteuer fällig. Bei großen Ständen komme unterm Strich mehr als 100 Euro Gebühr zusammen, sagt Verbandssprecher Wisseroth. Die Verkaufsbuden werden dagegen nach der Sondernutzungssatzung abgerechnet. Sie gilt für den öffentlichen Straßenraum. Pro Quadratmeter müssen die Betreiber 26 Euro bezahlen – pro Monat. „Das bedeutet: Eine Bude kostet etwa 100 Euro im Monat, ein großer Marktstand 100 Euro am Tag“, sagt Wisseroth. Hinzu komme, dass die Buden jeden Tag öffnen dürfen, auch sonntags. Tatsächlich ist es den Betreibern erlaubt, am Sonntag für drei Stunden Obst und Gemüse zu verkaufen.

Ratspolitik appelliert an die Moral

Der Unmut der Marktbeschicker über die Vielzahl von Verkaufsbuden ist auch den Ratspolitikern nicht entgangen. Immer wieder haben sich Politiker, Marktleute und Verwaltungsvertreter zu Gesprächen getroffen. Das Ergebnis ist mager, derzeit scheint es keine rechtliche Möglichkeit zu geben, die Zahl der Buden einzuschränken.
Zufrieden ist niemand. „Wir wollen die Verkaufsbuden nicht vertreiben, aber sollten den Wildwuchs eindämmen“, sagt SPD-Wirtschaftsexperte Florian Spielgelhauer. In Stadtteilen ohne Wochenmärkte seien Verkaufsstände sinnvoll. Die CDU appelliert an die „moralische und unternehmerische Verantwortung“ der Budenbetreiber. „Es sind die Marktbeschicker, die einen Standort attraktiv machen“, sagt CDU-Wirtschaftspolitiker Jens-Michael Emmelmann. Am Rande von Wochenmärkten seien Budenbetreiber letztlich Nutznießer, ähnlich wie etwa die Bierdosenverkäufer am Rande von Konzerten und großen Festen.
Mehr Initiative von der Stadt wünschen sich die „Hannoveraner“. „Die Verwaltung macht es sich zu einfach, wenn sie meint, Wochenmärkte und Verkaufsbuden seien nicht vergleichbar“, sagt „Hannoveraner“-Ratsherr Jens Böning. Man brauche eine gerechte Lösung, vor allem bei den Standgebühren     

Die Marktbeschicker fordern schon lange, die Ungleichbehandlung bei den Gebühren aufzuheben. „Die Satzungen müssten angeglichen werden“, sagt Wisseroth. Aus der Ratspolitik gab es wiederholt Vorstöße, auf die Budenbetreiber einzuwirken – mit mäßigem Erfolg. Die Stadtverwaltung sieht sich nicht in der Pflicht. Marktbeschicker und Budenbetreiber „bedienen sich unterschiedlicher Vertriebssysteme, sodass eine Vergleichbarkeit nicht gegeben ist“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Verwaltung auf die Ratsanfrage. Während die Markthändler täglich ihren Ort wechselten, stünden die Verkaufsbuden an einem festen Platz. „Zudem stehen viele der Verkaufsstände auf Privatflächen“, teilt die Stadt mit.

Von zwei Seiten bedrängt

Die Marktbeschicker sehen sich von zwei Seiten bedrängt: nicht nur von den Verkaufsbuden, sondern auch von den Supermärkten. „Bei den Discountern wird ein Bund Radieschen für 39 Cent angeboten, ich muss aber 90 Cent nehmen, um über die Runden zu kommen“, sagt Wisseroth. Dennoch gebe es viele Wochenmärkte in Hannover, die noch funktionierten, etwa der Markt auf dem Stephansplatz in der Südstadt, der Markt auf dem Lister Moltkeplatz und der kleine Markt in Herrenhausen.     

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