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Aus der Stadt Oesterlen-Bau soll schnell neuem Landtags-Plenarsaal weichen
Hannover Aus der Stadt Oesterlen-Bau soll schnell neuem Landtags-Plenarsaal weichen
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17:58 15.02.2010
Von Conrad von Meding
Landtag Neubau. Praesentation des Siegerarchitekten Yi der Juryauswahl. Hannover am 13. Februar 2010. Foto: Martin Steiner Quelle: Martin Steiner

Was für ein Bündel an Kreativität: 57 Architekturbüros haben Perspektiven für den Neubau am Niedersächsischen Landtag entwickelt. Mal haben sie ihre Entwürfe optisch dicht am bestehenden, bei der Mehrheit der Parlamentarier unbeliebten Plenarsaal gehalten, mal sind sie ganz neue Wege gegangen. Futuristische Kugelformen (Büro Scharlach, Isernhagen) oder die typische Retro-Architektur mit weit herausragenden Gebäudeteilen (Bahl & Partner, Hagen) finden sich ebenso wie gediegene und traditionelle Entwürfe.

Jetzt hat die Jury entschieden: Es soll der pavillonartige Neubau von Prof. Eun Young Yi aus Köln werden. Er ergänze das von Hofarchitekt Laves gestaltete Leineschloss, in dem große Teile der Landtagsverwaltung untergebracht sind, mit einem starken, eigenständigen Element, betonte Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) am Wochenende bei der Präsentation. Eleganz und Offenheit, eine hohe Funktionalität – das zeichne den Entwurf aus. Gewinner Yi, der am späten Freitagabend telefonisch informiert worden war und noch in der Nacht mit seiner Frau den Zug nach Hannover nahm, strahlte übers ganze Gesicht.

Es ist mitnichten sein größtes Projekt: Das Kölner Büro des gebürtigen Südkoreaners baut derzeit riesige Labor- und Technikgebäude für die Universität in Seoul; nach seinen Plänen wird auch die neue Stadtbibliothek in Stuttgart errichtet – mit 80 Millionen Euro fast doppelt so teuer wie der Landtag in Hannover. Doch ein Parlamentsbau ist etwas Besonderes auch für Architekten. „Ich freue mich, an so einem bedeutenden Projekt in einer bedeutenden Stadt in Deutschland mitwirken zu können“, sagt Yi.

Für seinen Entwurf habe er „versucht, kongenial mit Laves zu arbeiten“ und dem Landtag ein Plenargebäude zu geben, das „für Transparenz und Freiheit“ steht, sagt Yi. Entstanden ist ein Solitärbau, verbunden mit dem Leineschloss nur durch eine Art Tunnel. Haupteingang bleibt der klassizistische Portikus des Schlosses. Von dort führt im Inneren eine sehr breite Treppe hinab zum Verbindungsgang Richtung Neubau, der durch eine Glasdecke Tageslicht erhält. Der Neubau selbst wird getragen von sehr schlanken Säulen, die nur etwa 30 Zentimeter dick und mit einem Edelstahlnetz ummantelt sein sollen. Eine „Architektur wie Claudia Schiffer, schlank und schön“ nannte Yi den Pavillonentwurf. Rundum verglaste Wände sollen Einblicke vermitteln, allerdings nicht in den Sitzungssaal in der Mitte, denn er ist umgeben von zahlreichen Büros, Konferenz- und Veranstaltungsbereichen: Glasbausteine versperren den Durchblick zum Plenarsaal.

An diesem Punkt musste der Architekt Nachbesserungen versprechen. Zumindest vom Flussufer im Südosten her muss er Transparenz zwischen Innen und Außen ermöglichen. Auch die Zufahrt zur Tiefgarage missfällt der Jury: Die Garagenabfahrt ist zwischen Gebäude und die Karmarschstraße gequetscht. Dort dürfe „kein dunkles Loch“ entstehen, sagt Landtagspräsident Dinkla. Drei Wochen hat Yi Zeit, Nachbesserungen vorzuschlagen.

Der zweitplatzierte Entwurf habe viele Sympathien erhalten, weil er dem Vorgängerbau Respekt zolle, war aus der Jury zu hören. Architekt Walter Gebhardt aus Hamburg habe als einziger einen schlüssigen Entwurf vorgelegt, bei dem das Oesterlen-Gebäude zumindest äußerlich erkennbar bleibe und die Raumanforderungen trotzdem erfüllt würden. Gebhardt hat an der Ostseite zur Karmarschstraße, wo die Fassade ohnehin mehrfach unterbrochen ist, eine große Glaswand eingeschnitten und auch im Inneren die zweite Wand zum Plenarsaal geöffnet. So erfüllt der Raum die Kriterien der Transparenz und Offenheit. Die laut Raumplan notwendigen Büros und Besprechungszimmer sind in den Bereichen zur Leine und zur Marktkirche hin untergebracht, wobei Gebhardt Lichtschlitze in die eigentlich geschlossenen Steinfassaden schneiden würde, um Tageslicht einzulassen. Die Jury argumentiert, der Umbau sei so aufwendig, dass er fast ein Neubau sei. Das aber konterkariere den Denkmalschutzgedanken – daher solle man lieber gleich neu bauen und das Denkmal abreißen.

Kosten sollen begrenzt werden

Der Landtag hat sich eine Ausgabengrenze von 45 Millionen Euro gesetzt. Architekt Yi sagt, dass sein Entwurf zwar noch nicht durchgerechnet sei, „der Erfahrung nach“ könne es aber „fast eine Punktlandung“ geben. Doris Nordmann, zuständige Abteilungsleiterin im Finanzministerium, verspricht „ein sehr stringentes Kostenmanagement“. Möglicherweise werde man die Kostengrenze auch im Architektenvertrag festschreiben. Allein der Tiefgaragenbau neben dem Fluss dürfte einige Kosten verursachen. Noch aber ist nichts entschieden. Esrt in einigen Wochen wird die Baukommission des Landtags Fakten schaffen.

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