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Aus der Stadt Oft klingt das Schuljahr in Hannover ohne Unterricht aus
Hannover Aus der Stadt Oft klingt das Schuljahr in Hannover ohne Unterricht aus
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11:57 05.07.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Ihre Kinder kommen wesentlich früher nach Hause als gewohnt und berichten von Filmen und Ausflügen in die Eisdiele. „Ich hätte ein besseres Gefühl, wenn sich diese Aktionen übers Jahr verteilen oder die Sommerferien zwei Wochen gekürzt würden“, sagt Bettina Lemke, deren Tochter zur Elsa-Brändström-Schule geht.

Thomas Held kann aus langjähriger Erfahrung mit seinen Kindern genau sagen, wann in der Schule nichts mehr geht. „In dem Moment, wenn die Lehrer die Zensuren eingetragen haben, setzt bei den Schülern ein unglaublicher Entspannungseffekt ein.“ Dann in jedem Fach noch konzentriert Unterricht zu machen sei illusorisch: „Ich kann mich noch gut an die eigene Schulzeit erinnern.“ Held, selbst Musiker im Opernhaus, hält diese spezielle Vorferienzeit sogar für besonders wichtig. „Da passieren schöne sinnvolle Dinge, für die sonst keine Zeit ist.“ Die Klassenlehrerin seiner Tochter Katharina hat zum Beispiel ein verlängertes Wochenende auf Rügen durchgeboxt – als Abschied, weil viele Schüler nach der 10. Klasse getrennte Wege gehen. An der Herschelschule lief aber auch noch Unterricht, sagt Katharina. Und in Geschichte sah die Klasse „Das Wunder von Bern“, weil es vorher um das Thema Kriegsheimkehrer ging. „Der Film hat uns das nähergebracht.“

Die 15-jährige Sylvie aus der Tellkampfschule ist dankbar für den lauen Ausklang. „Durch die Verkürzung des Abiturs haben wir wesentlich mehr Unterrichtsstunden als früher.“ Zur Belohnung geht es am Wandertag an die Ricklinger Kiesteiche, während die Parallelklasse in den Heide-Park fährt. Ein Ausflug zum Klimahaus nach Bremerhaven oder ein Kinobesuch mit „Fluch der Karibik“ auf Englisch bringe mehr für Motivation und Klassenzusammenhalt als der übliche Unterricht, sagt Sabine Hedderich, deren Kinder zur Bismarckschule gehen. „Mich stört eher diese ganze Serie von Kurzferien nach den Osterferien. Die Kinder kamen gar nicht in Tritt.“ Renate Scheffers Sohn konnte sich am Montag beim Sportfest der Käthe-Kollwitz-Schule austoben. „Ich finde es gut, dass die Kinder nicht immer unter Druck stehen.“

Doch manchen Schülern ist das Extraprogramm so langweilig, dass sie lieber schwänzen. Die Zehntklässler Max und Felicia von der Bismarckschule motiviert das Filmegucken jedenfalls nicht. „Eigentlich sind diese Tage sinnlos. Wir machen doch eh nichts. Da könnte man auch einfach zu Hause bleiben.“ Elftklässler Simon sieht das bereits anders. „Abgesehen von Dokumentarfilmen in Bio oder Geschichte läuft der Unterricht völlig normal ab. Ich sehe das ein, weil wir den Stoff fürs Abi ohnehin lernen müssen.“

Putzen am letzten Schultag

In manchen Schulen wartet selbst am Mittwoch am letzten Schultag vor den großen Ferien noch Arbeit auf die Schüler. Bevor es in der dritten Stunde die Zeugnisse gibt, rücken die Schüler am Kurt-Schwitters-Gymnasium mit Besen, Lappen und Feudel dem Schmutz im Klassenzimmer und auf den Gängen zu Leibe. „Die Schüler bringen die Schule auf Hochglanz“, sagt Schulleiter Winfried Baßmann.

Meist geht es am Mittwoch aber unterhaltsamer zu. „Wir machen was Besonderes. Wir lesen Geschichten vor, alle spielen Räuber und Gendarm und manchmal auch Fußball“, erzählt der zehnjährige Jakob, der in die vierte Klasse in der Waldorfschule am Maschsee geht. Die Kinder in der Gebrüder-Körting-Schule führen am Mittwoch im Forum Tänze auf, tragen Lieder und Gedichte vor. Die Lehrer winken am Ende allen zum Abschied in die Ferien zu – und schenken jedem Kind ganz unpädagogisch ein Überraschungsei.

In der Grundschule Entenfang bereiten alle Schüler den Viertklässlern einen schönen Abschied. Bereits am Dienstag gibt es eine Feier mit Musik und Theatervorführungen. Und am Mittwoch dürfen die Viertklässler nach der Zeugnisausgabe nicht einfach sang- und klanglos verschwinden. Alle Kinder aus den ersten bis dritten Klassen stellen sich im Spalier auf dem Schulhof auf und bilden mit ihren Armen einen langen Torgang, durch den die Viertklässler und ihre Lehrer in die Ferien gehen.

Bärbel Hilbig und Dennis Scharf

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