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Entsetzen bei Betroffenen

Opfer wussten nichts von Nazi-Video


Die Polizeidirektion Hannover lässt sich bei den Ermittlungen gegen die rechtsradikale Gruppierung „Besseres Hannover“ offenbar Zeit. Vor fünf Tagen stellten die bekennenden Nationalisten ein Video ins Internet. Der Film zeigt, wie einer der Rechtsextremisten in einem Bärenkostüm durch die Südstadt zieht, vor verschiedenen Dönerimbissen posiert und den rechten Arm zum „Hitlergruß“ ausstreckt.
Foto: Der vermeintlich harmlose Bär vor einem Dönerimbiss in der Jordanstraße.

Der vermeintlich harmlose Bär vor einem Dönerimbiss in der Jordanstraße.

Hannover. Die Polizei teilte daraufhin noch am Donnerstag mit, der Staatsschutz werde umgehend die Ermittlungen einleiten. Bei den Betreibern der betroffenen Dönerrestaurants haben sich die Beamten bisher aber nicht gemeldet.

Erst durch einen Hinweis der HAZ-Redaktion erfuhren die Restaurant- und Imbissbetreiber von dem Video. Die Betroffenen reagierten schockiert auf den Film. „Es ist kein gutes Gefühl, wenn nach allem, was passiert ist, mein Restaurant in einem rechtsextremistischen Propagandafilm auftaucht“, sagte einer der Betroffenen und spielte damit auf die Morde an Imbissbetreibern durch die Zwickauer Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Der Mann im Bärenkostüm sei vergangene Woche gemeinsam mit einem etwa 25 Jahre alten Begleiter vor seinem Lokal aufgetaucht. „Sie haben gesagt, sie wollten einen Film drehen. Ich habe mir nichts dabei gedacht und sie machen lassen“, sagte der Gastronom.

In dem Video ist zu sehen, wie der Mann im Bärenkostüm direkt hinter dem Rücken des Restaurantbetreibers den rechten Arm in die Luft reckt. Besorgniserregend ist vor allem ein Text, den die Rechtsextremisten zu ihrem Video verfassten. Sie wollten nicht mehr „hinnehmen“, dass die Abschiebung von Ausländern als etwas „Schreckliches“ dargestellt werde, teilen die Macher des Films im Internet mit. Ein Restaurantbetreiber reagierte mit Unverständnis auf das Vorgehen der Polizei. „Wenn die wissen, dass mein Lokal in diesem Film gezeigt wird, müssen sie es mir doch sagen. Wie soll ich mich sonst gegen diese Rechtsextremisten schützen? Woher soll ich wissen, wie weit die gehen?“ Auf Nachfrage teilte die Polizeidirektion Hannover am Montag mit, Beamte der Abteilung  Staatsschutz würden die betroffenen Restaurantbetreiber umgehend aufsuchen.

Auch die Ratspolitik reagiert mit Entsetzen auf das Video. „Der Film soll den Hannoveranern Angst einjagen. So etwas müssen wir alle ernst nehmen“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Kastning. Von der Polizei wünscht sie sich, dass die Beamten künftig „sensibler“ reagieren und umgehend das Gespräch mit den Opfern suchen. Auch bei den Grünen kommt die Vorgehensweise der Polizei nicht gut an. „Die Beamten hätten die im Video verunglimpften Personen sofort kontaktieren sollen“, sagte Grünen-Ratsherr Patrick Drenske.
Die Polizei rechnet der rechtsextremen Organisation „Besseres Hannover“ etwa 30 feste Mitglieder zu. Als Kopf der Vereinigung gilt Marc-Oliver M., der ehemalige NPD-Chef Hannovers.

Vivien-Marie Drews und Andreas Schinkel

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