Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Neue Rabbiner ins Amt eingeführt
Hannover Aus der Stadt Neue Rabbiner ins Amt eingeführt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 04.12.2016
Von Simon Benne
Restlos gefüllt: Hunderte Besucher waren zur ersten Ordination von Rabbinern in Hannovers Geschichte in die Liberale Synagoge gekommen. Quelle: dpa
Hannover

Die Gemeinde erhebt sich feierlich, als der Toraschrein geöffnet wird. Der Vorhang gleitet zur Seite, und alle Blicke richten sich auf die heiligen Schriftrollen, die darin aufbewahrt werden. In diesem Gottesdienst erklingen Jahrtausende alte Gebete und melancholische Melodien. Dann stimmt der Kantor das Sh'ma Israel an, das jüdische Glaubensbekenntnis. Draußen vor der Tür ist dieser 1. Dezember ein ganz gewöhnlicher Tag, doch hier, in der überfüllten Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Stöcken, ist der 1. Kislev 5777, und es ist ein historisches Datum. Ein Feiertag. Zum allerersten Mal in der Geschichte Hannovers werden hier zwei Rabbiner ins Amt eingeführt.

Lior Bar-Ami und Ariel Pollák haben - ebenso wie der neue Kantor der Gemeinde, Assaf Levitin - am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg studiert, das 1999 nach dem Holocaust wieder die Ausbildung von Rabbinern in Deutschland aufgenommen hat. Das Geiger-Kolleg, das heute Anlaufstelle für Studierende aus aller Welt ist, wird von der Kultusministerkonferenz gefördert: "Jedes Land zahlt ein bisschen mit", sagt dessen Rektor Walter Homolka. Daher würden die Absolventen jedes Jahrgangs in einem anderen Bundesland ordiniert - und diesmal ist eben Niedersachsen an der Reihe.

Zwei Rabbiner und ein Kantor wurden in Hannover in ihr Amt eingeführt.

Mehr als 200 Gäste sind zum Gottesdienst gekommen; Besucher aus Polen und Ungarn, aus Russland und Frankreich, darunter Dutzende von Rabbinern. "Das ist ein großer Tag für uns", sagt Ingrid Wettberg, die Vorsitzende der Gemeinde. Gleich zwei Ministerpräsidenten geben sich die Ehre. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil würdigt die Vitalität der jüdischen Gemeinden im Land: "Gemessen daran, woher wir kamen, ist das ein Wunder", sagt er mit Blick auf die Ermordung von Millionen Juden in der NS-Zeit. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist als Vertreter der Leo-Baeck-Stiftung gekommen, die das Abraham-Geiger-Kolleg trägt. In seiner Rede gibt er sich nachdenklich: "Es bedrückt mich, wenn ich vor jeder jüdischen Einrichtung Polizeiwagen sehe."

Der neue Rabbiner Lior Bar-Ami, der Schweizer Staatsbürger ist, weiß, dass es noch schlimmer sein könnte. Er wird künftig Gemeinden in Wien und Toulouse betreuen: "In Frankreich ist die Lage für jüdische Gemeinden sehr angespannt", sagt der 30-Jährige: "Dort werden Synagogen nicht von der Polizei bewacht, wie hier, sondern vom Militär." Sein Kollege Ariel Pollák stammt aus Ungarn und wird als Rabbiner nach Budapest zurückkehren. Er wuchs in einer nicht sehr religiösen Familie auf: "Als ich ein Kind war, nannte mein Vater mich immer Rabbi, weil ich mich so für Religion interessierte", erinnert sich der 27-Jährige. Hannover wird in seiner Biografie immer der Ort sein, an dem der Scherz seines Vaters sich als Prophezeiung erwies.

Aus den USA ist Rabbiner Walter Jacob in die Liberale Synagoge gekommen. Der Präsident des Abraham-Geiger-Kollegs ist so etwas wie ein Elder Statesman des liberalen Judentums. Er legt den neuen Rabbinern bei der Ordination die Hand auf die Schulter, und er legt jedem seinen Tallit um, den Gebetsschal, der künftig Teil ihrer Amtstracht sein wird. Darin ist ihr Ordinationsspruch eingestickt. Der von Ariel Pollák stammt aus dem Buch der Sprüche: "Gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Die Liberale Jüdische Gemeinde

Im Jahr 2015 feierte Hannovers Liberale Jüdische Gemeinde ihr 20-jähriges Bestehen. Im Jahr 1995 war die Gemeinde in teils harsch ausgetragenen Konflikten aus der bis heute zahlmäßig größeren jüdischen Gemeinde in der Haeckelstraße hervorgegangen. Unter anderem pochten Frauen darauf, mehr Rechte zu bekommen. Seit 2009 hat die Liberale Jüdische Gemeinde,  zu der 800 Mitglieder zählen, ihr Domizil in der früheren evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Stöcken. In ganz Hannover leben rund 7000 Juden. be

Union Boden, Betreiber von zehn Parkhäusern in Hannover, will seinen Kunden helfen, freie Stellplätze zu finden. Das städtische Unternehmen hat eine fürs Smartphone entwickeln lassen, die direkt mit dem Parkmanagementsystem der Stadt verbunden ist.

Andreas Schinkel 01.12.2016

Nach elf Jahren hat Hannover endlich wieder einen "Michelin"-Stern für überragende Küche gewonnen. Das Jante von Tony Hohlfeld am Braunschweiger Platz hat die höchste Auszeichnung in die Stadt zurückgeholt. Und die Ole Deele in Burgwedel hat ihren Stern verteidigt.

Conrad von Meding 04.12.2016
Aus der Stadt Vorbereitungen für Messe laufen - Die "Pferd und Jagd" startet am 08. Dezember

Pferdewiehern, Stallgeruch und Tieranhänger auf dem Messegelände: Am Donnerstag, den 8. Dezember, startet die Messe Pferd & Jagd. In diesem Jahr präsentieren 950 Aussteller alles rund um Pferd, Jagd und Angelsport. Allein 510 Aussteller sind es im Bereich Pferd.

01.12.2016