Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Neue Rabbiner ins Amt eingeführt

Liberale Jüdische Gemeinde Neue Rabbiner ins Amt eingeführt

Für das jüdische Leben in Hannover ist es ein historischer Tag: Zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt wurden zwei Rabbiner in ihr Amt eingeführt. Zur Ordination in der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Stöcken kamen Gäste aus aller Welt - und feierten die Lebendigkeit des Judentums.

Voriger Artikel
Neue App zeigt freie Plätze in Hannovers Parkhäusern
Nächster Artikel
Tropenschauhaus öffnet trotz Schmetterlingssterben

Restlos gefüllt: Hunderte Besucher waren zur ersten Ordination von Rabbinern in Hannovers Geschichte in die Liberale Synagoge gekommen.

Quelle: dpa

Hannover. Die Gemeinde erhebt sich feierlich, als der Toraschrein geöffnet wird. Der Vorhang gleitet zur Seite, und alle Blicke richten sich auf die heiligen Schriftrollen, die darin aufbewahrt werden. In diesem Gottesdienst erklingen Jahrtausende alte Gebete und melancholische Melodien. Dann stimmt der Kantor das Sh'ma Israel an, das jüdische Glaubensbekenntnis. Draußen vor der Tür ist dieser 1. Dezember ein ganz gewöhnlicher Tag, doch hier, in der überfüllten Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Stöcken, ist der 1. Kislev 5777, und es ist ein historisches Datum. Ein Feiertag. Zum allerersten Mal in der Geschichte Hannovers werden hier zwei Rabbiner ins Amt eingeführt.

Lior Bar-Ami und Ariel Pollák haben - ebenso wie der neue Kantor der Gemeinde, Assaf Levitin - am Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg studiert, das 1999 nach dem Holocaust wieder die Ausbildung von Rabbinern in Deutschland aufgenommen hat. Das Geiger-Kolleg, das heute Anlaufstelle für Studierende aus aller Welt ist, wird von der Kultusministerkonferenz gefördert: "Jedes Land zahlt ein bisschen mit", sagt dessen Rektor Walter Homolka. Daher würden die Absolventen jedes Jahrgangs in einem anderen Bundesland ordiniert - und diesmal ist eben Niedersachsen an der Reihe.

Zwei Rabbiner und ein Kantor wurden in Hannover in ihr Amt eingeführt.

Zur Bildergalerie

Mehr als 200 Gäste sind zum Gottesdienst gekommen; Besucher aus Polen und Ungarn, aus Russland und Frankreich, darunter Dutzende von Rabbinern. "Das ist ein großer Tag für uns", sagt Ingrid Wettberg, die Vorsitzende der Gemeinde. Gleich zwei Ministerpräsidenten geben sich die Ehre. Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil würdigt die Vitalität der jüdischen Gemeinden im Land: "Gemessen daran, woher wir kamen, ist das ein Wunder", sagt er mit Blick auf die Ermordung von Millionen Juden in der NS-Zeit. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist als Vertreter der Leo-Baeck-Stiftung gekommen, die das Abraham-Geiger-Kolleg trägt. In seiner Rede gibt er sich nachdenklich: "Es bedrückt mich, wenn ich vor jeder jüdischen Einrichtung Polizeiwagen sehe."

Der neue Rabbiner Lior Bar-Ami, der Schweizer Staatsbürger ist, weiß, dass es noch schlimmer sein könnte. Er wird künftig Gemeinden in Wien und Toulouse betreuen: "In Frankreich ist die Lage für jüdische Gemeinden sehr angespannt", sagt der 30-Jährige: "Dort werden Synagogen nicht von der Polizei bewacht, wie hier, sondern vom Militär." Sein Kollege Ariel Pollák stammt aus Ungarn und wird als Rabbiner nach Budapest zurückkehren. Er wuchs in einer nicht sehr religiösen Familie auf: "Als ich ein Kind war, nannte mein Vater mich immer Rabbi, weil ich mich so für Religion interessierte", erinnert sich der 27-Jährige. Hannover wird in seiner Biografie immer der Ort sein, an dem der Scherz seines Vaters sich als Prophezeiung erwies.

Aus den USA ist Rabbiner Walter Jacob in die Liberale Synagoge gekommen. Der Präsident des Abraham-Geiger-Kollegs ist so etwas wie ein Elder Statesman des liberalen Judentums. Er legt den neuen Rabbinern bei der Ordination die Hand auf die Schulter, und er legt jedem seinen Tallit um, den Gebetsschal, der künftig Teil ihrer Amtstracht sein wird. Darin ist ihr Ordinationsspruch eingestickt. Der von Ariel Pollák stammt aus dem Buch der Sprüche: "Gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Die Liberale Jüdische Gemeinde

Im Jahr 2015 feierte Hannovers Liberale Jüdische Gemeinde ihr 20-jähriges Bestehen. Im Jahr 1995 war die Gemeinde in teils harsch ausgetragenen Konflikten aus der bis heute zahlmäßig größeren jüdischen Gemeinde in der Haeckelstraße hervorgegangen. Unter anderem pochten Frauen darauf, mehr Rechte zu bekommen. Seit 2009 hat die Liberale Jüdische Gemeinde,  zu der 800 Mitglieder zählen, ihr Domizil in der früheren evangelischen Gustav-Adolf-Kirche in Stöcken. In ganz Hannover leben rund 7000 Juden. be

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Briefwechsel zwischen Hannovers Grundschulen und der Queen

Queen Elizabeth ist eine treue Seele. Seit Jahren schon schreibt die britische Monarchin brav Antwortkarten an hannoversche Schulklassen, die ihr zum Geburtstag gratulieren. Oder: Lässt schreiben. Aber immerhin.