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Orthopäde soll 40.000 Euro Strafe zahlen

Prozess Orthopäde soll 40.000 Euro Strafe zahlen

Seit zwei Jahren hält ein hannoverscher Orthopäde die Justiz zum Narren. Der 53-Jährige muss sich wegen Betruges, Nötigung und Beleidigung verantworten.

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Der angeklagte Orthopäde aus Hannover ist zu seinem Prozess am Mittwoch nicht erschienen.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Er ist bereits zu 40.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, die will er aber nicht akzeptieren. Am Mittwoch platzte bereits zum vierten Mal sein Prozess vor dem Amtsgericht Hannover – wieder einmal schwänzte der Angeklagte seinen Gerichtstermin.

Die Vorwürfe gegen den Facharzt sind prekär: Im November 2010 hatte er eine Prostituierte mit in seine Praxis genommen. Anstatt des vereinbarten Lohns von 200 Euro erhielt die Frau lediglich 70 Euro. Als sie sich darüber beschwerte, versteckte er ihre Kleidung und schloss die Tür seiner Praxis ab. Später befreite er die Frau aus den Räumen – diese ging zur Polizei.

Noch am gleichen Tag ließ sich der Arzt von einem Taxifahrer in einen Sexklub nach Vahrenheide chauffieren - und als dieser geschlossen hatte, zurück zum Bahnhof. Während der Fahrt belästigte er den Fahrer sexuell, bis dieser ihn energisch zurückwies. Zurück am Bahnhof wollte er das Taxi nicht bezahlen. Der Fahrer ging daraufhin schnurstracks zur Polizeiwache, der Arzt folgte ihm. Dort spielten sich dann skurrile Szenen ab: Es kam zu einer heftigen Diskussion, in deren Verlauf sich der 53-Jährige vor den Beamten auf den Boden schmiss und publikumswirksam schrie, dass er geschlagen werde.

Wegen seiner Taten erhielt der Mann zunächst zwei Strafbefehle von jeweils 1000 Euro, gegen die er aber Einspruch einlegte. Zu den entsprechenden Verhandlungsterminen erschien er nicht. Zwischenzeitlich hatte ihm ein benachbarter Psychiater ein Attest wegen Depressionen ausgestellt, aber auch zu dem vom Gericht angeordneten Gutachtertermin erschien der 53-Jährige nicht. Dann prellte er erneut einen Taxifahrer, diesmal um 11,60 Euro, danach wurde eine Gesamtstrafe gebildet: Nun soll der Arzt 40.000 Euro zahlen. Diesmal schätzte das Gericht das tägliche Nettoeinkommen des Arztes auf 500 Euro und legte 80 Tagessätze fest. Der Orthopäde hat den Schuldspruch mittlerweile zwar anerkannt - aber die Geldstrafe hält er für zu hoch. Beim neuerlichen Termin erwartete Amtsrichter Hans-Jochen Siecken am Mittwoch, dass der Angeklagte ihm persönlich seine Vermögensverhältnisse darlegt – doch der Arzt fehlte abermals. Sein Anwalt erklärte, das Einkommen seines Mandanten beziffere sich auf maximal 60.000 Euro netto im Jahr, also rund 170 Euro am Tag. Amtsrichter Siecken machte eine andere Rechnung auf, danach schätzte er das Gehalt des Orthopäden auf mehr als das Doppelte, zuzüglich der Einnahmen aus individuellen Gesundheitsleistungen und der Behandlung von Privatpatienten.

Diese Einnahmen dürften nicht geringfügig sein. Im Internet kritisieren ehemalige Patienten, der Orthopäde würde „Diagnosen am Fließband“ stellen und den Patienten sogleich zu privaten Leistungen raten, zum Beispiel im hauseigenen Fitnessstudio.

Amtsrichter Siecken, der am Mittwoch milde gestimmt war, kündigte erst für den nächsten Verhandlungstermin an, den Angeklagten von der Polizei vorführen lassen zu wollen.

Dem Orthopäden droht indes noch ein weiterer Prozess. Laut Behördensprecher Jens Buck liegt dem Amtsgericht eine Anklage wegen Vergewaltigung vor.

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Amtsgericht Hannover

Der hannoversche Orthopäde, der wegen Betrugs, Nötigung und Beleidigung verurteilt wurde und eine Geldbuße in Höhe von 40.000 Euro entrichten soll, die Summe aber für unangemessen hoch hielt, muss zahlen.

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