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Orthopäde unter Vergewaltigungsverdacht

Verfahren Orthopäde unter Vergewaltigungsverdacht

Der Vorwurf wiegt schwer: Ein Orthopäde aus Hannover soll eine Frau im Sommer 2011 zweimal vergewaltigt haben. Der 53-Jährige muss sich derzeit vor einem Schöffengericht verantworten.

Hannover. Unstrittig ist, dass der Facharzt und das angebliche Opfer in einer Juli-Nacht im Hotel Grand Palace Sex hatten, „mehrfach“ und „leidenschaftlich“, wie der Verteidiger des Angeklagten in einer schriftlichen Erklärung ausführte. Allerdings sei dies alles, so Anwalt Harald Lemke-Küch, einvernehmlich gewesen, die Vorwürfe der Frau seien unhaltbar. Nun trafen sich die Beteiligten im Amtsgericht Hannover wieder.

Der Arzt und die damals 43-Jährige kannten sich nur flüchtig, hatten den Abend in einem Restaurant und an der Hotelbar an der Lavesstraße verbracht. Dann ging es aufs Zimmer. Wenig später ließ sich das Paar - nach Darstellung des Arztes entspannt und völlig entkleidet - vom Barkeeper Champagner und Wasser bringen. Ab hier allerdings gehen die Schilderungen der beiden Beteiligten weit auseinander. Die Frau sagt, der Mann sei gewalttätig geworden, sie habe sich gewehrt. 30 Wundmale sollen später an ihrem Körper festgestellt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Orthopäden vor, er habe sie gegen ihren Willen zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und zu Oralsex gezwungen. Der Arzt wiederum erklärt, die Vorwürfe seien an den Haaren herbeigezogen, und fühlt sich verunglimpft. Sein Verdacht: Die Frau habe den Vergewaltigungsvorwurf nur erhoben, um daraus Kapital zu schlagen.

Amtsrichter Ulrich Kleinert gab zu Protokoll, dass bei den Befragungen des Angeklagten wie seiner Kurzzeit-Partnerin weitreichende Einblicke in die Intimsphäre der beiden gewährt würden - und schloss die Öffentlichkeit in diesen Phasen von der Gerichtsverhandlung aus. Eine Konfrontation mit dem Mediziner blieb der Belastungszeugin, die Italienerin ist, allerdings nicht erspart. Rechtsanwältin Martina Zerling-Andersen hatte zuvor mittels eines Attests darauf hingewiesen, dass ihre Mandantin unter Multipler Sklerose leide und dass eine Begegnung mit dem Angeklagten einen neuen Krankheitsschub auslösen könne. Vor der Sex-Nacht in dem Viersterne-Hotel habe die Frau vier Jahre lang keinen solchen Schub mehr gehabt, seitdem aber mehrere Attacken inklusive Lähmungserscheinungen erlitten. „An schlechten Tagen braucht meine Mandantin bereits einen Rollator“, erläuterte Zerling-Andersen. Das Gericht führte daraufhin ein längeres Telefonat mit der Ärztin, die das Attest ausgestellt hatte. Das Ergebnis laut Richter Kleinert: Man erkenne bei einer Befragung zwar ein gesundheitliches Risiko für die Zeugin, allerdings schätze man dieses nicht als gravierend ein. Bei der Risikoabwägung sei es zudem unerheblich, ob der mögliche Täter im Verhandlungssaal sitze oder nicht.

Die Befragung der Frau dauerte bis in den Nachmittag hinein und wird am 21. Februar fortgesetzt. Dann sollen noch ein medizinischer Sachverständiger, eine Psychologin und zwei Hotelangestellte zu Wort kommen.

Der Orthopäde stand bereits im Vorjahr vor einem hannoverschen Amtsrichter. Damals wurde er wegen Betrugs, Nötigung und Beleidigung zu einer Geldbuße in Höhe von 40000 Euro verurteilt. Unter anderem hatte er im November 2010 einer Prostituierten einen Teil ihres Lohns vorenthalten und einen Taxifahrer sexuell belästigt.

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