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Parkour-Künstler klettern durch Hannover

Trendsportart Parkour-Künstler klettern durch Hannover

Am Raschplatz und am Leineufer treffen sich die 20 bis 30 regelmäßig trainierenden Parkour-Künstler aus Hannover, um ihre für Außenstehende waghalsigen Übungen zu vollführen. Der Franzose David Belle erfand die Bewegungsform Ende der achtziger Jahre in der Betonlandschaft der Pariser Vorstädte.

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Parkour-Künstler suchen immer den direkten Weg – und überwinden die Hindernisse im hannoverschen Großstadtdschungel

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Für einen Augenblick kann Paul Mateo fliegen. Zuvor sammelt er sich kurz, geht die folgende Bewegung noch einmal im Kopf durch, balanciert sein Gleichgewicht auf dem Geländer aus, geht in die Knie und hebt ab. In mehr als drei Metern Höhe fliegt der 23-Jährige über die Treppe, die vom Raschplatz hoch zum Pavillon führt. An der gegenüberliegenden Treppenwand fängt er den Flug ab, indem er sich am Beton festkrallt und seine Füße mit den ausgelatschten Turnschuhen in die Wand stemmt. Die Passanten staunen und schauen ungläubig. Und das freut Mateo. Wenn er springt, fliegt, klettert und balanciert, macht er Parkour – eine ganz besonders spektakuläre Form der Bewegungskunst, die in Hannover immer mehr Anhänger findet.

Am Raschplatz und am Leineufer treffen sich die 20 bis 30 regelmäßig trainierenden Parkour-Künstler aus Hannover, um ihre für Außenstehende waghalsigen Übungen zu vollführen. Der Franzose David Belle erfand die Bewegungsform Ende der achtziger Jahre in der Betonlandschaft der Pariser Vorstädte. Die Grundidee: Urbane Hindernisse sollen auf dem kürzesten, elegantesten und effizientesten Weg überwunden werden. „Der Fußweg ist zwar immer da“, sagt Mateo. Aber der Weg mache Kurven. Deswegen überspringen und überklettern die sogenannten Traceure fast alles, was ihnen im Weg steht. Der James-Bond-Film „Casino Royale“ von 2006 und Musikvideos von Madonna brachten Parkour der Masse näher. Mateo ist schon seit mehr als sechs Jahren dabei. Er war einer der Ersten in Hannover. Sein Kollege Sean Skinner kam ein Jahr später dazu. Die beiden trainieren fast täglich. „Es soll einfach aussehen“, sagt Mateo. Die zufälligen Zuschauer staunen trotzdem und bleiben wie gebannt stehen, wenn er wie Comicheld Spiderman an einer Wand so hochklettert, dass es aussieht, als ob er sie hochfliegen würde.

Springen, fliegen, klettern und balancieren: Parkour ist eine ganz besonders spektakuläre Form der Bewegungskunst. Die sogenannten Traceure überspringen fast alles, was ihnen im Weg steht. Am Raschplatz und am Leineufer treffen sich 20 bis 30 regelmäßig trainierende Parkour-Künstler aus Hannover.

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Zuvor hat er sich mit Wasser die Schuhsohlen abgerieben. So wenig Staubkörner wie möglich sollen seine Kletterei an der Wand stören. Sicherheit steht bei den Traceuren an erster Stelle. Sie wärmen sich vor den ersten spektakulären Flügen erst ausgiebig auf. Dann folgen leichtere Aktionen wie kurze Sprünge von Poller zu Poller – zur Eingewöhnung. Das Prinzip: „1000 kleine Sprünge bringen mehr als zehn große“, sagt Mateo. So verhinderten sie Verletzungen. Alkohol und Drogen sind tabu. „Man muss 100 Prozent Herr seiner Sinne sein“, erklärt er.

Nach diesem Prinzip hat er nicht immer gelebt. Aber Parkour hat Mateos Leben verändert. „Ich war früher megaschüchtern“, erzählt er. Mithilfe von Partys und Drogen versuchte er, die Schüchternheit zu überdecken. Dann kam Parkour – und damit seine ganz persönliche Entwicklung. Er lernte, Hindernisse im Sport zu überwinden. Damit wurde dies auch im normalen Leben einfacher. Heute ist Mateo technischer Assistent für Informatik. Fast die gesamte übrige Zeit widmet er seinem Sport, trainiert und betreibt das Parkour-Internetforum www.pk-hannover.de. Rund 700 Mitglieder tauschen sich regelmäßig über das Portal aus, geben Tipps und verabreden Treffpunkte für die nächste Parkour-Stunde.

Die Traceure mögen es nicht, wenn ihre Bewegungen unter dem Banner Extremsport abgelegt werden. Denn Sport bedeutet immer auch Wettkampf mit anderen. Für Mateo und Skinner ist Parkour aber vor allem ein Wettkampf mit sich selbst. „Ich kann mich frei bewegen und meine eigenen Grenzen herausfinden“, sagt Skinner schwer atmend. Gerade ist der 18-Jährige wie spielerisch über mehrere Poller am Raschplatz gesprungen und sicher gelandet. Wie anstrengend das dann doch ist, zeigt erst der Blick in sein Gesicht.

Vor jedem Sprung geht er die Anlaufstrecke ab, räumt Scherben und Steinchen aus dem Weg. Früher hat er einige Jahre Basketball im Verein gespielt. Von der dabei antrainierten Sprungkraft profitiert der Schüler auch beim Parkour. Der ständige Wettkampf im Ligabetrieb aber hat ihn vom Kampf zwischen den Körben vertrieben. Dass es in Deutschland mittlerweile Parkour-Weltmeisterschaften gibt, kommentiert Mateo mit einem einzigen Wort: „Leider!“ Die Traceure sind Individualisten, die sich ihren eigenen Weg durch den Großstadtdschungel bahnen und doch am liebsten gemeinsam trainieren. „Richtig und falsch gibt es aber nicht“, erklärt Mateo. Er spricht viel von Respekt untereinander. Jeder dürfe vorbeischauen und mitmachen. Die Erfahreneren nehmen Neuankömmlinge an die Hand. „Ich will Parkour machen, bis ich sterbe“, sagt Mateo. Fliegen kann halt süchtig machen – auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist, der viel Training benötigt.

www.pk-hannover.de

Sebastian Harfst

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