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813 Kleingärten müssen weichen

Platz für Wohnungsbau 813 Kleingärten müssen weichen

Der Rat der Stadt hat sich am Donnerstag entschieden: 813 Kleingärten müssen weichen, um Platz für bis zu 1000 neue Wohnungen zu schaffen. Vor Beginn der Ratssitzung demonstrierten rund 50 Kleingärtner auf dem Trammplatz für den Erhalt ihrer Parzellen.

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Die Kolonie Rosengrund in Kirchrode gehört zu den ersten Gebieten, die geräumt werden sollen.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Doris Ravn steht die Trauer ins Gesicht geschrieben. In der dritten Generation pflegt ihre Familie nun schon eine Parzelle am Vinnhorster Weg. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll", sagt sie. Ihr Kleingarten liegt an der Grenze des Areals, das in einigen Jahren Bauland werden soll. Ob sie in zwei Jahren eine Kündigung erhält, sei unklar, sagt sie. Rund 200 Gärten am Vinnhorster Weg und am Gutsweg sind betroffen. Zusammen mit etwa 50 Pächtern hat sich Ravn am Donnerstagnachmittag vor dem Eingang zum Rathaus versammelt. Sie wollen verhindern, dass das Kleingartenkonzept vom Rat beschlossen wird. "Das passiert alles über unsere Köpfe hinweg", ärgert sich Kleingärtner Carsten Hanisch. Er wirft der Spitze des Kleingärtner-Verbands vor, die Vereine nicht genügend informiert zu haben.

Am Ende stimmt die Ratspolitik mit großer Mehrheit für den vorgegebenen Weg der Stadtverwaltung. "Wir nehmen zugleich 45 Millionen Euro in die Hand, um die Gärten zu sanieren", sagt SPD-Umweltpolitiker Jürgen Mineur. Zwar könne er den Ärger von langjährigen Pächtern verstehen, aber die betroffenen Kleingärtner bekämen auch eine großzügige Entschädigung. Die Grünen betonen, dass deutlich weniger Kleingärten weichen müssen, als noch in alten Plänen veranschlagt. "Wir wollen die Kolonien weiter in Richtung öffentliche Parks entwickeln", sagt Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske.

Auch die CDU hebt die Hand. "Wir haben jetzt Planungssicherheit für die restlichen 20 000 Kleingärten", sagt CDU-Umweltpolitiker Hannes Hellmann. Es könne aber nicht sein, dass manche Kleingärtner erst aus der Zeitung erfahren, dass ihre Parzelle entfernt werden. Hellmann wünscht sich künftig bessere Informationsflüsse zwischen dem Bezirksverband der Kleingärtner und den Vereinen in den Kolonien. Die FDP fordert, dass die Stadt auf ältere Pächter mehr Rücksicht nimmt, begrüßt aber das Konzept. Die Linke lehnt das Programm ab. "Die Stadt braucht eine grüne Lunge, dazu tragen die Kleingärten bei", sagt Linken-Fraktionschef Oliver Förste.

813 Parzellen müssen die Kleingärtner insgesamt in Hannover aufgeben, um Platz zu machen für Wohnungsbau. Den betroffenen Kleingärtnern bietet die Stadt Ersatzparzellen nahe ihrer alten Kolonie an. Die Stadt sichert zu, dass die Zahl von 20 000 Kleingärten in Hannover nicht reduziert werde. Dennoch sollen fast 450 000 Quadratmeter Gartenfläche in den kommenden zehn Jahren für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Das Konzept ist in langen Verhandlungen zwischen dem Bezirksverband der Kleingärtner und der Stadtverwaltung ausgearbeitet worden.

Damit sich die Anzahl der Kleingärten unterm Strich nicht verringert, will die Stadt Kolonien verdichten. Das bedeutet, dass große Parzellen von manchmal 1200 Quadratmetern in mehrere kleine Gärten aufgeteilt werden. „Die durchschnittliche Größe der Kleingärten von 500 Quadratmetern ist eigentlich zu groß“, sagt Andreas Hildebrand, Rechtsexperte beim Bezirksverband. Insbesondere Singles hätten häufig nicht die Zeit, viel Fläche zu beackern, Familien nutzen Kleingärten heute häufig anders als früher. 

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