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Aus der Stadt Passt DHL zum alten Hauptgüterbahnhof?
Hannover Aus der Stadt Passt DHL zum alten Hauptgüterbahnhof?
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07:18 19.02.2016
Von Andreas Schinkel
„Es reicht nicht, nur gelbe Kisten auf das Grundstück zu stellen“: Die DHL-Gebäude auf dem alten Hauptgüterbahnhof sind weithin sichtbar. Fotos: von Ditfurth (7) Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Vom Fenster der kleinen Hinterhof-Destillerie am Weidendamm kann Inhaber Joerma Biernath das Gelände des Hauptgüterbahnhofs genau beobachten. Ein Bagger gräbt seine Schaufel in die Erde, neben der riesigen, halb verfallenen Bahnhofshalle liegen aufgetürmte Pflastersteine, Rohre und Bauschutt. Als Kontrast zur maroden Industriebrache erhebt sich neben der Halle ein blank polierter gelber Quader, das künftige DHL-Zustellzentrum. „Es reicht nicht, nur gelbe Kästen auf das Grundstück zu stellen“, sagt Biernath. 5000 Quadratmeter misst der Kasten in der Grundfläche. „So etwas gehört eigentlich nicht in die Nordstadt, sondern ins Umland“, meint er. Flaschen klirren im Hintergrund, seine Mitarbeiter füllen gerade selbst gebrannten Gin ab. „Rooftop Garden“ nennt Biernath sein Produkt, schließlich ist der Tropfen über den Dächern der Nordstadt hergestellt worden. „Auf dem Hauptgüterbahnhof sollten sich auch kleine Firmen und Werkstätten ansiedeln“, findet er.

Nach Jahrzehnten des Stillstands bewegt sich etwas auf der riesigen Brache zwischen Nordstadt, City und Vahrenwald. Die Firma Aurelis, Eigentümerin der Immobilie, hat im vergangenen Jahr einen großen Teil der alten Bahnhofshalle abreißen lassen. Eine Erschließungsstraße entsteht, und DHL hat neben der Halle ein Logistikzentrum errichtet. Es ist bereits die zweite DHL-Niederlassung auf dem Gelände. Im vorderen Teil der Bahnhofshalle betreibt der Postdienstleister schon ein Zustellzentrum für Briefe sowie eine Abteilung mit Schließfächern.

DHL nimmt den Betrieb im Mai oder Juni auf

„Unsere neue Zustellbasis für Pakete werden wir im Mai oder Juni in Betrieb nehmen“, sagt DHL-Sprecher Jens-Uwe Hogardt auf Nachfrage der HAZ. Im Inneren des gelben Kastens werden Maschinen das Sagen haben. Die Sortierung der Päckchen laufe vollkommen automatisiert ab, sagt Hogardt. Scanner tasten die Adressen ab und ordnen die Pakete. „Da wird nichts mehr mit Menschenaugen gelesen“, sagt der DHL-Sprecher. Die Paketzusteller fahren mit ihren Lieferwagen vor, räumen die Päckchen ein und verteilen sie über das Stadtgebiet.

Manche Anwohner des Weidendamms befürchten, dass die enge Straße den zusätzlichen Lieferverkehr kaum verkraften wird. „Beim Freitagsgebet ist es schon jetzt sehr eng“, sagt Muhammed Karsandi von der Milli-Görüs-Moscheegemeinde. Etwa 1000 gläubige Muslime versammeln sich jede Woche zum traditionellen Freitagsgebet, viele Besucher parken in zweiter Reihe. „Wenn die DHL-Lieferwagen noch hinzukommen, wird es problematisch“, sagt Karsandi. Er hofft, dass die Stadt Hannover eine Fußgängerampel vor den Türen der Gemeinde installiert.

Angst vor einem Verkehrskollaps hat auch Galerist Robert Drees, doch ist er froh, dass sich auf dem Güterbahnhof überhaupt etwas bewegt. „Nach dem Lichtkunstprojekt im Jahr 2000 glaubte jeder hier, dass es mit dem Gelände sofort aufwärtsgeht, aber passiert ist jahrelang nichts“, sagt Drees. Er spielt auf die Lichtinstallation des Künstlers Gerhard Merz im Expo-Jahr an. Damals wurde die Bahnhofshalle in gleißendes Licht getaucht.

Kommt der Feinkosthändler Andronaco?

Auch Drees kann mit einem Blick aus dem Fenster erkennen, wie weit die Bauarbeiten auf der Bahnhofsbrache gediehen sind. „Der gelbe Würfel ist leider unglaublich dominant“, sagt der Galerist. In seinem Schatten werden es andere Firmen schwer haben, sich zu entwickeln, meint er. Er hofft, dass der Feinkosthändler Andronaco eine Niederlassung in der alten Bahnhofshalle errichtet.

Grundstückseigentümerin Aurelis hatte mit dem Großhändler aus Hamburg Gespräche über eine Ansiedlung aufgenommen. Der hatte ebenfalls Interesse signalisiert. Ob Andronaco tatsächlich an den Weidendamm zieht, ist aber noch unklar.

„Wir sind froh, dass es hier nicht mehr so düster ist, seit die Bauarbeiten begonnen haben“, sagt Britta Olaru. Die Verkäuferin bei Sport Kaufmann arbeitet in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Güterbahnhof. Vor der Ladentür erstreckt sich die weite Parkplatzfläche des Briefzentrums. In unregelmäßigen Abständen fahren Zusteller auf ihren gelben Dienstfahrrädern vorbei. Sie strampeln eine Rampe hinauf und stellen ihre Drahtesel in einer Garage ab. Noch vor ein paar Jahren, erzählt Olaru, sei der Weidendamm nachts eine üble Adresse gewesen. Prostituierte zogen sich mit ihren Freiern in dunkle Ecken auf dem stillgelegten Bahnhofsgelände zurück. Immer mehr Spritzbestecke und Kondome fanden sich verstreut auf dem Gelände. Die Zeiten des Straßen-Strichs am Weidendamm seien endlich vorbei, sagt Olaru. „Jetzt geht es aufwärts.“

Feuerwache am Weidendamm

Im Sommer 2014 nahm die neu errichtete Feuerwache am Weidendamm ihren Betrieb auf. In dem Gebäude ist Platz für 20 Fahrzeuge und 100 Einsatzkräfte. 10 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Das Geld hatte der Automobilzulieferer Conti zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Feuerwehr vertraglich, für den Brandschutz auf dem nahe gelegenen Firmengelände zu sorgen.

Auf dem angrenzenden Grundstück soll bis zum Ende des Jahres 2017 ein zweites Gebäude entstehen. Dort soll die Regionsleitstelle der Feuerwehr, die derzeit noch in der Wache am Goethekreisel untergebracht ist, unterkommen. Ursprünglich war geplant, in dem neu zu errichtenden Gebäude auch die Leitstelle der Polizei unterzubringen. Beide Parteien unterzeichneten eine Absichtserklärung. Doch im Dezember 2014 machte das niedersächsische Innenministerium einen Rückzieher. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Umzug der Polizeileitstelle von der Hardenbergstraße an den Weidendamm abgesagt.

Nach dem Rückzug der Polizei mussten die Planungen für den zweiten Bauabschnitt neu überdacht werden. Technische Aufbauten, die ursprünglich auf dem Dach angebracht werden sollten, werden jetzt im ersten Stock des Gebäudes installiert.

tm

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