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Aus der Stadt Eine starke Frau im Namen des Herrn
Hannover Aus der Stadt Eine starke Frau im Namen des Herrn
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08:02 13.12.2016
Von Simon Benne
„Ich treffe oft schnelle Entscheidungen, ohne lange zu überlegen“: Hanna Kreisel-Liebermann auf dem Weihnachtsmarkt. Quelle: Villegas
Hannover

Eigentlich ist das so etwas wie ihr Wohnzimmer hier. Der Platz vor der Marktkirche ist für die Marktkirchenpastorin in etwa das, was Wimbledon einst für Boris Becker war. Ausgerechnet im Advent aber ist hier alles anders. Zwischen Pizzabuden und Holzschnitzständen herrscht dichtes Gedränge, vom Karussell weht laute Musik herüber. Mancher Theologe könnte auf dem Weihnachtsmarkt ins Lamentieren kommen darüber, dass hier das Christfest auf dem Altar des Kommerzes geopfert wird und die Besinnlichkeit im Glühwein ertrinkt. Hanna Kreisel-Liebermann aber findet den Trubel gar nicht so schlecht: „Ist doch schön, so viele lächelnde Leute auf einmal zu sehen“, sagt sie.

Das passt zu ihr. Hanna Kreisel-Liebermann zählt zum Typus der weltzugewandten Kirchenleute. Und sie hat es durchaus gerne, wenn es lebendig und turbulent zugeht. Vielleicht, weil sie in ihrer Familie als ältestes von fünf Geschwistern aufwuchs. „Meine ersten Lebensjahre habe ich in Sanatorien verbracht“, sagt die im Schwarzwald geborene Pastorin. Ihr Vater war Lungenfacharzt und Psychiater. Er war derjenige aus der Familie, der oft in die Kirche ging: „In Kriegsgefangenschaft war er einem Pastor begegnet, der eine Bibel dabei hatte“, sagt sie. „Er hat oft gesagt, das habe ihm das Leben gerettet.“

Da drüben steht das Luther-Denkmal, doch jetzt ist es ganz hinter Bretterbuden verschwunden. Kürzlich hat Hanna Kreisel-Liebermann der Statue in einer spektakulären Aktion die Augen verbunden, um zum Reformationsjubiläum ein Zeichen gegen Luthers Judenhass zu setzen. „Er war sicherlich ein großer Mann“, sagt sie, man müsse da schon differenzieren, „aber mit unkritischer Heldenverehrung hab ich’s nicht so.“ Das hat die 60-Jährige mit vielen ihrer Generation gemein. Nach dem Abi in Lüneburg, wo sie den größten Teil ihrer Jugend verbrachte und im Kirchenchor sang, studierte sie anfangs Politik. Siebzigerjahre. Dritte Welt, Befreiungstheologie, politisches Engagement. „Eigentlich wollte ich Journalistin werden und viel herumreisen“, sagt sie. Dann kam im vierten Semester das erste Kind. Sie sattelte um, auf Theologie und Pädagogik. Auch Pastoren müssen ja eine präzise Sprache pflegen und Freude am Umgang mit unterschiedlichen Menschen haben.

In der Knochenhauerstraße begrüßt ein Verkäufer eines Weihnachtsmarktstandes die Pastorin, Passanten sprechen sie an. Mit vielen redet sie kurz, anderen winkt sie zu. Beim Gang durch die Altstadt bräuchte sie die Hand eigentlich gar nicht nach unten zu nehmen. Das hier ist ihr Revier.

Unterwegs erzählt sie von ihrem Vikariat in Hildesheim. Davon, wie sie kurz Lehrerin in Lehrte war, dann Feministische Theologie an der Evangelischen Fachhochschule lehrte und schließlich an einer Heimvolkshochschule auf dem Land unterrichtete: „Rhetorikkurse für Bauern – das war auch ein Heiratsmarkt“, sagt sie lachend. In Göttingen wurde sie 1991 Pastorin, außerdem kümmerte sie sich um Krankenhausseelsorge und Flüchtlingsarbeit. Eine ziemlich arbeitsreiche Vita. „Ich organisiere gern“, sagt die bodenständige Mutter von drei Söhnen. „Und ich treffe oft schnelle Entscheidungen, ohne lange zu überlegen.“ Am Ballhofplatz klingelt ihr Handy – mit einem Glockenläuten. „Hier, die finnische Ecke des Weihnachtsmarktes mag ich am liebsten“, sagt sie noch, bevor sie ans Telefon geht, um rasch ein paar Termine abzusprechen.

Termine muss sie jetzt, vor Weihnachten, noch häufiger absprechen als sonst. „Manager des Mysteriums“ hat man moderne Kirchenleute genannt. Als Pastorin von Hannovers größter Kirche ist sie zudem eine Art Aushängeschild des hiesigen Protestantismus, diverse Ehrenämter hat sie außerdem noch übernommen. Mit einem Acht-Stunden-Tag kommt man da nicht aus: „Aber die Arbeit verteilt sich ja auf sieben Tage“, sagt sie mit sanfter Ironie, „und die Arbeit macht mir Spaß.“

Die umtriebige Großmutter von sieben Enkeln macht im Café Konrad auf einen Cappuccino Station. Dass sie 2003 die Stelle an der Marktkirche übernommen hat, habe sie nie bereut, sagt sie: „In der Gemeinde gibt es tolle Kirchenmusik, tolle Gottesdienste, viel Kunst und Kultur.“ Und von Anfang an habe die Marktkirche sie an die Lüneburger Backsteinkirchen erinnert, zwischen denen sie aufwuchs: „In Hannover“, sagt sie, „habe ich ein Stück Heimat wiedergefunden.“

Die etwa 60 gesperrten Bolzplätze in Hannover sollen möglichst rasch alle wieder freigegeben werden. Das sichert Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) am Montag im Umweltausschuss zu. Die Schäden auf einigen Plätzen seien jedoch umfangreicher, sodass die Reparaturen einige Zeit bräuchten.

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