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Patient erstreitet von Krankenhaus 425.000 Euro

Behandlungsfehler Patient erstreitet von Krankenhaus 425.000 Euro

Ein Chirurg einer Privatklinik durchtrennt bei einer Knie-OP Vene und Arterie. Der maßgebliche Fehler bleibt tagelang unbemerkt. Das Opfer wird durch den Behandlungsfehler zum Frührentner und hat jetzt gegen das Krankenhaus geklagt. 

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Der maßgebliche Fehler unterlief einer Klinik in Uelzen, doch auch an der MHH trafen die Ärzte nicht gleich die richtige Entscheidung. 

Quelle: Archiv Foto

Hannover. Ein 46-jähriger Familienvater, der aufgrund grober Behandlungsfehler bei einer Knieoperation schwere Schäden an einem Bein davongetragen hat, konnte jetzt mithilfe seines Anwalts in einem außergerichtlichen Vergleich 425 000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld erstreiten. Der technische Angestellte, der in der Autoindustrie arbeitete, musste seinen Beruf aufgeben und ist seit nunmehr sechs Jahren gehandicapt: Sein rechter Unterschenkel ist zurückgebildet, der Fuß gelähmt und das Knie in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Außerdem leidet der Frührentner immer noch unter Schmerzen.

Blutung falsch eingeschätzt

Der gelernte Automechaniker war im August 2011 in einer Privatklinik in Uelzen behandelt worden. Er litt unter einer Arthrose im rechten Knie, die auf einer Fehlstellung des Beins beruhte. Doch bei der Routineoperation, bei der ein Knochen durchtrennt und ein Knochenkeil entnommen wurde, unterlief dem Chirurgen ein fataler Fehler, der tagelang unentdeckt blieb: eine Arterie und eine Vene wurden durchschnitten. Weil der Blutkreislauf während der OP wie üblich unterbrochen war, fiel dies nicht gleich auf; auf eine starke Blutung nach der Operation reagierte der verantwortliche Arzt mit einem schlichten Verschließen der Haut.

Die folgenden Stunden waren für den damals 40-Jährigen eine Qual: Er hatte sehr starke Schmerzen, sein Unterschenkel schwoll an und er litt unter Kribbeln sowie Taubheitsgefühlen in Bein und Fuß. Doch erst am nächsten Tag beschlich die Ärzte der Uelzener Klinik der Verdacht, ihr Patient könne womöglich unter einem Kompartmentsyndrom leiden. Dabei kommt es aufgrund von Einblutungen zum Absterben von Muskelgewebe; schlimmstenfalls kann dies zu einer Amputation von Gliedmaßen oder – aufgrund innerer Vergiftungen – zu multiplem Organversagen und dem Tod eines Patienten führen.

Mehrere Nerven geschädigt

Daraufhin verlegte man den Mann, der mit Frau und zwei Kindern im Landkreis Gifhorn wohnt, an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Dort wurde er sofort operiert, dabei diagnostizierten die Ärzte eine Schädigung mehrerer Nerven. Die fehlende Durchblutung des Beins aber wurde immer noch nicht bemerkt. Erst dreieinhalb Tage nach der Erst-OP förderte eine – erheblich verspätete – Ultraschalluntersuchung den fatalen Fehlgriff zutage, erst mittels der insgesamt vierten Operation konnte der Blutfluss zumindest ansatzweise wiederhergestellt werden. „Es grenzt an ein Wunder, dass dieses Bein noch erhalten werden konnte“, urteilte später ein Gutachter. Der Patient werde aber mit einem „lebenslangen Dauerschaden“ leben müssen.

Wenngleich auch die MHH bei der Folgebehandlung Fehler machte: Das Hauptverschulden lag nach Einschätzung der Sachverständigen eindeutig bei der Uelzener Klinik, wo die Blutgefäße des Patienten durchtrennt worden waren. So machte der hannoversche Anwalt Malte Oehlschläger die Ansprüche seines Mandanten aus prozessökonomischen Gründen primär gegenüber dem privat geführten Krankenhaus geltend: „Auch der Bundesgerichtshof sagt, dass ein geschädigter Patient nicht an mehreren Fronten kämpfen muss, sondern sich ausschließlich an den Erstbehandler wenden darf.“

Lobende Worte findet der Rechtsanwalt für die Basler Versicherung, die die Abfindungserklärung über die Zahlung von 425.000 Euro vergangene Woche unterschrieb: „Damit hat die Haftpflichtversicherung der Klinik meinem Mandanten einen jahrelangen Prozess über schlimmstenfalls drei Instanzen erspart.“ Eine solch angemessene Schadensregulierung sei „keinesfalls üblich“.

Viele Einschränkungen

Der Autotechniker würde sicher gern auf das Geld verzichten, wenn ihm die langjährigen Qualen und Folgeschäden aufgrund der Kette von Behandlungsfehlern erspart geblieben wären. Treppensteigen tut ihm weh, längeres Stehen ist unmöglich, auch kann er nicht mehr vernünftig gehen. Zudem darf der 46-Jährige keine Lasten mehr heben, die schwerer als zehn Kilo sind, und hat bei Kälte und Nässe erhebliche Schmerzen im verkümmerten Bein. „Mein Mandant möchte gerne wieder arbeiten“, sagt sein Anwalt, „nur in seinem erlernten Beruf wird ihm dies sicher nicht mehr möglich sein.“     

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