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Patient stirbt nach Gallenuntersuchung in Hannover

Witwe erhält 125.000 Euro Patient stirbt nach Gallenuntersuchung in Hannover

Das Evangelische Diakoniewerk Friederikenstift zahlt der Witwe eines früheren Patienten 125.000 Euro. Die 19. Zivilkammer des Landgerichts Hannover hatte diese Summe als Vergleich vorgeschlagen. Der 57-jährige Ehemann der Klägerin war nach einer Untersuchung der Gallengänge gestorben.

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Quelle: Michael Thomas (Symbolbild)

Ein vom Gericht beauftragter Gutachter stellte fest, dass der Eingriff unnötig gewesen ist. Die Ärzte hätten den Patienten zudem nicht ausreichend über weniger gefährliche Untersuchungsmethoden aufgeklärt.

Am Morgen jenes Tages, an dem der verhängnisvolle Eingriff stattfand, war der Patient noch voller Optimismus. Er hatte sich wegen eines sporadisch auftretenden dumpfen Schmerzes in der Flanke nur gründlich durchchecken lassen wollen. Alle Untersuchungen blieben aber ohne Befund. Seine Frau könne ihn um 16 Uhr abholen, hatte er vereinbart. Er müsse nur noch eine letzte, harmlose Untersuchung über sich ergehen lassen. Dabei handelte es sich um eine ERCP (Endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie), wie Mediziner diese Röntgenuntersuchung von Gallengängen, Gallenblase und Ausscheidungsgang der Bauchspeicheldrüse mit einem Spezialendoskop nennen.
So optimistisch sollte Margit K. (Name von der Redaktion geändert) ihren Mann nie wieder erleben. Als sie in die Klinik kam, um ihn mit nach Hause zu nehmen, hatte er erhebliche Schmerzen und war kaum noch ansprechbar. Er wurde auf die Intensivstation des Friederikenstifts verlegt und zwei Wochen später in die Medizinische Hochschule gebracht. Dort blieb er drei Monate, musste zahlreiche Operationen erdulden und starb schließlich „an den Folgen der ERCP-Maßnahme im Friederikenstift“, wie Frank Albert Sievers, der Anwalt der Witwe, in seiner Klageschrift schreibt.

Margit K. hatte in den letzten drei Lebensmonaten ihres Mannes nur noch ein intensives Gespräch mit ihm führen können. Sie sagt, er sei dabei kämpferisch gewesen und hätte unbedingt aufklären wollen, was bei seiner Untersuchung schiefgelaufen war. Seine Witwe nahm das als Verpflichtung. Ihr Kampf durch die verschiedenen Instanzen dauerte gut sechs Jahre. Bei der ärztlichen Schlichtungsstelle wurde sie abgewiesen. Der dortige Gutachter sah kein Verschulden der Klinik. Ein weiterer Experte, den das Landgericht schließlich beauftragte, kam zu ganz anderen Ergebnissen. Für ihn war es „fragwürdig“, warum die endosonografische Untersuchung überhaupt unternommen worden war. Es hätten sich seiner Meinung nach andere (nicht invasive, also weniger gefährliche) Diagnosemethoden angeboten.

Rechtsanwalt Frank Albert Sievers sieht in der nachlässigen Aufklärung ein entscheidendes Fehlverhalten der Ärzte. Der Patient sei vor dem Eingriff nicht „in gebührendem Zeitabstand mit hinreichender Überlegungsfrist“ über die Gefahren des Eingriffs und vor allem nicht über weniger gefährliche Alternativen aufgeklärt worden. Diese Meinung teilte auch das Landgericht.

Für Margit K. war das Verfahren eine Tortur. Prozesstermine, Anwaltsgespräche – immer wieder musste sie sich mit dem Sterben ihres Mannes beschäftigen. „Es war vollkommen unnötig, dass die Versicherung des Friederikenstiftes den Prozess derart in die Länge gezogen hat“, sagt Frank Albert Sievers. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Arzthaftungsfragen und beobachtet dieses Verhalten der Assekuranzunternehmen seit der Finanzkrise immer häufiger. Sievers vermutet wohl nicht zu Unrecht, dass die Kläger mit langen Verfahren mürbe gemacht werden sollen. Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, geht in solchen Prozessen ohnehin ein hohes finanzielles Risiko ein.

Das Krankenhaus sieht keinen Behandlungsfehler und beruft sich weiterhin auf das erste Gutachten der Schlichtungsstelle. Dennoch, so Achim Balkhoff, der Leiter der Unternehmenskommunikation der Diakonischen Dienste Hannover, habe man dem Vergleich zugestimmt, um eine auch für die Hinterbliebenen akzeptable Lösung zu finden.

Hans-Peter Wiechers

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