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Pavillon verabschiedet sich laut in die Zwangspause
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Interview Pavillon verabschiedet sich laut in die Zwangspause

Einstürzende Altbauten oder auch: Umbau als Kultur-Happening. Die Pavillon-Chefs über die Zwangspause, den Streit um Zuschüsse und den perfekten Saal für 700 Besucher

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Pavillon-Chefs vor der Zwangsauszeit: Christoph Sure besucht Projekte in Mittelamerika, Susanne Müller-Jantsch geht wandern.

Quelle: Akbaba

Hannover. Am Neujahrstag schließt der Pavillon für ein Jahr. Das wird mit einem Auftritt des Krawallkünstlers Christian von Richthofen (AutoAuto!) gefeiert, der in seiner Show eigenhändig zum Vorschlaghammer greift. Herr Sure, Frau Müller-Jantsch, haben Sie keine Angst, dass er zu viel kaputt haut?

Sure: Wir haben von Richthofen gefragt, ob er Lust hat, die Sanierung einzuleiten und sich etwas dafür auszudenken. Geplant ist, dass er im Anschluss an sein Konzert die Tür zum „Mezzo“ durchbricht. Wir erwarten eine spektakuläre Inszenierung. Er darf auch ruhig mehr kaputt machen. Denn bald wird hier sowieso kein Stein mehr auf dem anderen stehen.

Die Stadt gibt 12,5 Millionen Euro für die Sanierung aus. Wie wird der Pavillon danach aussehen?

Sure: Die Veranstaltungsräume werden nicht wiederzuerkennen sein. Der Eingang wird versetzt, und es wird einen Durchgang zum „Café Mezzo“ geben. Insgesamt erhalten wir vier Bühnen. Im Mittelpunkt steht deren akustische Trennung, sodass wir alle Bühnen parallel bespielen können. Der Besucher kann also ins Foyer kommen und entscheiden, ob er rechts zur Diskussionsrunde, geradeaus zum Konzert oder links zum Theaterstück gehen will – das ist dann ein bisschen so wie im Kino.

Es gab viele kontroverse Diskussionen auch um das künstlerische Konzept des Pavillons. Vor allem freie Theater wollen die Räume gern mehr nutzen. Welche Ideen werden Sie umsetzen?

Müller-Jantsch: Die Diskussionen und Workshops haben auch gezeigt, dass sich vieles in der Vergangenheit bewährt hat. Auf jeden Fall wollen wir unserem Stammpublikum die Treue halten. Es wird weiterhin eine Mischung aus Konzerten, Kleinkunst und gesellschaftspolitischen Diskussionen geben. Wir werden auch mehr speziell für ein jüngeres Publikum anbieten. Die Theaterwerkstatt bleibt auf jeden Fall fester Bestandteil. Welche Rolle dann die freien Theater spielen, erarbeiten wir in einem Konzept.

Sure: Auf jeden Fall bleibt Weltmusik unsere Hauptfarbe, aber wir wollen uns auch für Jazz und Popmusik öffnen und verstärkt lokale Künstler einladen. Wir werden auch die Zusammenarbeit mit den hannoverschen Veranstaltern Hannover Concerts und Living Concerts ausbauen, denn der Pavillon hat dann den idealen Saal für 500 bis 700 Besucher.

Haben Sie keine Angst, dass der Pavillon seinen soziokulturellen Charme verliert?

Sure: Nein. Ich glaube, dass sich hier auch weiterhin unser Stammpublikum treffen wird. Jeder kann hier weiterhin auch selbst etwas tun, beispielsweise bei unseren Projekten zu zeitgenössischen Themen.

Müller-Jantsch: Deshalb haben wir uns auch für eine Altbausanierung entschieden, bei der der Werkstattcharakter erhalten bleibt.

Sure: Wenn wir künftig eine Klimaanlage und nummerierte Sitzplätze haben, bedeutet das ja eine Verbesserung für alle – unsere Besucher müssen nicht mehr in den Saal hereinstürmen, um sich die besten Stühle zu sichern. Und sie müssen im Sommer nicht mehr so schwitzen.

Die Sanierung hatte sich um ein ganzes Jahr verschoben – und der Pavillon stand mit leerem Terminkalender da. Ist das nicht ein Albtraum für Veranstalter?

Sure: Das hat natürlich genervt, denn auch die Mitarbeiter hatten sich ja darauf eingestellt. Aber alle haben gut mitgezogen, und am Ende haben wir ein Programm auf die Beine gestellt, das es so noch nie gegeben hat. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft: Künstler wie Zuschauer wollten alle noch einmal den alten Pavillon sehen. Die Streitgespräche um die Zukunft des Pavillons haben uns da am Ende eher geholfen …

Müller-Jantsch: Man darf nicht vergessen, dass der Grund für die Verzögerung ja nur gut für uns war – erst sollte nur ein Teil des Pavillons saniert werden, im Gespräch war auch, den Pavillon zu verlegen. Wir sind natürlich froh, dass es nicht so gekommen ist.

Alles konnten Sie nicht durchsetzen.

Sure: Unser einziger Wermutstropfen ist, dass wir mangels Geld in der ersten Etage nicht unsere Büro- und Seminarräume bauen konnten. Die Konsequenz ist, dass wir Mitarbeiter enger zusammenrücken müssen.

Und was machen die Mitarbeiter während des Umbaus?

Müller-Jantsch: Gut die Hälfte der 20 Mitarbeiter legt ein Sabbatjahr ein – und nutzt dies für Reisen oder Fortbildungen. Einige mussten wir entlassen, haben ihnen aber schriftlich zugesichert, dass sie nach dem Umbau wieder bei uns anfangen können. Die Buchhaltung muss fortgeführt werden, außerdem treten wir auch 2013 als Veranstalter auf: Wir richten das Fest der Kulturen der Stadt aus, bespielen beim Maschseefest die Bühne am Nordufer und das Kulturzelt im September in der Wedemark.

Und was machen Sie beide?

Müller-Jantsch: Wir kümmern uns abwechselnd um die Baubegleitung. Ich will zwischendurch zwei Monate wandern gehen.

Sure: Ich möchte mal nach Mittelamerika, um dort einige Projekte zu besuchen. Momentan ist daran aber nicht zu denken. Am 14. Januar wird uns der komplette Strom abgestellt – und wir stellen uns die Frage: Schaffen wir es, den Pavillon bis dahin besenrein zu bekommen? Wir müssen neun große Überseecontainer fürs Zwischenlager packen, aber auch unglaublich viel wegwerfen. Und parallel dazu laufen unsere Veranstaltungen.

Ist denn morgen endgültig Schluss?

Sure: Wir feiern noch eine große Silvesterparty. Die ist schon länger ausverkauft. Wir Mitarbeiter lassen aber erst am 15. Januar die Korken knallen, wenn wir den Pavillon übergeben haben. Und dann hoffen wir, dass die Sanierung nicht länger als ein Jahr dauert – denn das wäre wirklich ein Albtraum.

Interview: Sonja Fröhlich und Uwe Janssen

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