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Aus der Stadt "Ein Albtraum": Schwangere in Hannover in Sorge
Hannover Aus der Stadt "Ein Albtraum": Schwangere in Hannover in Sorge
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08:43 08.06.2016
„Deswegen sucht man sich doch eine Klinik aus“: Jessika Bechers Wunschkrankenhaus ist das „Henri“. Sie fürchtet, im Ernstfall anderswo hin zu müssen. Quelle: Kutter
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Hannover

Ein Albtraum für jede Frau, die entbinden möchte“ – so bezeichnet Jessika Becher die Vorstellung, im Henriettenstift vor verschlossenen Türen zu stehen, weil die Kreißsäle wegen Hebammenmangels abgemeldet sind. Die 29-Jährige ist mit Zwillingen schwanger. Das „Henri“ ist ihr Wunschkrankenhaus: Wegen einer lebensgefährlichen Komplikation bei den Kindern ist die junge Frau dort bereits erfolgreich operiert worden.

Die werdende Mutter ist als Risikoschwangere auf ein sogenanntes Level-1-Krankenhaus angewiesen. Dass sie wegen eines Engpasses stattdessen in die MHH oder sogar in die Perinatalzentren mit Level-1-Status in Hildesheim oder Celle gebracht werden könnte, ist für sie „beängstigend“. Gerade als Erstgebärende mit Risikogeburt brauche sie eine vertraute Umgebung: „Deswegen sucht man sich ja eine Klinik aus.“ Die längeren Wege nach Celle oder Hildesheim findet sie gefährlich. Möglicherweise müsse es schließlich schnell gehen.

Für die Feuerwehr, die in Hannover auch für die Koordination des Rettungsdienstes zuständig ist, sind ein oder zwei abgemeldete Stationen allerdings kein gravierendes Problem. Es gebe genügend Ausweichmöglichkeiten, hieß es am Dienstag.

Für das Henriettenstift wird es jedenfalls ein Nachspiel haben, dass das Krankenhaus seine Kreißsäle am vergangenen Wochenende wegen Hebammenmangels zeitweilig schließen musste. „Wir werden von dem Krankenhaus die Zusicherung fordern, dass die Qualitätsvorgaben jederzeit erfüllt werden“, sagte Jörg Niemann, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (Vdek) in Niedersachsen. Um als Level-1-Klinik zertifiziert zu werden, muss eine Geburtsklinik sicherstellen, dass im Kreißsaal eine Hebamme rund um die Uhr präsent ist. Eine zweite muss sich in Rufbereitschaft halten. Das konnte das „Henri“ am vergangenen Wochenende über 15 Stunden nicht gewährleisten. Anders als die Vdek stufte die AOK die Vorfälle im „Henri“ als „unglücklichen Zufall“ ein. Man gehe davon aus, dass kein strukturelles Problem vorliege und der Engpass gezielt hinterfragt werde, hieß es am Dienstag.

Für die Gleichstellungsbeauftragte der Region, Petra Mundt, dagegen ist der Hebammenmangel im „Henri“ symptomatisch für die sich verschlechternde Qualität bei der Geburtshilfe in der Region. Mundt hat mit dem Runden Tisch Frauen, Mädchen und Gesundheit, in dem mehr als 50 Organisationen der Region vertreten sind, ein Positionspapier entwickelt, das heute an alle Regionsabgeordneten und Gleichstellungsbeauftragten versandt wird. Darin wird nicht nur kritisiert, dass die Geburtenzahlen in der Region steigen, während Klinikbetten in der Geburtshilfe durch die Schließung von Krankenhäusern reduziert werden.

Die Neuordnung der Geburtshilfe in den Diakoniekrankenhäusern – unter anderem durch das geplante große Mutter-Kind-Zentrum am Kinderkrankenhaus Auf der Bult und die Zusammenführung der Geburtshilfe von Henriettenstift und Friederikenstift, führe zu wenigen, großen Entbindungszentren mit über 3000 Geburten pro Jahr. Mundt macht für den Hebammenmangel zudem nicht nur die hohe Arbeitsbelastung in den verbliebenen Kliniken verantwortlich. Mit nur 30 Ausbildungsplätzen könne zudem der Bedarf an Hebammen in der Region nicht gedeckt werden.

Von Jutta Rinas und Tobias Morchner

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