Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Sie werden erst mal nicht erschossen“
Hannover Aus der Stadt „Sie werden erst mal nicht erschossen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 23.04.2016
Von Susanna Bauch
Michael Kuhr von der Berliner Kuhr Security GmbH ist ehemaliger Kickbox-Weltmeister und seit 22 Jahren dick im Geschäft mit dem Personenschutz. Quelle: Kuhr Security/Screenshot
Anzeige
Hannover

"Die Profis werden in Hannover alles im Blick haben.“ Das sagt der Profi. Michael Kuhr von der Berliner Kuhr Security GmbH ist ehemaliger Kickbox-Weltmeister und seit 22 Jahren dick im Geschäft mit dem Personenschutz. Ob Stars wie Angelina Jolie, Lady Gaga oder Uwe Ochsenknecht, politische Gipfeltreffen mit Angela Merkel oder Benjamin Netanjahu – Michael Kuhr hat bei vielen hochkarätigen Events für die Sicherheit gesorgt. „Einen amerikanischen Präsidenten hatte ich allerdings noch nie“, sagt Kuhr. Der sei die mächtigste und damit am stärksten gefährdete Person der Welt – „entsprechend muss Hannover abgesichert werden, auf allerhöchstem Niveau.“

Michael Kuhr ist am kommenden Wochenende nicht in Hannover, für einen Fernsehsender hat er sich allerdings die Lage vor Ort angeschaut. „Viele Leute verstehen gar nicht, warum so ein Aufwand betrieben wird“, sagt der Personenschützer. Aber bei so einer „Mega-Herausforderung“ müssten die Sicherheitsfaktoren bis zum Anschlag hochgeschraubt werden. Und wo lauert für die Sicherheitsexperten die Gefahr? „Was geht, wird sicher aus der Luft angeflogen, damit der Präsident von der Straße kommt“, meint Kuhr. Und wenn die Eskorte anrollt, „dann sind alle 100 Prozent auf dem Posten“. Kuhr ist sicher, dass bereits seit Tagen sämtliche Fenster, Eingangstüren und vor allem leerstehenden Wohnungen entlang der Fahrstrecke unter genauer Beobachtung stehen. „Auf den Dächern werden Scharfschützen sein, die alles von oben aus im Blick haben“, so der Profi. Die Anlieger in den Sicherheitszonen hätten ja bereits im Vorfeld genaue Anweisungen bekommen, wie sie sich zu verhalten hätten.

Und wenn sich jemand nicht daran hält, das Fenster öffnet oder den Rasensprenger in Gang setzt? „Dann wird er zu 100 Prozent erst mal nicht erschossen“, sagt Kuhr. In der Regel würden solche „Verstöße“ umgehend per Megafon geahndet, „die Sicherheitsleute sind dann aber auch schneller in den betreffenden Häusern, als man sich so vorstellen kann“.

Die verdeckten Beobachter, die auf den Dächern und entlang der Strecke lauern, seien vor allem darauf gebrieft, „nach so etwas Ausschau zu halten, was wie ein Präzisionsgewehr aussieht“. Sollte eines ausgemacht werden, „dann wird garantiert auch geschossen.“ Schließlich habe es in der Vergangenheit bereits mehr als 20 Attentate auf amerikanische Präsidenten gegeben.

Neben den politisch motivierten Terroristen oder Attentätern gebe es ja auch noch die Verwirrten, die spontan zuschlagen könnten. „In der Regel haben Profis ganz gut im Blick, wer gefährlich werden könnte und wer nur den Hund rauslassen will“, betont Kuhr. Dennoch dürfe nicht vergessen werden, „dass das in Hannover sicherheitstechnisch eine ganz brenzlige Angelegenheit wird.“ Kuhr sagt: „Auch Angela Merkel ist derzeit keine ungefährdete Person.“

Allerdings könnten noch so viele Sicherheitsprofis und Personenschützer im Einsatz sein – eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nicht, so der Experte. Man könne alles durchplanen, aber auch dann könne noch etwas dazwischenkommen. I Zweifelsfall sei Improvisationsgeist gefragt. „Und gut improvisieren können nur die echten Profis.“ Die haben nach Ansicht von Michael Kuhr aber nicht nur viel Erfahrung und Nerven – sondern auch Angst. Das sein von Vorteil. „Angst habe ich immer, deshalb bereite ich mich akribisch vor. Die beherrschte Angst gehört zum Job, sonst wird man zu cool und locker.“ Und das wäre in puncto Sicherheit für den mächtigsten Mann der Welt definitiv der falsche Ansatz.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ratspolitiker in der Stadt Hannover sind verärgert über das Regionale Raumordnungsprogramm. Vertreter von CDU, FDP, aber auch von der SPD und den Piraten kritisieren, dass die Region die Wohnraumentwicklung einschränkt.

Conrad von Meding 23.04.2016

Die Käthe-Kollwitz-Schule in Hannover, die 2003 ein Austauschprogramm mit der Stiftung Allpa Janpirina in Ecuador hat, will Spenden für das vom Erdbeben gebeutelte Land sammeln. Die Bevölkerung ist nach der Katastrophe auf sofortige Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

20.04.2016

Trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen und strikter Sperrzone hoffen Hannovers Planespotter am Wochenende auf ein Foto der legendären "Air Force One". An Bord der Regierungsmaschine wird US-Präsident Barack Obama in Hannover-Langenhagen landen.

20.04.2016
Anzeige