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Pestalozzischule soll Oberschule werden

Abschaffung der Hauptschulen Pestalozzischule soll Oberschule werden

Im Hannover gibt es nur noch zwei reine Hauptschulen. Eine davon ist die Pestalozzischule in Anderten. 2016 soll sie zur Oberschule umgemeldet werden, weil Haupt- und Realschulen immer unbeliebter werden. Die Lehrer hoffen so auf eine bessere soziale Durchmischung.

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Marianne Gundlach unterrichtet in der 7. Klasse Deutsch.

Quelle: Kutter

Hannover. Mehr als zehn Minuten der 45-minütigen Deutschstunde sind schon vorbei, bevor die meisten Siebtklässler ihre Bücher und Hefte vor sich auf dem Tisch liegen haben. „Das sind doch deine Mathesachen“, sagt Lehrerin Marianne Gundlach (61) zu einem Schüler, „die haben zwar auch einen gelben Umschlag, aber Mathe hattest du doch bei mir noch nie.“ – „Ach, ja“, sagt der Junge, steht auf und geht zum Regal, um das Deutschmaterial zu holen. Ein anderer Schüler hat das Arbeitsheft immer noch nicht dabei. „Ich bestelle es heute“, verspricht er „Das sagst du schon seit Wochen“, antwortet die Lehrerin. Das Schuljahr laufe immerhin schon seit Anfang September. „Bald haben wir Herbstferien“, meint ein anderer Schüler. „Dann ist nicht mehr lange bis Weihnachten“, sagt sein Nachbar.

Schließlich geht der Unterricht doch noch richtig los, und immer wieder schnellen die Finger in die Höhe, als Gundlach danach fragt, wie man den Inhalt eines Sachtextes erschließt. Es geht um Eisbären, die durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht sind. „Erd­erwärmung“ lautet eines der Schlüsselwörter, das die Jugendlichen schnell finden. Aylin gehört zu den stillen Kindern in der Klasse. „Mein Lieblingsfach ist Sport“, sagt die 13-Jährige nach der Stunde und lächelt schüchtern.

Nur noch zwei reine Hauptschulen im Stadtgebiet 

Die Pestalozzischule in Anderten ist eine von insgesamt nur noch zwei reinen Hauptschulen im Stadtgebiet, die alle Jahrgänge von Klasse fünf bis zehn unterrichten. Viele Schüler werden hier zwangsangemeldet, weil sie nach der vierten Klasse eine Hauptschulempfehlung bekommen und ihre Eltern den offiziellen Anmeldetermin an einer anderen Schule verpasst haben. „Kein Wunder, dass sich die Kinder, die zu uns kommen, als Versager fühlen“, sagt Schulleiter Rainer Lubert. Oft nimmt die Pestalozzischule zudem Jugendliche auf, die an anderen Schulen, oft auch an größeren IGSen gescheitert sind. „Bei uns ist alles familiärer“, sagt der Rektor. Er kenne jeden der knapp 270 Schüler persönlich.

Die Pestalozzischule soll 2016 zur Oberschule umgewandelt werden. Über diesen Antrag entscheidet am Mittwoch der Schulausschuss. Weil Haupt- und Realschulen zusehends unbeliebter werden, will die Stadt sie in sogenannte Stadtteilschulen – in der Rechtsform einer Oberschule – umwandeln und in zehn Jahren möglicherweise auch in eine Integrierte Gesamtschule. Alles allerdings nur auf freiwilliger Basis.

Hauptschulen nicht mehr arbeitsfähig 

Als Hauptschule seien sie auf Dauer nicht mehr arbeitsfähig, sagt Lubert. Für ihn und seine Stellvertreterin Heike Röbbel birgt der Schulformwechsel große Chancen. Vor allem weil Oberschulen sogenannte teilgebundene Ganztagsschulen sind mit verpflichtendem Nachmittagsprogramm an zwei Tagen in der Woche und einem dritten freiwilligen Tag. Viele Schüler hätten zu Hause nur wenig Unterstützung durch die Eltern, manche leben auch gar nicht bei ihren Eltern, sondern in betreuten Wohngruppen. Es gehe nicht nur darum, die Kinder zu unterstützen, sondern ihnen auch einen geregelten Tagesablauf und ein Freizeitangebot jenseits von „Chillen und Computerspielen“ zu bieten. In einer Oberschule lernen Kinder unterschiedlicher Leistungsniveaus gemeinsam: „Unseren Kindern fehlen die Vorbilder.“

Fehlende Vorbilder 

Mehr leistungsstärkere Schüler, die die anderen anspornen, wünscht sich Deutschlehrerin Marianne Gundlach. Ähnlich äußert sich die Englischlehrerin Sabrina Maye (31). Zum Aufwärmen beim Vokabellernen lässt sie ihre Fünftklässler einen Ball fangen und werfen. Später üben die Kinder Dialoge, während ganz hinten ein bosnischer Junge Schreibübungen macht. Er sei bislang in seinem Leben gerade einmal ein halbes Jahr überhaupt zur Schule gegangen, erzählt Lehrerin Maye.

Judith Zimmermann (27) hat sich für den Biologieunterricht eine spannende Geschichte ausgedacht. Ihre Schüler sollen Beweisspuren unterm Mikroskop untersuchen, um einen Räuber zu überführen. Ein Schüler übersetzt für seinen Nachbarn das, was die Pädagogin sagt, simultan ins Polnische. Bis die Schüler ihre Experimente ausgewertet haben, vergeht deutlich mehr Zeit, als Zimmermann eingeplant hatte. Schüler machen Sprüche, albern rum. Michelle (13) und Larissa (12) hantieren währenddessen leise und umsichtig mit dem Mikroskop und überführen den „Verdächtigen B“ als Täter. Auch so kann es gehen.     

Eine neue Art 
der Gesamtschule

Modell Oberschule: Während in diesem Sommer 54 Prozent der Eltern in Hannover ihr Kind auf einem Gymnasium angemeldet haben, entschieden sich nur 2 Prozent für eine Hauptschule. Die Pestalozzischule in Anderten wollte schon 2011 Oberschule werden, kam damals mit ihrem Antrag aber bei der von Rot-Grün regierten Stadt nicht durch, wohl auch aus ideologischen Gründen. Die Oberschule war von der früheren schwarz-gelben Landesregierung als Gegenmodell zur Gesamtschule entwickelt. Hier werden die Kinder entweder schulzweigbezogen nach Art einer Kooperativen Gesamtschule oder integriert unterrichtet. In den höheren Jahrgängen wird fächerweise differenziert. Oberschulen sind zumindest tageweise verpflichtende Ganztagsschulen und haben einen festen Sozialarbeiter. Nur wenige Oberschulen haben auch einen Gymnasialzweig, darunter auch die katholische Ludwig-Windthorst-Schule, die bislang Hannovers einzige Oberschule ist. Auch die Heisterbergschule in Ahlem möchte in eine Oberschule umgewandelt werden. Die Stadt hofft auf Nachahmer.

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