Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Ideenschmiede

Peter Grobe konzipiert Hannovers „Leine-Bogen“-Projekt

Von Conrad von Meding

Eine Ideenschmiede für Hannover: Früher hat Peter Grobe die angesagtesten Klubs der Stadt entworfen, heute konzipiert er Großanlagen wie das See-Projekt „Leine-Bogen“.
Immer wieder Visionen für Projekte, die die öffentliche Debatte befruchten: Peter Grobe in seinem Planeratelier in Isernhagen.

Immer wieder Visionen für Projekte, die die öffentliche Debatte befruchten: Peter Grobe in seinem Planeratelier in Isernhagen.

© Martin Steiner

Und wieder polarisieren seine Ideen. Peter Grobe kennt das schon. Der Architekt und Hobbyjazzer, „Fotografiker“ und zeitweilig sogar Filmemacher aus Isernhagen hat sich zeit seines (Berufs-)Lebens anhören müssen, dass seine Ideen nicht umsetzbar, utopisch, sogar visionär im negativen Sinne seien. Wenn man ihm jetzt sagt, was viele in Hannover von seinen Plänen zum Ausbaggern eines riesigen Freizeitsees in der Leineaue zwischen Herrenhausen und Seelze halten, dann lehnt er sich zurück, lächelt charmant und antwortet: „Das habe ich beim Schloss Herrenhausen auch immer gehört.“ Beim Schloss, seinem Herzensprojekt über Jahrzehnte, wird nun in Kürze Baustart sein. Beim See-Projekt hingegen wird es wohl noch dauern – wenn daraus überhaupt jemals etwas wird.

Es gibt ein kluges Buch, das heißt „Ungebautes Hannover“. Darin haben im Jahr 1991 mehrere Mitglieder des Vereins AG Stadtleben auf 200 großformatigen Seiten all die Entwürfe und Ideen versammelt, die in den vergangenen Jahrzehnten für Hannover entwickelt, aber nicht umgesetzt wurden. Nach grober Sichtung lässt sich sagen: Es taucht wohl kein Architektenname der jüngeren Vergangenheit mit so vielen Projekten auf wie der von Peter Grobe. Natürlich ist seine prominente Idee einer gläsernen Überdachung der Großen Packhofstraße dabei, die 20 Jahre lang die öffentlichen Diskussionen beflügelte. Aber auch seine Studien zum Umbau des Goseriedebads in ein Wellnessbad (heute residiert dort die Kestnergesellschaft) sind dort zu finden, das detaillierte Konzept zum Aufbau einer zweiten Markthalle auf dem Klagesmarkt oder das Großprojekt „Urbanisierung des Maschsees“ mit einem Freizeitpark nördlich des Stadions, einer „Grachtenstadt Neu-Ricklingen“ und einem (inzwischen ja gebauten) Hotel am Nordwestufer. Wäre das Buch nur etwas später erschienen, hätte es sicherlich auch das Konzept für den 550 Hektar großen „Leinesee“ gezeigt, den Grobe damals allerdings noch im Süden Hannovers angesiedelt hatte und der ab Ende 1991 für heftige Stadtdebatten sorgte – gewissermaßen ein Vorläufer des heute heiß diskutierten „Leine-Bogens“ im Nordwesten.

Aber Grobe hat keineswegs nur das „ungebaute Hannover“ mit Ideen bereichert. Gleich nach dem Studienabschluss in München und erfolgreicher Promotion siedelte er 1958 zurück in seine Heimatstadt Hannover und begann, als Architekt und Künstler zu arbeiten. Der junge Planer hatte Ideen, und in Hannover gab es eine Szene, die ihn offenbar befruchtete. 1960 entwarf er die „Jenseits-Bar“ für den Gastronomen Jens Brenke in der Schillerstraße – ein psychedelisch wirkender Klubraum mit grafisch unterlegter Tanzfläche, den Grobe mit dem Ergebnis einer dekonstruktivistischen Fotostudie ausstattete. 1962 folgte die „Ex-Bar“, eine Disko von Betreiber Gerd Schade im Keller des GOP. „Die wurde ein Riesenerfolg“, sagt Grobe: „Gerd Schade hat damit 1,6 Millionen Mark Umsatz im Jahr gemacht.“ Für Schade baute er dann noch je eine Bar in Bad Harzburg und Braunschweig und die „Pendel-Bar“ in der Marktstraße, da hatte er längst seinen Ruf als Kreativer in Hannover weg.

In der Galerie Clarissa in der Plathnerstraße durfte Grobe eine Fotoausstellung bestücken, mit HAZ-Redakteur Klaus Partzsch („Klapa“) gestaltete er zwei Kinderbücher und konzipierte später auch Filme, nachdem er mit Partzsch und dem Galeristen Dieter Brusberg die „Filmgalerie“ gegründet hatte, die Avantgardefilme in Hannover auf die Leinwand brachte. Und natürlich arbeitete Grobe weiter am Aufbau seines Büros.

Das alles klingt eher nach künstlerischem Lotterleben, und Grobe erzählt es mit viel Humor. „Vor allem die Innenarchitektur“, sagt er, „die habe ich immer mit Augenzwinkern gesehen, das hat Spaß gemacht.“ Er sagt aber auch: „Es war Knochenarbeit.“ Das Einhalten von Zeit- und Geldvorgaben, die zuweilen nicht einfachen Bauherren – das sei „ohne innere Triebfeder“ kaum zu schaffen gewesen. Sein Anliegen: „Wir wohnen zu schlecht.“ Bessere Wohnungen müssten gebaut werden, und dafür müssten auch bessere Wohnlagen her, hat Grobe immer gesagt. Und so hat er zwar zwischendurch Hotels aufgebaut (etwa das Fora-Hotel) oder umgebaut (Hotel Steinkrug, ein Laves-Bau, dafür erhielt Grobe den BDA-Preis), Wohnsiedlungen (Burgwedeler Straße) und Golfklubs (Isernhagen) errichtet und vieles mehr. Trotzdem bleibt der jetzt von ihm vorgelegte Plan für ein Fluten der Leineaue mit vielen neuen Wohnungen an den Ufern des Großsees so etwas wie die logische Konsequenz eines Lebenswerks.

Ob der Plan überhaupt eine Chance auf Umsetzung hat, soll jetzt zunächst eine Machbarkeitsstudie zeigen. Grobe ist überzeugt, dass es funktioniert, einen Unterstützerkreis gibt es auch, der das Projekt langfristig voranbringen will. Dass man in der Öffentlichkeit skeptisch reagiert, das ist er gewohnt. Leben muss er ja ohnehin nicht mehr von seinen Ideen. 1995 hat er sein Büro an den damaligen Partner Wulf Meinen verkauft. Und so kann er jetzt ganz entspannt sagen: „Planung mache er jetzt nur noch aus Spaß und Freude.“

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Hannover-Artikel

Anzeige

Kennen Sie Hannover?

Hannover von oben: Das neue Rathaus.

Aus der Vogelperspektive sehen bekannte Orte ganz anders aus. Wie gut kennen Sie Hannover? Testen Sie Ihr Wissen in unserem Bilderrätsel.

Tipp für Vereine: Homepage aktuell halten

myheimat - Das Mitmachportal der Heimatzeitungen in HAZ und Neuer Presse

Viele Vereine kennen das Problem: Die eigene Internetseite ist veraltet, weil die Zeit dafür fehlt. Mit dem Mitmachportal unserer Zeitung lassen sich Pressearbeit und Pflege der Vereinshomepage in einem Schritt erledigen.

HannoverHelm

Der HannoverHelm

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr haben HAZ, die Polizeidirektion Hannover sowie Stadt und Region Hannover und die Firma Uvex einen Fahrradhelm entwickelt.

Anzeige

Welcher Stadtteil ist gemeint?

Stadtteilrätsel

Wie gut kennen Sie Hannover? Woche für Woche präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle ein neues Rätsel. Beantworten Sie die Fragen und schicken Sie das Lösungswort an die Redaktion. Viel Spaß beim Rätseln!

Hannover in Zahlen

Hannover in Zahlen
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 521.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
    30159 Hannover
    Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stephan Weil (SPD)


Top