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Aus der Stadt Peter Mim macht Theater ohne Worte
Hannover Aus der Stadt Peter Mim macht Theater ohne Worte
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13:26 25.03.2011
Der Pantomime Peter Mim begeistert seit über 30 Jahren weltweit sein Publikum - am 3. April tritt er im Pavillon Hannover auf. Quelle: Philipp von Ditfurth

Herr Mim, viele verbinden mit Pantomime die Stummfilme der zwanziger Jahre. Was ist Pantomime für Sie?

Für mich ist es eine kultivierte Darstellung von interessanten Ideen auf der Bühne, die nur durch Mimik, Gestik und Bewegungen ausgedrückt werden. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie viele Emotionen diese Kunst vermittelt. Denn sie ist zwar stumm, aber nicht sprachlos. Die Pantomime ist eine uralte Form des Theaterspielens, sie entstand bereits in der Zeit des Theaters der Antike und wurde über die Mysterienspiele des Mittelalters bis in den Stummfilm fortgeführt.

Eigentlich sind Sie diplomierter Maschinenbauer. Wie kam es zu Ihrem bemerkenswerten Berufswechsel?

Meine Leidenschaft galt schon als kleiner Junge dem Theater und besonders Inszenierungen, in denen es weniger um den Text als um die Darstellung ging. Die gespannte Stille, die dabei im Publikum eintrat, fesselte mich ungemein. Bereits während des Maschinenbaustudiums begann meine Ausbildung zum Pantomimen, Schauspieler und Regisseur. Die ersten Erfahrungen machte ich an den Theaterakademien in Moskau und Sofia. Ich lernte bei Mimen wie dem großen Marcel Marceau, außerdem habe ich mich bei Tadaschi Endo intensiv mit dem japanischen Butoh-Theater auseinandergesetzt.

Wie sieht die Arbeit eines Pantomimen aus?

Etienne Decroux, der Vater der Pantomime, hat die Arbeit eines Pantomimen sehr treffend beschrieben: „Ein Pantomime braucht den Körper eines Sportlers, den Geist eines Schauspielers und das Herz eines Dichters.“ Die Pantomime ist eine Form der Kommunikation zwischen Publikum und Künstler, die ganz ohne Worte auskommt. Ich stelle meine Geschichten alleine durch Bewegung und Mimik dar, und das Publikum begreift dennoch ganz unmittelbar, was ich ihm erzähle. Umgekehrt funktioniert die wortlose Kommunikation übrigens auch: Manchmal, wenn ich improvisiere, lasse ich mir ein Zeichen von den Zuschauern geben und entwickle daraus eine Geschichte.

Sie haben 2005 auch eine Schule für Pantomime in Isernhagen gegründet, das mimart-Studio, und sind dort als Dozent tätig. Was lehren Sie Ihre Schüler?

Zuerst einmal müssen meine Schüler lernen, ihren Körper wahrzunehmen, ihn regelrecht zu entdecken. Schließlich ist er das wichtigste Werkzeug. Alles andere lässt sich eigentlich recht schnell lernen, allerdings nicht aus Büchern. Denn die Pantomime lebt vom Austausch mit anderen, vom gemeinsamen Experiment.

Sie haben einen kleinen Koffer dabei. Was ist da drin?

Da ist mein aktuelles Bühnenprogramm drin. Alles, was ich brauche, passt in diesen Koffer, mit dem ich nach Japan, Südamerika und durch halb Europa reise. Er birgt all meine unsichtbaren Requisiten. Zurzeit trage ich leichte, komische Geschichten und Mimodramen mit mir herum. Ein Mimodrama ist ein kleines, wortloses Theaterstück, eine kleine Tragödie von drei bis zehn Minuten Dauer.

Sie treten bereits seit mehr als 30 Jahren als Pantomime auf. Gab es ein Programm, das Sie nachhaltig bewegt hat?

Einen meiner schönsten Auftritte hatte ich in Bulgarien. Dort habe ich das Stück „Der alte Clown“ aufgeführt, das an den Roman „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll angelehnt ist. Der Roman gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Das Stück erzählt die Geschichte eines Clowns, der sich anhand von Requisiten, die er in einem verlassenen Zirkus findet, an seine Lebensgeschichte erinnert.

Wer sind Ihre schärfsten Kritiker?

Das sind die scharfsichtigen Augen des Publikums, aber auch meine Frau und meine Tochter. Gemeinsam entwickeln wir meine Programme. Meine Frau habe ich in Sofia am Theater kennengelernt, seither managt sie mich und begleitet mich auf jeder Reise. Es gibt niemanden, dem ich so sehr vertraue wie ihr. Auch meine Tochter ist stets bei meinen Auftritten dabei und stand früher sogar einige Male mit mir auf der Bühne.

Wenn Sie gerade nicht als Pantomime tätig sind, was machen Sie dann?

Kunst natürlich. Ich male sehr gern, am liebsten mit Öl- und Acrylfarben – und das durchaus mit professionellem Anspruch. Ich stelle seit mehr als 20 Jahren aus, einige meiner Bilder befinden sich sogar in Sammlungen. Malerei und Pantomime haben manches gemeinsam: Beide kommen ohne Worte aus und leben durch ihre Poesie.

Das Interview führte Isabel Christian.

Zur Person...

Peter Mim, der mit bürgerlichem Namen Peter Todorov heißt, wurde 1950 in Topolovgrad, einer kleinen bulgarischen Stadt unweit Griechenlands und der Türkei, geboren. 1973 gründete er in Sofia das „Pantomime-Studio" und die Theatergruppe MIMANS, mit der er in seinem Heimatland bekannt wurde. Seit 1991 lebt er in Isernhagen. Dort eröffnete er 2005 das mimart-Studio, in dem er Interessierte in die Kunst der Pantomime einführt. Seine künstlerischen Vorbilder sind Marcel Marceau und Charlie Chaplin, an ihrer klassischen Pantomime orientieren sich seine Darbietungen. Da er einige Zeit die künstlerische Leitung einer Sommerakademie in Japan innehatte, möchte er allen in Hannover lebenden Japanern freien Eintritt zu seiner Vorstellung am 3. April im Pavillon gewähren. Für alle anderen Interessierten gibt es Karten zum Preis von 12 Euro im Vorverkauf.

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