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Pfleger misshandelt wehrlose Seniorinnen

Prozess vor dem Amtsgericht Pfleger misshandelt wehrlose Seniorinnen

Ein Altenpfleger hat drei Bewohnerinnen eines Pflegeheims so schlecht behandelt, dass sie sich verletzten. Dafür musste sich der 51-Jährige vor dem Amtsgericht verantworten - und bekam ein Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung. Der Mann war von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt worden.

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Der Angeklagte Hendrik F. im Gerichtssaal.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Ein überforderter und ungeeigneter Altenpflegehelfer hat drei hilflose Bewohnerinnen eines hannoverschen Pflegeheims so unsachgemäß versorgt, dass sie erhebliche Verletzungen davontrugen. So fügte er einer Seniorin mit Pergamenthaut durch grobes Umbetten blutende Wunden an Arm und Beinen zu. Eine andere Bewohnerin drehte er auf ihr Gesicht, sodass sie sich über Nacht auf einer Wange wundlag, eine dritte hatte ein Hämatom am Arm. Gestern wurde der 51-jährige Hendrik F. vom Amtsgericht wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Außerdem muss er 1200 Euro an die Frauen-Hilfseinrichtung Violetta zahlen und die Teilnahme an einer Anti-Aggressions-Therapie nachweisen – sonst muss er doch noch ins Gefängnis.

Richterin Monika Pinski nannte das Verhalten des Pflegehelfers „unfassbar schlimm“. Er habe das Mitgefühl für andere verloren, möglicherweise aufgrund persönlicher Probleme. So hatte der 51-Jährige erzählt, dass er jüngst Vater und Onkel aufgrund von Krebserkrankungen verloren habe.

Die Übergriffe in einem nördlichen Stadtteil ereigneten sich in der Nacht vom 11. auf den 12. November 2015. Weil im Pflegeheim aufgrund von Erkrankungen Personalnotstand herrschte, bemühte das Heim eine Zeitarbeitsfirma. Die schickte als Altenpflegehelfer Hendrik F. – obwohl dieser nach eigenem Bekunden gar keine Nachtschichten mehr absolvieren wollte: „Ich weiß, dass ich Stress nicht abkann, und nachts ist es noch schlimmer als tagsüber.“ Doch hatte der Chef der Zeitarbeitsfirma keinen anderen Mitarbeiter parat, also beorderte er den 51-Jährigen ins Heim. Der hatte dort mehr als 40 pflegebedürftige Menschen in zwei Wohnbereichen zu versorgen.

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Schon in der ersten Nacht, so schilderten es ein Pflegedienstleiter und eine Altenpflegerin, hätten sich Senioren ob des neuen Betreuers verängstigt gezeigt. Dieser sei nach Aussagen von Bewohnern „laut und frech“ geworden. Als die Heimleitung am Morgen des zweiten Nachtdienstes von den Verletzungen der gebrechlichen Seniorinnen erfuhr, erteilte sie dem Aushilfspfleger Hausverbot, verständigte die Heimaufsicht und später auch die Angehörigen.

Nach eigenem Bekunden hat F. eine einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer absolviert, arbeitet schon seit 18 Jahren in diesem Metier. Der Angeklagte gab zu, gelegentlich „sehr aufbrausend“ zu sein und sich in jener Nacht „vergessen“ zu haben: „Es kann gut sein, dass ich genervt und gestresst war.“ Auch entschuldigte sich der bislang noch nicht vorbestrafte 51-Jährige mehrfach – wirkte dabei aber seltsam unbeteiligt.

Laut Pflegedienstleiter zahlt das Heim für einen Zeitarbeits-Pflegehelfer 22 Euro pro Stunde, für eine examinierte Pflegefachkraft rund 40 Euro. An qualifiziertem Personal, das in Festanstellung arbeiten kann und will, herrscht erheblicher Mangel. So greifen die Einrichtungen oft auf schlecht ausgebildete Aushilfen zurück. „99 Prozent der Übergriffe in Pflegeheimen kommen überhaupt nicht ans Tageslicht“, sagte die Richterin. Pinski legte dem Täter dringend nahe, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen: „Hören Sie auf, in der Altenpflege zu arbeiten.“

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