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Aus der Stadt Pfleger soll demenzkranken 83-Jährigen erstickt haben
Hannover Aus der Stadt Pfleger soll demenzkranken 83-Jährigen erstickt haben
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20:27 07.09.2017
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Hannover

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen einen 44-jährigen Hilfspfleger, der einen demenzkranken Bewohner des St. Martinshofs in Misburg getötet haben soll. „Es gibt Hinweise, dass der Pfleger den 83-Jährigen erstickt haben könnte“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Der Pfleger wird verdächtigt, dem Heimbewohner eine Portion Pudding zu essen gegeben und ihm dann den Mund zugedrückt zu haben.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 18. Oktober 2016. Gegen den 44-Jährigen wird seitdem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Mord oder Totschlag schließen die Strafverfolger zurzeit aus. „Bislang können wir keinen Vorsatz erkennen oder dass der Verdächtige den Tod billigend in Kauf genommen hat“, sagt Klinge. Es handle sich zudem wohl um einen Einzelfall.

Sollte Fall vertuscht werden?

Doch auch die Heimleitung könnte in den Fokus der Ermittlungen geraten. Es gibt offenbar den Verdacht, dass die Führung den Fall zunächst vertuschen wollte. „Wir haben einen Hinweis bekommen, dass die Heimleitung zunächst geblockt haben soll“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge. „Bisher haben wir aber keine Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht.“

Das Evangelische Johannesstift in Berlin wehrt sich gegen den Vorwurf. „Wir sind von Anfang an transparent damit umgegangen“, sagt Thorsten Wittke, Sprecher der diakonischen Einrichtung. Die Polizei habe zwei Tage nach dem Tod mit den Ermittlungen begonnen.

Dem Hilfspfleger wurde unmittelbar nach dem Vorfall gekündigt. Das Johannesstift habe ihn in Rücksprache mit der zuständigen Zeitarbeitsfirma „einvernehmlich“ entlassen, sagt Wittke. „Gleichzeitig haben wir sichergestellt, dass er in keiner anderen Einrichtung unserer Stiftung tätig sein wird.“ Darüber hinaus sei nach dem Vorfall mit allen Beteiligten gesprochen und alle Abläufe seien extern überprüft worden.

Kurzfristig Lücken ausfüllen

Hilfspfleger von Zeitarbeitsfirmen würden „kurzfristig eingesetzt, um Lücken auszufüllen“, sagt Wittke. Einige feste Mitarbeiter hätten den St. Martinshof in den vergangenen Monaten verlassen, aber im normalen Rahmen. „Hinzu kamen bauliche Maßnahmen, die weniger Personal erfordern“, sagt Wittke.

Dass die Kündigungen womöglich auch an geringeren Löhnen liegen könnten, nennt Wittke „schlicht unwahr“. Als der St. Martinshof 2009 übernommen wurde, mussten die Angestellten Einbußen hinnehmen. Weil die Stiftung zudem ihren Hauptsitz in Berlin hat, gilt in Hannover der Osttarif. Laut Wittke sei der jedoch nicht geringer. „Die Gehälter entsprechen denen in Niedersachsen.“

Übernahme im Jahr 2009

Sechs Einrichtungen der Caritas sind am 1. August 2009 zu 90 Prozent vom Evangelischen Johannesstift in Berlin übernommen worden. Es war damals bundesweit die erste Übernahme katholischer Altenheime durch einen protestantischen Träger. Zu den Einrichtungen gehört auch der St. Martinshof in Misburg, der mehr als 160 Bewohnern ein Zuhause bietet.
Die Übernahme war mit heftigen Protesten verbunden. Mitarbeitervertreter und Gewerkschafter kritisierten die damit verbundenen Lohneinbußen von bis zu 13 Prozent. Auch die hannoversche Diakonie und die einstige Landesbischöfin Margot Käßmann sahen die Glaubwürdigkeit der Diakonie bei den Forderungen nach höheren Pflegesätzen gefährdet.
Nach eigenen Angaben arbeiten beim Evangelischen Johannesstift in Berlin und in weiteren Bundesländern mehr als 3400 Angestellte und 400 Ehrenamtliche. Das Johannesstift mit Sitz in Berlin-Spandau wurde 1858 gegründet.
pah

Peer Hellering

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