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Aus der Stadt Pflegeverein für MS-Patienten vor dem Aus
Hannover Aus der Stadt Pflegeverein für MS-Patienten vor dem Aus
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00:16 13.04.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Rund 2000 Patienten mit Multipler Sklerose (MS) in der Region Hannover bangen um ihre ambulante Versorgung. Denn der hannoversche Pflegeverein Soforthilfe und Information durch Ambulante Versorgung (SIDA) steht vor dem Aus. Die AOK Niedersachsen hat ihren Versorgungsvertrag mit dem Verein zum 1. April gekündigt. Der Vertrag sei nicht mehr wirtschaftlich gewesen, sagt AOK-Sprecher Carsten Sievers. „Die Versorgung der bei SIDA eingeschriebenen Patienten ist erheblich teurer als in der Regelversorgung.“ Nun fürchten die SIDA-Verantwortlichen, dass andere Krankenkassen folgen und zum 30. Juni aus ihren Verträgen aussteigen. Die Insolvenz ist nicht mehr abzuwenden. „Mit der Kündigung der AOK haben wir unseren größten Partner verloren“, sagt Vorstandsmitglied Elmar Straube. Nach HAZ-Informationen hat auch die DAK ihre langjährige Kooperation am Montag bereits mündlich gekündigt.

Dass sich die Krankenkassen aus wirtschaftlichen Gründen zurückziehen, sei für die chronisch kranken Patienten ein Schlag ins Gesicht, sagt Tanja Potulski aus Seelze, die seit 15 Jahren an der Nervenkrankheit leidet. „Wenn ich einen Krankheitsschub habe, brauche ich schnell eine Infusion“, sagt die 44-Jährige. Durch die ambulante Pflege der Ärzte und Pfleger des Vereins könne sie ein halbwegs normales Berufsleben führen und als Rechtsanwältin arbeiten. Ihre starken Schmerzen oder Muskellähmungen habe sie durch die sofortige Betreuung im Griff. Potulskis größte Angst ist, dass die MS-Patienten nach dem Aus von SIDA nicht mehr ausreichend und vor allem zeitnah versorgt werden: „Wer soll sich denn um 2000 zusätzliche Kranke kümmern? Die Krankenhäuser haben doch keine Kapazitäten.“

Arbeit nur noch bis Ende Juni

Noch bis Ende Juni kann der Verein akute Fälle versorgen. Danach sei Schluss, sagt Straube. Eine letzte Hoffnung stecken die Mitglieder in ein Treffen im Mai, bei dem ein neues Konzept erarbeitet werden soll. „Es ist furchtbar, dass das Versorgungssystem, das über so viele Jahre erfolgreich funktioniert hat, mit einem Mal wegfällt“, sagt Straube. Kursierende Spekulationen, der Ausstieg der AOK habe mit dem Korruptionsvorwürfen und den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Verden gegen den ehemaligen SIDA-Geschäftsführer, weist der Mediziner vehement zurück: „Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun.“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat angekündigt, SIDA zu übernehmen. Ohne die Beteiligung der Krankenkassen sei die Versorgung der MS-Patienten aber nicht tragbar, sagt Straube.

Von Linda Tonn

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