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"Wir haben das Ebola-Virus nicht im Haus"

Pharmakonzern Burgwedel Biotech "Wir haben das Ebola-Virus nicht im Haus"

Die Firma Biotech aus Burgwedel hat den Zuschlag für die Massenproduktion eines Ebola-Impfstoffes bekommen. Viele Anwohner äußern Bedenken gegen die Produktion und haben Angst, dass dort mit Ebola-Viren geforscht und gearbeitet wird. Geschäftsführer Fons Verhaegen verneint dies.

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„Für den Menschen ungefährlich“: Geschäftsführer Fons Verhaegen (re.) und Technikchef Jürgen Schwender.

Quelle: Dillenberg

Burgwedel. Er weiß, dass er es immer wieder erklären muss. Darum stellt Fons Verhaegen die Sache gleich von Anfang an klar. „Nein“, sagt er. „Wir haben das Ebola-Virus nicht hier im Haus.“ Seit am Mittwoch bekannt wurde, dass die Pharmafirma Burgwedel Biotech den Zuschlag für die weltweit erste Massenproduktion von Impfstoffen gegen den tödlichen Krankheitserreger erhalten hat, musste Verhaegen diesen Satz schon oft sagen. Und jedes Mal erklärt der Geschäftsführer dann, dass in den neuen Laboren keinesfalls mit dem Ebola-Erreger gearbeitet werde. Ein anderes Virus, gentechnisch verändert und stark abgeschwächt, sei die Grundlage für den Impfstoff. „Und dieses Virus“, versichert er, „ist für den Menschen ungefährlich.“

Entwickelt hat den Ebola-Impfstoff der in den USA ansässige Mutterkonzern Merck & Co., der in Deutschland unter dem Namen MSD auftritt. Dass der Konzern, der weltweit in 140 Ländern tätig ist, ausgerechnet seinen Standort in Burgwedel ausgewählt hat, um die Produktion des Impfstoffs voranzutreiben, sei eine „unheimlich gute Nachricht“, sagt Verhaegen. Nach seinen Worten gibt es einen gewichtigen Grund für die Entscheidung: Burgwedel Biotech – eigentlich auf Tierimpfstoffe spezialisiert – ist ohnehin auf Expansion eingestellt und hat daher bereits mit zwei Erweiterungsbauten für die Produktion und den Bürobereich begonnen.

„Wir mussten jetzt zwar noch mal etwas umplanen, aber das ist gut machbar“, sagt der Technische Direktor Jürgen Schwender. Und so kann Verhaegen nun stolze Zahlen verkünden: Unterm Strich investiert Merck & Co. rund 60 Millionen Euro in Burgwedel, davon allein 24 Millionen für das Ebola-Projekt. Die Belegschaft soll mit dem neuen Auftrag noch einmal wachsen – von aktuell 150 auf 200 Mitarbeiter. Schon jetzt sind Mitarbeiter aus den USA vor Ort, die das neue Personal anlernen. „Hier machen alle Überstunden“, sagt Verhaegen.

Die Zeit drängt: Schon ab Anfang kommenden Jahres soll die Produktion des Ebola-Impfstoffes beginnen. Zunächst mit Chargen, die für die endgültige Zulassung durch die Arzneimittelbehörden notwendig sind. Die Kapazitäten der Labore seien so ausgelegt, dass künftig mehrere Millionen Impfdosen pro Jahr hergestellt werden könnte, erklärt Verhaegen.

Anlieger in dem Gewerbegebiet, darunter die benachbarten Unternehmen Rossmann, Kind und Ikea, begrüßen die Entscheidung zugunsten von Burgwedel Biotech. Doch unter den Nachbarn sind auch Bewohner der anliegenden Häuser, die sich Sorgen machen, dass bei der Impfstoffherstellung eben doch nicht alles so ungefährlich sein könnte, wie das Unternehmen versichert.

In Hannover kennt man derartige Debatten. Das 2014 an den Start gegangene Tierimpfstoffzentrum Boehringer im Stadtteil Kirchrode sah sich im Vorfeld großen Sorgen aus der Nachbarschaft ausgesetzt. Eine Bürgerinitiative hatte sich vehement gegen die Ansiedlung des Pharma-Konzerns gewehrt. Längst haben sich die Wogen aber geglättetet – auch weil das Unternehmen sich für eine offensive Informationspolitik entschieden hat. In Betrieb sind bei Boehringer zurzeit Labore der Sicherheitsstufe 2, bei denen laut Gentechnikgesetz „von einem geringen Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt auszugehen“ ist. Daher müssen solche Anlagen besondere Anforderungen erfüllen – dazu gehören spezielle Filtersysteme, komplexe Desinfektionsregeln oder Sicherheitsschleusen für die Mitarbeiter.

Auch der Ebola-Impfstoff wird in Stufe-2-Laboren hergestellt. Selbstverständlich würden alle Auflagen strengstens eingehalten, betont Technikdirektor Schwender. Er ist federführend mit den Bauplanungen für die Erweiterung des Unternehmens befasst und hat derzeit jede Menge zu tun. Der Ebola-Impfstoff werde in hochtechnisierten Reinräumen hergestellt, erklärt der Fachmann. Diese seien streng von den Bereichen getrennt, in denen die Impfstoffe für die Tiergesundheit produziert werden. „Wir haben bis ins Detail simuliert, welcher Raum wie genutzt wird.“

Geschäftsführer Verhaegen hat Verständnis, dass Nachbarn genau wissen wollen, was in den Laboren geschieht. „Wir setzen auf Transparenz und erklären ganz offen, was wir hier machen werden“, sagt er. Das sehen offenbar nicht alle Anwohner so. „Mit uns ist nicht gesprochen worden“, erbost sich etwa Almuth Kleinoth. „Ich bin auf 180!“ Es gibt noch Gesprächsbedarf in Burgwedel.

Von Juliane Kaune
 und Martin Lauber

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