Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Pilzkundlerin darf in Hannover Trüffeln suchen
Hannover Aus der Stadt Pilzkundlerin darf in Hannover Trüffeln suchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 23.04.2016
Von Michael Zgoll
Nicht so leicht zu finden und gut geschützt: Der Burgundertrüffel. Quelle: Archiv
Anzeige
Hannover

Doch musste die 46-Jährige dazu das Verwaltungsgericht bemühen, das die Naturschützer der Region am Mittwoch nach zweistündiger Verhandlung zu einem Entgegenkommen bewegen konnte. Als Teilnehmerin eines Langzeitprojekts zur Erfassung des Burgundertrüffels, angeleitet von der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), darf die Hobby-Mykologin nun in Hannover Trüffelpilze suchen, untersuchen und kartografieren – unter strengen Auflagen und befristet.

Hauptberuflich ist die Klägerin Grafikdesignerin, doch in ihrer Freizeit widmet sie sich mit Leidenschaft dem unterirdischen Pilzgeflecht. Ihr zur Seite steht ein Lagotto Romagnolo, Abkömmling einer knuffigen Hunderasse, die gern zur Trüffelsuche eingesetzt wird. Im Zuge ihrer Recherchen entwickelte die Frau den Wunsch, mehrere Standorte in der Region – unter anderem den Deister – auf Trüffeln absuchen, die unterirdischen Fruchtkörper entnehmen und mit Sporen geeignete Bäume infizieren zu dürfen, um neue Pilze anzusiedeln. Doch die Region verwies auf die Bundesartenschutzverordnung, die die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehenden Pilze schützt. Daraufhin klagte die Grafikdesignerin: Generell sei es rechtswidrig, Trüffel unter Artenschutz zu stellen, und abgesehen davon fordere sie die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für diese ganz spezielle Form der Pilzsuche.

Nun ist die 46-Jährige noch in einer anderen, eher privaten Runde unterwegs, die Trüffeln nachspürt. „Diese Gruppe hat sich über ihre Hunde ein Hobby erschlossen, aber damit wird man doch nicht zum Forscher“, meinte Reinhild Muschter von der Naturschutzbehörde. „Sie können nicht einfach Sporen in der Landschaft verteilen“, assistierte ihr Kollege Bernd Rittberg. So vermochte auch die 4. Kammer unter Vorsitz von Ingo Behrens die ernsthaften wissenschaftlichen Absichten der Hunderunde nicht zu erkennen – die Seriosität der Schweizer Forscher dagegen schon. Immerhin habe das Bundesnaturschutzamt bestätigt, dass die Kartierung der Trüffelvorkommen in Deutschland herzlich unvollständig sei, und neue Daten könnten ja nie schaden.

„Es geht meiner Mandantin auch keinesfalls darum, mit den Trüffeln Handel treiben zu wollen“, versicherte ihr Anwalt Wilhelm Achelpöhler. Dabei wäre dies durchaus lohnend: Burgundertrüffel sollen im Kilo 500 bis 600 Euro kosten, Alba-Trüffel bis zu 5000 Euro. Als Richter Behrens schließlich konstatierte, dass den Trüffelpilzen eine fachgerechte Entnahme doch nicht schade, gaben die Regionsvertreter endlich nach. Am Rande der Verhandlung verriet ein Experte, dass es in Hannover schon 500 Fundstellen gebe – Standorte streng geheim.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Aus der Stadt Wohnungsbau statt Kleingarten - Einfach umsiedeln – das geht nicht

813 Kleingärten müssen weichen, um Platz für Wohnungsbau zu schaffen – 200 Parzellen sind es am Vinnhorster Weg. Darauf haben sich die Stadt Hannover und der Bezirksverband der Kleingärtner nach langen Verhandlungen geeinigt. Der Bezirksverband betont, dass die Hobbygärtner ihre Parzellen nicht von heute auf morgen verlassen müssen.

23.04.2016

Der Streit mit privaten Müllentsorgungsunternehmen hat die Region und ihren Abfallwirtschaftsbetrieb Aha vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxenburg gebracht. Am Mittwoch war die mündliche Verhandlung. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Mathias Klein 23.04.2016

Hannover wird in diesem Jahr 775 Jahre alt – das bringt eine Reihe von Veranstaltungen mit sich. Allerdings findet sich auf in diesen Tagen versandten Karten für den offiziellen Festakt am 8. Juli während des Schützenfestes ein kleiner Fehler. Dort ist von einem "Dreivierteljahrtausend" die Rede. Das macht die Stadt 25 Jahre jünger, als sie ist.

Mathias Klein 20.04.2016
Anzeige