Mehr als 200.000 Zuschauer säumen laut Polizei die Straßen, um den Schützenausmarsch zu sehen. Unter ihnen ist Maja Müller-Heidelberg mit ihrem kleinen Sohn Luk, der mit großen Augen zuschaut. „Am meisten faszinieren ihn die Pferde“, verrät seine Mutter. Die 33-Jährige hatte es nicht weit. „Wir wohnen gleich um die Ecke.“
Da musste Hrishi Deshpande aus Indien schon eine weitere Strecke zurücklegen. „Ich wohne in der Nähe von Mumbai“, erzählt der 45-Jährige. Er sei zu Besuch in Deutschland, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu sehen. Der Schützenausmarsch ist für ihn ein echter Höhepunkt. „Das alles ist sehr interessant. Alles läuft sehr diszipliniert ab“, lobt der aus der Ferne angereiste Gast.
Internationales Flair brachte auch Sangare Aliou aus Mali mit nach Hannover. „Ich wohne schon viele Jahre hier und bin der Vorsitzende des Afrikanischen Landesverbands Norddeutschlands“, berichtet der 48-Jährige. Der Schützenausmarsch sei ein Teil der deutschen Kultur und biete die Chance zur Integration. „Auf diese Weise kann man auch als Zuwanderer deutsche Traditionen kennenlernen.“
Das kann Laura Colombres aus Mexiko bestätigen. Die 49 Jahre alte Tänzerin in ihrem kunterbunten, in der Sonne leuchtendem Kostüm wohnt in Braunschweig, hat ihre Wurzeln aber in Mittelamerika. Die Mexikaner könnten zwar tüchtig feiern, aber offensichtlich auch die Schützen. Sie liebe die deutsche Kultur und sei stolz darauf, dabei sein zu dürfen.
Selbst Cäsar, alias Grzegorz Kaluza, gibt sich die Ehre und mischt sich mit weißer Toga und Lorbeerkranz unter das Volk. Der 21-Jährige war aus Karlsruhe angereist. Er gehört zur Gruppe Quo Vadis vom Hannover Misburg Bürgerhaus und ist zum ersten Mal dabei.„Es ist eine interessante Erfahrung.“
Die größten Anstrengungen nehmen aber die Schützen auf sich. Sören Kreyer vom „Schießclub Feierabend 2008“ aus Hannover ist bereits seit 3.00 Uhr auf den Beinen. „Ich gehöre zum ersten Zug. Da heißt es früh aufstehen“, sagt der 29-Jährige. „Zuerst müssen die Könige abgeholt werden. Dann gibt es noch ein gemeinsames Schützenfrühstück.“ Eine besondere Ehre sei für ihn, die Fahne seines Vereins zu tragen.
Insgesamt nehmen 12.000 Schützen, Musiker und Tänzer aus Deutschland, Polen, Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Italien und anderen Ländern an dem Umzug teil. 61 Festwagen und Pferdegespanne schlängeln sich durch die Innenstadt.
Am Schützenplatz angekommen feiern Besucher und Schützen weiter. Das Schützenfest, das in diesem Jahr zum 480. Mal gefeiert wird, dauert noch bis zum 12. Juli. Die Veranstalter rechnen mit bis zu zwei Millionen Besuchern.
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