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Aus der Stadt Pläne für die D-Linie stehen vor dem Aus
Hannover Aus der Stadt Pläne für die D-Linie stehen vor dem Aus
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06:15 18.11.2012
Die rot-grünen Politiker in Stadt und Region haben neue Pläne für den Umbau der D-Linie. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Die von der Region vorgelegten Pläne zum behindertengerechten Ausbau der oberirdischen Stadtbahnlinie 10 (D-Linie) stehen vor dem Scheitern. Politiker von SPD und Grünen in Stadt und Region rücken von dem Vorhaben ab, die Verbindung aus Richtung Westen zum Ernst-August-Platz weiter zum Raschplatz und zum Platz der Kaufleute zu führen.

Wird aus der Ablehnung offizielle Beschlusslage, fehlt die politische Mehrheit für das 62-Millionen-Euro-Projekt, das die CDU ohnehin ablehnt. Als Alternative rückt der sogenannte Scheelhaase-Plan in den Fokus. Er besagt, dass jede zweite Bahn auf der sogenannten D-Linie in der Humboldtstraße in den vorhandenen Tunnel und dann wie schon im Nachtsternverkehr üblich Richtung Kröpcke und Hauptbahnhof führe. „Der Tunnel bietet ausreichende Kapazitäten dafür“, erklärt die Üstra. Die andere Hälfte der Bahnen würde weiter oberirdisch über den Ernst-August-Platz den Aegi ansteuern. Die Hochstraße am Raschplatz könnte dann stehen bleiben.

„Ich sehe nicht, wie wir die Verkehrssituation in der Innenstadt in den Griff bekommen können“, sagt Karl-Heinz Mönkeberg, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Regionsfraktion. Außerdem bezweifelt er, dass der vorgesehene Abriss der Hochstraße am Raschplatz vom Land finanziell unterstützt würde. Die Kosten belaufen sich auf 15 Millionen Euro.

Mönkeberg will nun in seiner Fraktion für die Lösung werben, die nach dem Verkehrsexperten Klaus Scheelhaase benannt ist. In der SPD-Ratsfraktion zeichnet sich dafür nach Informationen der HAZ schon eine Mehrheit ab. Offiziell sagt das niemand, aber auch hier sind die Sorgen vor einem Verkehrsinfarkt der Hauptgrund. Die Fraktion will nun das Gutachten zum Verkehr, das sie bisher nicht detailliert kennt, kritisch unter die Lupe nehmen. „Die Scheelhaase-Lösung bietet den Vorteil, dass sie schnell umsetzbar ist und Umsteigemöglichkeiten zwischen den Linien bietet“, heißt es von den Sozialdemokraten.

Bei den Grünen im Rat würde die SPD wohl Gehör finden. Baupolitiker Michael Dette sagt, er habe nicht den Eindruck, dass die Pläne der Region in der Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen: „Es sollen 62 Millionen Euro ausgegeben werden, und jeder, den man in der Stadt trifft, fragt einen, wofür eigentlich.“ Dette verweist auf die Zuständigkeit der Regionsversammlung für den Nahverkehr. Dort zeichnet sich Krach zwischen SPD und Grünen ab. Meike Schümer, Verkehrsexpertin der Grünen, zeigte sich irritiert über die Haltung des Bündnispartners: „Wir haben die Strecke zum Platz der Kaufleute mit großer Mehrheit in der Regionsversammlung beschlossen, und das Verkehrsgutachten besagt, dass es geht.“ Man könne mobilitätseingeschränkten Stadtbahnkunden nicht sagen, sie sollten nur jede zweite Bahn nehmen.

Faktisch ist zunächst der Zeitplan Makulatur, den die Region abgesteckt hatte. Sie wollte ihre Pläne bis Jahresende beschließen lassen, um dann den notwendigen Förderantrag auszuarbeiten, der bis Mai beim Land eingegangen sein muss. Erstberatung sollte in der kommenden Woche im Verkehrsausschuss sein. Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann hat die Region in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass seinen Eindrücken nach der Meinungsbildungsprozess in der Stadtpolitik noch nicht abgeschlossen sei. Regionsdezernent Ulf-Birger Franz hat daraufhin entschieden, dem Ausschuss statt einer Beschluss- nur eine Informationsdrucksache vorzulegen. Bodemann wollte sich gestern nicht weiter äußern, Franz war wegen einer Klausurtagung nicht zu erreichen.

Kommentar: Zeit verspielt

Es gibt Menschen, die rollen entnervt mit den Augen, wenn sie das Wort D-Linie hören. Zäh wie alter Kaugummi zieht sich die Debatte um das Stadtbahnprojekt seit Jahren hin, wurden Pläne geschmiedet und wieder verworfen. Jetzt geht das wieder los.
Wenn so viel schiefläuft, gibt es nicht nur einen Schuldigen. Regionsdezernent Ulf-Birger Franz und seine Verkehrsexperten haben mit den Planungen für die Linienführung zum Platz der Kaufleute und dem Abriss der Hochstraße am Raschplatz formell einen politischen Auftrag umgesetzt, wie es ihre Pflicht ist.

Franz hat aber auch für das Projekt gekämpft und dabei ignoriert, dass von einem für die Stadt so wichtigen Vorhaben nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung zu überzeugen ist. SPD und Grüne in der Region widmeten sich mit Hingabe einem Streit um Hoch- oder Niederflurbahnen und verspielten damit sowohl Zeit als auch die Geduld selbst wohlmeinender Hannoveraner. Ihre Parteikollegen in der Stadt haben zu lange auf klare Meinungsäußerungen verzichtet, obwohl der Stadtbahnbau nicht nur ein Verkehrsprojekt, sondern auch eines der Stadtgestaltung ist.

Und nun? Kein Mensch, der etwa an einem Sonnabend offenen Auges durch die Stadt läuft, kann sich vorstellen, wie Bahnen Richtung Raschplatz rumpeln sollen, ohne dass es in diesem Bereich zu einem Verkehrschaos kommt. Die sogenannte Scheelhaase-Variante bietet sich deshalb als schnelle und preiswerte Lösung an. Man könnte dann mit dem behindertengerechten Ausbau der Strecke im Westen beginnen und die Pläne für die City neu sortieren.

Bernd Haase

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