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Pläne für neue Hochhäuser in Hannover

Stadtplanung Pläne für neue Hochhäuser in Hannover

Seit zehn Jahren werden in Hannover keine Hochhäuser mehr gebaut - sondern nur noch abgerissen. Doch jetzt gibt es wieder Ideen: Für drei neue Standorte existieren Pläne für Hochhausbauten.

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Die Raschplatz-Hochstraße mit Telemoritz und Bredero-Hochaus.

Quelle: Ralf Decker (Archiv)

Hannover. Jetzt reißen sie wieder ab: Etage für Etage zerknabbert ein Spezialbagger das Hochhaus an der Ecke Berckhusenstraße/Karl-Wiechert-Allee. Als langjähriges Schwesternwohnheim der Medizinischen Hochschule hat es ausgedient, und die billige Fertigbauweise der siebziger Jahre zu sanieren würde offenbar mehr Geld kosten als gleichwertigen Wohnraum bei Bedarf neu aufzubauen. Am Ende wird Hannover wieder ein Hochhaus weniger haben – dabei sind es in der Stadt der minimalistischen Skyline ohnehin nur einige Dutzend. Seit zehn Jahren wurde kein echter Hochhausbau mehr errichtet – nach Jahrzehnten des „immer höher“ und „immer weiter“ scheint Stadtplaner und Investoren der Mut verlassen zu haben. Immerhin gibt es jetzt drei prominente neue Standorte für Hochhausbauten. Und an mindestens einem davon, in der List, gilt es als sicher, dass auch wirklich gebaut wird.

Aufregende Stadtsilhouetten sind Ausdruck von Prosperität. Die Skylines („Himmelslinien“) von Frankfurt, Manhattan und Dubai zeigen, wie wertvoll Baugrund in diesen Metropolen ist: Jeder Quadratmeter wird dort in den Boomvierteln nicht nur mit fünf, zehn oder 15, sondern gerne auch mal mit 35 und mehr Stockwerken besetzt. Dagegen nimmt sich Hannover mit seinen relativ günstigen Grundstückspreisen und seinen relativ großen Flächenreserven nicht gerade extravagant aus. Fast müsste man denen, deren Werke heute oft als Bausünden tituliert werden, dankbar sein: Zumindest ganz oben bereichern das Ihme-Zentrum oder das Bredero-Hochhaus die Skyline der Stadt – ohne sie wäre die Himmelslinie noch ärmer.

Höher als die Kirche durfte keiner baue n

Die Machtfrage, wer den optischen Höhepunkt der Städte besetzt, ging jahrhundertelang zugunsten der Kirchen aus. Höher als die Spitze der höchsten Stadtkirche durfte keiner bauen, an dieses ungeschriebene Gesetz hielten sich lange auch die reichen Kaufleute. In Hannover, wo die Marktkirche (mit ihrem nach 1368 nie wirklich fertiggebauten Turmreiter) 97,26 Meter misst, stellte das Bürgertum erst mit seinem Neuen Rathaus (98 Meter) die Machtfrage – an der Marktkirche gleicht die Wetterfahne die Differenz aus. Die Debatte ums höchste Haus der Stadt entbrannte anlässlich des Neubaus der Nord/LB neu. Mit 83,52 Metern bleibt der jetzt deutlich kleiner als das Rathaus, auch wenn der profane Glaspalast der Bank deutlich größer wirkt als die mit ihrer begehbaren Rundkuppel ausgestattete Rathausspitze.

Unangefochten das größte „Gebäude“ der Stadt allerdings ist der „Telemax“ (Baujahr 1992). Mit seinen 282 Metern gilt er sogar als eines der höchsten Bauwerke Niedersachsens – und mit seinem statisch unsinnigen, eckigen Turmschaft sogar europaweit als eine Kuriosität. Der exakt 50 Jahre früher fertiggestellte „Telemoritz“ (früher „Pusteblume“ genannt, heute Werbeträger von VW Nutzfahrzeuge) bringt es mit 141 Metern nur auf die Hälfte. Er sollte eigentlich neben der Hauptpost (heute: Ernst-August-Galerie) errichtet werden und ein Turmcafé haben. Ähnliche Nutzungsideen scheitern bis heute immer wieder an Brandschutzbestimmungen.Immerhin gilt er als einer der ersten Türme weltweit, die in Stahlbetontechnik gebaut wurden.

Ohnehin waren die Nachkriegsplaner deutlich mutiger als heutige Generationen. Allmählich entdeckt man wieder die Eleganz früher Hochhausbauten, etwa die Rasterfassade am Conti-Hochhaus Königsworther Platz (Baujahr 1953), in dem heute die Universität residiert. Ganz zu schweigen vom Anzeiger-Hochhaus (Baujahr 1928) an der Goseriede, das Architekt Fritz Höger als erstes Hochhaus der Stadt für den Verleger August Madsack baute.

„Ein Hochhaus ist großartig“

In den sechziger und siebziger Jahren reiften in Hannovers Bauverwaltung hochtrabende Pläne für eine intensive Stadtentwicklung. Am Aegi, am Raschplatz und am Königsworther Platz sollten dominante Gebäudekomplexe entstehen, die den erwarteten Menschenmassen (Hannover rechnete mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahre) Wohn- und Arbeitsräume bieten sollten. Realisiert wurden davon das Bredero-Hochhaus (91 Meter) und der Sparkassen-Bau (70 Meter) sowie das 16-stöckige Allianz-Gebäude (70 Meter) an der Ecke von Langer Laube und Königsworther Platz. Aus dieser Zeit stammen auch das Hotel am Stadtpark (54 Meter), natürlich die Bauten des Ihme-Zentrums (bis 92 Meter) und des Kröpcke-Centers (51 Meter) sowie zahlreiche Wohnburgen.

Im Vahrenheider Klingenthal ist 2004 mit viel Getöse ein 20-geschossiges Wohngebäude abgerissen worden, weil es als asozial und nicht mehr zu vermieten galt. Am Kröpcke-Center beginnt in Kürze der Rückbau aller Turmetagen, weil auch diese – trotz ihrer Kernlage inmitten einer Großstadt und trotz teurer Modernisierungspläne – als nicht mehr vermietbar gelten.

Wenn jetzt doch wieder neue Hochhäuser geplant werden, dann wollen Architekten und Bauherren vieles anders machen. „Ein Hochhaus ist großartig, weil es einen phantastischen Ausblick bietet“, sagt Lorenz Hansen von der Baufirma Gundlach, die in der List das erste Hochhaus des neuen Jahrzehnts plant. „Wir werden die Fehler der Vorgängergeneration mit schlecht geplanten Eingängen, düsteren Treppenhäusern und sozialen Randlagen nicht wiederholen, sondern stattdessen einen ganz neuen Typ urbanen Wohnens schaffen.“ Man darf gespannt sein – auf die nächsten Hochhäuser nach langer Pause in Hannover.

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