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Plagiatsvorwurf: Bibliothek sperrt Doktorarbeit

Caritas-Chef in der Kritik Plagiatsvorwurf: Bibliothek sperrt Doktorarbeit

Die Deutsche Nationalbibliothek hat die umstrittene Doktorarbeit des hannoverschen Caritas-Chefs in dieser Woche „dauerhaft gesperrt“. Das geht aus einem Schreiben des Justiziars der Bibliothek hervor, das dieser Zeitung in Kopie vorliegt. 

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Caritas-Chef Andreas Schubert.

Quelle: Kutter

Hannover. Weil die Bibliothek keine Werke löschen darf, sind die Speicherdaten geändert worden: Das Dokument wird nicht mehr als Dissertation geführt, der offenkundig falsche Herkunftsvermerk „Dresden, Bratislava“ wurde ersetzt. Die Arbeit ist ausschließlich in Bratislava angenommen worden, die Dresdner Universität hat sich von der Nennung inzwischen öffentlich distanziert.

Recherchen der Internetplattform Vroniplag-Wiki hatten ergeben, dass in der 2008 erstellten Arbeit mindestens 65 Textstellen Plagiate enthalten sollen, teilweise über lange Textstrecken. Verfasser Andreas Schubert, der seit 2012 Geschäftsführer des Caritasverbands Hannover ist, weist die Vorwürfe zurück. In der Deutschen Nationalbibliothek sei versehentlich eine frühe Arbeitsfassung seiner Dissertation archiviert, in die er zwischenzeitlich Textpassagen fremder Quellen hineinkopiert habe. Mittlerweile sind aber auch an der Comenius-Universität Bratislava, wo Schubert promoviert hat, textgleiche Fassungen der Plagiatsarbeit aufgetaucht. Sie unterscheiden sich scheinbar nur im Deckblatt.

In einer schriftlichen Mitteilung des Caritasverbands hat Schubert gestern Stellung bezogen. Er sei für die Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten dankbar, heißt es dort. Die damit verbundenen Anschuldigungen allerdings hätten ihn „völlig unvorbereitet getroffen und sehr überrascht“. Er werde mithelfen, die Vorgänge aufzuklären, und habe daher bei der Universität in Bratislava sowohl „förmlich eine Überprüfung des Promotionsverfahrens und der Dissertation beantragt, als auch um einen persönlichen zeitnahen Termin vor Ort in Bratislava gebeten“.

Der katholische Caritasverband Hannover beschäftigt rund 450 Mitarbeiter. Er betreibt regionsweit 17 Kitas und zahlreiche Beratungsstellen unter anderem zur Sucht- und Schuldnerberatung und ist ferner in der Flüchtlingshilfe aktiv. Der Vorsitzende des Caritas-Rats, Probst Martin Tenge, hat gegenüber der HAZ in dem schwelenden Konflikt um die Dissertation eine Ehrenerklärung für Schubert abgegeben.

Von Hermann Horstkotte und Conrad von Meding

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