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„Wir müssen doch etwas tun!“

Politik-Planspiel „Pimp Your Town“ „Wir müssen doch etwas tun!“

Filmvorführungen, Gartenprojekte, Eignungstests – das sind nur ein paar der Dinge, über die Jugendliche beim Planspiel "Pimp Your Town" im Ratssaal diskutiert haben. Das Projekt soll Schülern Kommunalpolitik näher bringen. Am Ende durften sie sogar über einen realen Etat von 5000 Euro entscheiden.

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Spannende Debatten, gute Kompromisse: Die Schüler bei ihrer Sitzung im Raatssaal.

Quelle: Heusel

Hannover. Mehr Klassenfahrten, kostenlose Wasserspender in Schulen und freien Internetzugang überall in der City – das sind die wiederkehrenden Forderungen hannoverscher Schüler beim Politik-Planspiel „Pimp Your Town“. Doch in der inzwischen siebten Runde des Erfolgsprojektes läuft einiges anders. Die Flüchtlingskrise geht auch an Jugendlichen nicht spurlos vorbei, die Großthemen Krieg und Frieden sind aktuell wie nie. „Wir müssen doch etwas tun, damit sich nicht mehr so viele Menschen dem IS anschließen. Wir dürfen die Augen nicht verschließen“, sagt die 17-jährige Leonie im Ratssaal. Aber was? Bilder malen, Spenden sammeln? „Das bringt doch alles nichts“, meinen andere.

Zudem dürfen die 83 Planspiel-Teilnehmer jetzt echtes Geld ausgeben. Über einen Etat von 5000 Euro haben sie entschieden, das Geld stammt aus einem Fördertopf des Bundes. „Die Schüler sind sehr sparsam, sie haben die Mittel nicht voll ausgeschöpft“, sagt Gregor Dehmel vom Verein Demokratie zum Anfassen, Organisator des Projekts. So können sich die Schüler für Filmvorführungen erwärmen, bei denen Spielfilme aus Ländern gezeigt werden, die viele Menschen derzeit verlassen (Kosten: 490 Euro). Anklang findet auch der Vorschlag, dass Stadtteilbewohner Beete auf ungenutzten Brachen anlegen und sie zusammen mit Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft pflegen (Kosten: 1200 Euro).

Filmvorführungen, Gartenprojekte, Eignungstests – das sind nur ein paar der Dinge, über die Jugendliche beim Planspiel "Pimp Your Town" im Ratssaal diskutiert haben. Das Projekt soll Schülern Kommunalpolitik näher bringen. Am Ende durften sie sogar über einen realen Etat von 5000 Euro entscheiden.

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Jugendliche aus vier Schulen sind in die Rollen von Kommunalpolitikern geschlüpft und haben sich am Montagnachmittag zur großen Abschlusssitzung im Ratssaal getroffen. Alle Schulformen waren vertreten, eine Haupt- und Realschule (Bertha-von-Suttner-Schule), eine Gesamtschule (IGS Kronsberg), ein privates Gymnasium (Kämmer International Bilingual School) und ein staatliches Gymnasium (Ricarda-Huch-Schule).

„Kinder aus unterschiedlichen Milieus treffen aufeinander und arbeiten richtig gut zusammen“, sagt Julia Franz vom Politik-Verein. Alle Schüler gingen sehr sozial miteinander um, niemand zeige mit dem Finger auf den anderen. Das bestätigt Bürgermeister Thomas Hermann (SPD), der zum wiederholten Mal eine Ratssitzung der Jugendlichen leitet. „Die Schüler sind sehr viel disziplinierter als die Ratsmitglieder. Es gibt keine Showkämpfe. Die Debatten bleiben sachorientiert“, sagt er.

Die 17-jährige Leonie sucht eine Mehrheit für ihren Antrag, eine „Friedenskampagne“ in der City zu organisieren. Kinder sollen an einem Stand Bilder zum Thema Frieden malen und ihre Gedanken aufschreiben. „Aber was soll das bringen?“, fragt Judith von der IGS Kronsberg. Deshalb höre doch in Syrien der Krieg nicht auf. „Wir sollten besser Spenden sammeln für die Menschen in Kriegsgebieten“, sagt Eda von der Bertha-von-Suttner-Schule. Ihre Klasse will die ursprüngliche Forderung dahingehend ändern, dass verschiedene Schulen jeweils ein kriegsversehrtes Land vorstellen. Am Ende stimmen alle im Ratssaal dem veränderten Antrag zu.

„Es macht mich schon ein wenig stolz, dass ich mich mit meiner Forderung durchsetzen konnte“, sagt der 15-jährige John von der Bertha-von-Suttner-Schule. Die Mehrheit der Schüler hat er mit seiner Idee überzeugt, dass Bewerber bei der Stadt Hannover nicht primär nach ihren Schulnoten ausgesucht werden, sondern durch Eignungstests. „Die meisten Arbeitgeber werfen eine Bewerbung in den Mülleimer, wenn sie sehen, dass die Zeugnisse von Haupt- oder Realschulen kommen“, sagt John.

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