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Aus der Stadt Platzmangel: Patient muss in Klinik nach Alfeld
Hannover Aus der Stadt Platzmangel: Patient muss in Klinik nach Alfeld
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00:29 09.04.2015
Von Mathias Klein
Quelle: dpa/Symbolfoto
Hannover

Die Engpässe in den Notaufnahmen der hannoverschen Krankenhäuser nehmen immer dramatischere Formen an. Jetzt musste ein 81 Jahre alter Hannoveraner mitten in der Nacht im Rettungswagen ins Alfelder Krankenhaus gebracht werden – im südlichen Landkreis Hildesheim. In Hannover war keines der 7000 Klinikbetten mehr für ihn frei.

Vor rund zwei Wochen war Lieselotte K. aus der List mit ihrem Mann Gerhard zur Hausärztin gegangen, weil dieser starke Schmerzen in der Brust hatte. Die Ärztin zögerte nicht lange und schickte den Patienten, der auch an den Blutgefäßen erkrankt ist, mit Verdacht auf eine Lungenentzündung in die Klinik Clementinenhaus. Dort kam das Ehepaar gegen 16 Uhr an, berichtet K.

„Das ist eine Katastrophe“

Am Abend, kurz vor 22 Uhr, sagte die Krankenhausärztin nach einigen Untersuchungen, dass der 81-Jährige wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus bleiben müsse. Daraufhin machte sich seine Ehefrau allein auf den Heimweg. Um Mitternacht rief die Klinik bei ihr an, sie solle eine Tasche mit den nötigsten Sachen für ihren Mann packen, weil er nach Alfeld gebracht werden müsse. In Hannover gebe es kein freies Bett. Gegen 3 Uhr rief Gerhard K. bei seiner Frau an, dass er im Alfelder Krankenhaus angekommen sei.

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Lieselotte K. „Es kann doch nicht sein, dass in dieser Stadt kein Krankenhausbett frei ist“, meint sie. Stattdessen müsse ein Schwerkranker in eine Klinik gebracht werden, die „fast am Ende der Welt“ liege, sagt die Rentnerin. Die Verlegung in die rund 55 Kilometer entfernte Kleinstadt hatte für die Rentnerin weitreichende Folgen. Eine Woche, bis zur Entlassung ihres Ehemannes, war die Hannoveranerin jeden Tag fünf Stunden mit Stadtbahn, Zug und Bus ins Alfelder Krankenhaus unterwegs, um schließlich jeweils eine Dreiviertelstunde am Krankenbett ihre Mannes zu verbringen.

Die Geschäftsführerin des Clementinenhauses, Birgit Huber, bedauert den Vorfall außerordentlich. An dem entsprechenden Tag sei in der Notaufnahme der Klinik außergewöhnlich viel los gewesen, berichtet sie. Das Einzelzimmer, das für Gerhard K. vorgesehen war, wurde für einen später hinzukommenden Patienten mit Verdacht auf eine hochansteckende Hirnhautentzündung benötigt. Alle anderen Betten im Clementinenhaus seien belegt gewesen, berichtet Huber. Versuche, den Patienten mit der Hirnhautentzündung oder Kaufmann in einer anderen Klinik in Hannover oder im Umland unterzubringen, seien gescheitert, weil die entsprechenden Betten an diesem Abend komplett belegt gewesen seien.

Immer wieder Probleme

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Probleme mit abgemeldeten Kliniken gegeben – vor allem die internistischen und neurologischen Abteilungen hatten wegen Überbelegung oftmals keine Patienten mehr aufgenommen. In einem solchen Fall entscheidet dann die Einsatzleitstelle der Feuerwehr über die Verlegung  – wenn es sein muss nach Alfeld. Für Notfallpatienten gelten andere Regeln. Sie müssen aufgenommen werden – wie der Patient mit dem Verdacht auf Hirnhautentzündung im Clementinenhaus.

Kommentar: Probleme? Gibt es doch!

Was ist los in Hannovers Krankenhäusern? Offiziell heißt es, dass es in der Stadt zu viele Klinikbetten gibt. Und wenn dann doch alle Betten belegt sind, wie in den neurologischen oder internistischen Stationen, heißt es lapidar: Es gibt kein Problem – das erledigt sich schon von selbst.

Wenn jetzt aber bei knapp 7000 Krankenhausbetten in der Region keine Klinik der Landeshauptstadt oder im Umland in der Lage ist, einen schwer kranken 81-jährigen Patienten für eine Nacht unterzubringen, müssen bei den Verantwortlichen die Alarmglocken läuten. Es geht um die Gesundheit und um das Leben von Menschen in der Region. Die Ursachen für das Problem müssen gründlich analysiert werden. Und eine Lösung muss her – denn die Vorfälle der vergangenen Wochen zeigen, dass hier in der Struktur etwas nicht stimmt. Die neue Gesundheitsdezernentin Cora Hermenau muss das Thema direkt anpacken, wenn sie in einem Monat ihren Dienst antritt.

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