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Aus der Stadt Politiker-Kneipe Klickmühle feiert 30-jähriges Bestehen
Hannover Aus der Stadt Politiker-Kneipe Klickmühle feiert 30-jähriges Bestehen
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09:07 16.03.2018
Feiern 30. Geburtstag der Klickmühle: Inhaberin Angelika Kaiser und Koch Kurt Köhn. Quelle: Michael Thomas
Hannover

 Wirtin Angelika Kaiser verdreht die Augen. „Jetzt will mir Stefan Schostok doch glatt eine Videobotschaft zum 30. schicken. Ich glaube, es geht los“, sagt die blonde, quirlige Frau grinsend. Wenn Hannovers Oberbürgermeister gratulieren wolle, müsse er sich schon hierher bemühen. „Er war ja lange Stammgast“, sagt Kaiser und wischt über den Tresen. 

Die Klickmühle feiert am Donnerstag 30. Geburtstag. Das ist eigentlich kein rundes Datum, aber die Klickmühle ist auch nicht irgendeine Kneipe. Hier treffen sich Landtagsabgeordnete zum Mittagessen und zum Feierabendbier. Hier fachsimpeln 96-Fans über die Schwächen in der Abwehr und über die Allmachtfantasien des Vereinspräsidenten. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen, aber selbst Spitzenpolitiker wissen, dass sie sich nicht verstellen müssen. „Das ist das Besondere an der Klickmühle: Es gilt das ungeschriebene Gesetz, dass kein offenes Wort die Räume verlässt“, sagt Kaiser.

Die Klickmühle, Heimatkneipe für Politiker und Fußballfans, feiert am Donnerstag ihren 30. Geburtstag.

Im Hintergrund dudelt Helene Fischer ihr „Atemlos“. Koch Kurt Köhn, den alle nur Kurti nennen, wippt ein bisschen mit. Ein gut gekleideter Herr mit graumelierten Schläfen und Hornbrille studiert am Tresen die Zeitung. „Habt ihr eigentlich schon von der Tragik des Ehepaars Helene Fischer und Florian Silbereisen gehört?“, fragt er und gibt  die Antwort: „Deren Kinder werden nur Silberfische.“ Kaiser und Köhn lachen. Der nächste Song ist eine Rockballade aus den Siebzigern. Köhn serviert eine seiner Spezialitäten, selbst gemachten Kartoffelstampf. 

Der Anfang stand unter keinem guten Stern, jedenfalls nicht für Angelika Kaiser und die Klickmühle. „Ich war eigentlich keine Kneipengängerin“, sagt sie. Dennoch ließ sie sich von einer Freundin ermuntern, in der Gastwirtschaft nahe dem Landtag auszuhelfern. Erst einen Tag in der Woche, dann zwei, dann drei... „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in der Gastronomie hängenbleibe“, sagt Kaiser, inzwischen Inhaberin.

Etliche Politikerkarrieren hat Kaiser vom Tresen aus verfolgen können. Stephan Weil ging als Stadtkämmerer ein und aus, aber auch als Ministerpräsident hält er seiner Kneipe die Treue. Stammgast war auch Gerhard Schröder, der damals noch mit Freunden Skat spielte und manchmal seine damalige Ehefrau Hillu mitnahm. „Ein Gast meinte einmal zu mir, dass der Schröder da sei und ich ihn doch schnell bedienen müsse“, erzählt Kaiser amüsiert. Sie habe erwidert: Der Herr Schröder kommt an die Reihe, wenn er an der Reihe ist.

Nicht nur rosige Zeiten hat die Klickmühle gesehen. Der Umbau der Karmarschstraße und kurz danach die Dauerbaustelle am Landtag haben Kaiser fast in die Knie gezwungen. „Ich dachte schon, wie überstehen das nicht“, sagt sie. Lärm und Dreck umtosten die Kneipe Tag für Tag und verschreckten die Besucher. Das ist nun überstanden. Am Donnerstag wird der 30. Geburtstag gefeiert, mit viel Musik und einem speziellen Angebot: Für 15 Euro dürfen alle Gäste so viel essen und trinken, wie sie mögen. „Aber keinen Schnaps, sonst gibt es nur Stress“, sagt Kaiser.

Von Andreas Schinkel

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