Landespolitiker plädierten für mehr Unterstützung durch Sozialarbeiter an den Grundschulen. „Es sollten gerade die Brennpunkt-Grundschulen mehr Sozialpädagogen einstellen können“, sagte FDP-Bildungsexperte und Landtagsabgeordneter Björn Försterling. Opposition und Regierung im Landtag sind sich einig: Man müsse die frühkindliche Bildung ausbauen und die Sprachförderung im Kindergarten ausweiten.
Die am Montag veröffentlichte Studie „Bildungsmonitoring 2010“ belegt einen Zusammenhang zwischen Schulkarriere und Sozialstruktur des jeweiligen Stadtteils. So hatten im vergangenen Jahr mehr als 70 Prozent der Viertklässler im wohlsituierten Kirchrode eine Gymnasialempfehlung bekommen, in Linden-Süd waren es nur 14 Prozent.
„Diese Zahlen müssen betroffen machen“, sagte der niedersächsische Landeselternratsvorsitzende Pascal Zimmer. Dies zeige, dass über Chancengleichheit viel geredet werde, aber an den Schulen zu wenig passiere. Besser verdienende Eltern hätten oft mehr Möglichkeiten, ihre Kinder bei den Schulaufgaben zu unterstützen, sagt Zimmer, aber es sei in dem Zusammenhang auch erschreckend, wie viele Kinder in der Grundschule schon Nachhilfe bekämen. Der Leistungsdruck wachse stetig an.
Hannovers Ratsmitglieder reagierten dagegen gelassen auf die Zahlen. „Mich überrascht die Studie nicht, die Problemstadtteile sind ja seit Langem bekannt“, sagte die Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat, Christine Kastning. Sozialpolitische Versäumnisse habe sich die Stadt nicht vorzuwerfen. „Es ist entscheidend, in die Ausstattung der Schulen zu investieren und das Ganztagsprogramm voranzutreiben, so wie es Hannover bereits tut“, sagte Kastning. Zudem müsse die Förderung von Kindern aus problematischen Familien bereits in Krippe und Kindergarten ansetzen.
Dem pflichtete auch Lothar Schlieckau, Fraktionsvorsitzender der Grünen, bei. „Insbesondere die Schulen in sozialen Brennpunkten müssten schnellstmöglich in Ganztagsschulen umgewandelt werden“, forderte er.
Eine Absage erteilte Schlieckau einem Ansatz aus den USA, wonach Kinder aus sozialen Brennpunkten morgens zu Schulen in gutbürgerlichen Vierteln gefahren werden – und umgekehrt. „Die Schüler kehren ja nachmittags zu ihren Eltern zurück, und dort fehlt es weiterhin an Förderung“, meinte Schlieckau. Durch eine bessere Durchmischung der Klassen werde ja nicht die soziale Herkunft der Eltern verändert. Dem schloss sich auch seine Kollegin von der SPD an, wollte aber die Idee eines Schüleraustauschs zwischen den Stadtteilen nicht ganz vom Tisch wischen. „Das ist zumindest diskussionswürdig“, sagte sie.
Auch für die FDP im Rat der Stadt ist der Ausbau von 20 Grundschulen zu Ganztagsbetrieben, wie ihn die Stadt bis 2013 bewerkstelligen will, „ein richtiger Schritt“. Zugleich müsse die Qualität der frühkindlichen Betreuung verbessert werden, etwa durch kleinere Gruppen in den Kitas und eine bessere Ausbildung von Erziehern. Bei der CDU ist man skeptisch, ob die Ganztagsschule tatsächlich ein Allheilmittel ist. „Wichtiger scheint mir, das Umfeld in den Problembezirken zu verändern“, sagte der Fraktionsvorsitzende Jens Seidel.
Andreas Schinkel und Saskia Döhner
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