Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Politiker streiten über Misstände in Schrott-Haus
Hannover Aus der Stadt Politiker streiten über Misstände in Schrott-Haus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 09.07.2017
Von Jutta Rinas
Aussen- und Seitenansicht des Romahauses. Quelle: Kutter
Hannover

Schimmel, Müll, drangvolle Enge: So leben mehrere Roma-Familien in einem Haus in der Innenstadt. Diese Lebensumstände sind nicht hinnehmbar, vor allem für Kinder – darin herrscht bei Politikern aller Ratsfraktionen am Mittwoch seltene Einmütigkeit. Uneinigkeit dagegen gibt es in der Frage, wie man die Missstände beheben soll. 

Kinder aus einer Familie herauszureißen bedeute immer eine Härte, sagt Lars Pohl (CDU). Aber wenn die Zustände in dem maroden Haus keine Kindeswohlgefährdung darstellten, was solle dann eine sein? Die Kinder dort hätten keine Zukunftsperspektive, keine Chance auf Bildung und Teilhabe. Es sei falsch verstandene Rücksichtnahme, sie so aufwachsen zu lassen, nur weil sie aus einer Roma-Familie stammten: „Ein Kind aus einer deutschen Familie würde man aus solchen Verhältnissen sofort herausnehmen.“

Bessere Zusammenarbeit nötig

In dem Haus in Hannover-Mitte leben Roma in stark überbelegten Wohnungen unter menschenunwürdigen Umständen: Müll, Ungeziefer, Schimmel, kaputte Fußböden, kaputte Elektrik: die Liste der Missstände ist lang. Obwohl Stadt und Polizei dort seit Langem im Einsatz sind, gelingt es überdies nicht, die Kinder in die Schule zu bringen. Bei Kontrollen der Polizei wurden regelmäßig Schulschwänzer festgestellt, trotz des Einsatzes von Sozialarbeitern, trotz Buß- und Zwangsgeldforderungen der Stadt.

Es sei auch eine Art von Kindeswohlgefährdung, wenn Kinder nicht angehalten würden, in die Schule zu gehen, sagt der sozialpolitische Sprecher der CDU, Hannes Hellmann – und ist sich darin mit dem jugendpolitischen Sprecher der SPD, Christopher Finck, einig. Letzterer plädiert jedoch dafür, die Kinder erst aus der Familie zu nehmen, wenn alle Buß- und Zwangsgeldmaßnahmen der Stadt ausgeschöpft seien. Die Sicherheitsnetze der Behörden seien gespannt, man müsse die Zustände dort engmaschig weiter überprüfen – und möglicherweise Präventionsprojekte gegen das Schwänzen stärken. Adam Wolf (Piraten), fordert eine Kommission aus Polizei, Stadt und Schule, um durch eine bessere Zusammenarbeit aller Behörden eine Chance der Kinder auf Bildung und sozialen Anschluss zu gewährleisten: „Die Ärmsten der Armen verdienen unseren besonderen Schutz.“

Dass nicht nur Gewalt in der Familie, sondern auch strukturelle Missstände eine Kindeswohlgefährdung darstellten, sagt Antje Möllmann, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Niedersachsen. Sie liege dann vor, wenn man mit Blick auf die Zukunft sagen könne, dass die Entwicklung eines Kindes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nachhaltig geschädigt werde. „Da ist auch die kommunale Jugendhilfe in der Pflicht.“ Bedrückend sei, dass mit diesem Fall bereits so viele Institutionen beschäftigt seien, ohne dass eine Lösung in Aussicht gestellt werde: „Auf Dauer kann das nur neuer Wohnraum sein.“

An diesem Punkt sieht FDP-Mann Wilfried Engelke die Stadt in der Pflicht. Die Situation sei den Fraktionsvorsitzenden im Bezirk Mitte und den Bezirksbürgermeistern seit etwa einem halben Jahr bekannt gewesen.

Roma wollen nicht weg

Ein Problem dort sei, dass die Roma das Haus trotz der Zustände offenbar nicht verlassen wollten, ein anderes, dass sie wegen ihrer negativen Schufa-Einträge auf dem freien Wohnungsmarkt keine Wohnungen fänden. Dennoch müsse etwas passieren: Es müsse doch möglich sein, dass die Stadt als Eigentümerin der GBH den Roma neue Wohnungen zur Verfügung stelle, sagte Engelke: „Man muss vor allem den Kindern eine Perspektive bieten.“ Freya Markowis, Fraktionsvorsitzende der Grünen, hält nichts davon, das Haus zwangszuräumen. Es mache keinen Sinn, Menschen aus Wohnumständen herauszuholen, in denen sie offenbar leben wollten, sagte sie am Donnerstag. Solange die Roma in dem maroden Haus wohnten, sei zumindest bekannt, wo sie lebten – und der KSD könne helfen. Wenn die Zahl der Roma weiter ansteige, müsse man darüber nachdenken, ob man die Koordinierungsstelle Zuwanderung Osteuropa nicht aufstocken müsse. Skandalös sei es, dass es rechtlich nicht möglich sei, den Vermieter zur Rechenschaft zu ziehen. „Das ist schwer zu ertragen.“

Das Wichtigste aus Hannover und der Region lesen Sie in unserem HAZ-Morgenticker. Heute: Prinz Ernst August von Hannover und Ekaterina Malysheva heiraten standesamtlich, Hannover 96 testet gegen ETSV Weiche Flensburg und die Bruchmeister starten ihren Rundgang über das Schützenfest.

06.07.2017

Bachelorette Jessica sucht die perfekte Mischung aus Draufgänger und Beschützer. Deshalb lädt sie in der vierten Woche im Kampf um die Rosen zur Fahrt mit dem Wüstenbuggy an - mit fatalen Folgen. Doch zuvor kommt sie im Dampfbad erst einmal Sebastian aus Hannover näher. Und er schafft es in die nächste Runde. 

06.07.2017
Aus der Stadt Internationaler Tag des Kusses - So küssen die Hannoveraner

Es wird gebusselt, geknuddelt und geknutscht - und das am internationalen Tag des Kusses am Donnerstag mit Ansage. Was für die vielen Besucher auf dem Schützenfestes ein liebevolles Lippenbekenntnis ist, von dem man nicht genug bekommen kann, ist für die Tiere im Zoo eher Mittel zum Zweck. Wie küsst Hannover? So.

06.07.2017