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Aus der Stadt Polizei Hannover in Sorge wegen Facebook-Partys
Hannover Aus der Stadt Polizei Hannover in Sorge wegen Facebook-Partys
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10:25 22.06.2011
Quelle: dpa
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Hannover

Hannovers Polizei muss sich derzeit immer öfter um unangemeldete Partys kümmern, zu denen sich Jugendliche im Internet über das soziale Netzwerk Facebook verabreden. Pfingsten drohte die Situation einer solchen Facebook-Party am Wietzesee zu eskalieren, als bis zu 700 Jugendliche eine Halbinsel besetzten und mit 20 Diskjockeys fast 30 Stunden lang feierten. Die Polizei ließ schließlich alle Schranken öffnen, damit wenigstens Rettungskräfte Zugang zur illegalen Party hatten. Für Anfang Juli ist jetzt erneut eine große Feier über das Internet anberaumt: Diesmal soll es junge Leute an die Ricklinger Kiesteiche ziehen. Dann ist Ferienbeginn – mehr als 1500 virtuelle Einladungen sind über Facebook verschickt worden, Hunderte haben online schon signalisiert, dass sie mitfeiern werden.

Naturschützer laufen bereits Sturm: „Es ist Brutzeit“, sagt Heinz Pyka von der Jägerschaft und vom Fischereiverein. „Wer den Zustand des Geländes am Wietzesee nach der Pfingstfeier gesehen hat, der kann sich ausmalen, was im Landschaftsschutzgebiet der Leinemasch angerichtet wird.“ Stefan Entrup von der Firma Kiesbau Wegener, der der See zwischen Langenhagen und Isernhagen gehört, sagt: „Unsere Mitarbeiter weigern sich, dort noch hinzugehen – es stinkt bestialisch.“ Weder hatte sich jemand um Toiletten gekümmert, noch wurde der Müll weggeräumt. „Erst auf Aufforderung wurden ein paar Säcke voll gemacht und liegen gelassen“, sagt Entrup: „Wir mussten fünf Kubikmeter Müll entsorgen.“ Das Unternehmen geht jetzt gegen den Partyausrichter vor, er ist der Polizei bekannt.

Facebook-Partys waren jüngst mehrfach in die Schlagzeilen geraten. In Hamburg hatten sich kürzlich etwa 15 000 Internetnutzer zur Geburtstagsfeier der 16-jährigen Thessa eingeladen. Die Feier wurde abgesagt, die Polizei sicherte die Straße. Nicht immer verlaufen die Ereignisse glimpflich. Häufig finden Eltern bei ihrer Heimkehr verwüstete Häuser vor, es kommt zu Aggressionen – was bei Hunderten Teilnehmern zum Sicherheitsrisiko wird. „Wir beobachten die Situation“, sagte Polizeisprecherin Tanja Rissland gestern. Solange keine Straftaten begangen würden, habe die Polizei kaum Möglichkeiten zum Eingreifen. „Es sind eben Spaßveranstaltungen“, sagt Rissland. Sobald es zu Schlägereien komme, müssten die Treffen aufgelöst werden. Werde „Vermüllung“ beobachtet, dann versuchten die Beamten, die Verantwortlichen zu ermitteln und ein Ordnungsgeld zu verhängen.

Naturliebhaber Pyka findet, dass ausgelassenes Feiern in Natur- und Landschaftsschutzgebieten kein Spaß sein darf, für dessen Folgen die Allgemeinheit aufkommen muss. „Eine Riesenfeier an den Ricklinger Kiesteichen verstößt gegen mindestens zehn Gesetze“, sagt Pyka.

Zu der Feier am 7. Juli, die unter dem Slogan „Jan macht Paarty“ läuft, gab es gestern bis Redaktionsschluss 257 Zusagen. Knapp 300 waren sich ihrer Zusage noch nicht sicher, fast 1000 hatten sich noch nicht entschieden. Die Einladenden machen beiläufig darauf aufmerksam, dass jeder seinen Müll wegräumen solle. Der Ort wird noch nicht kommuniziert – das erschwert der Polizei die Kontrolle. Naturverbände wollen gegen die Feier vorgehen.

Michael Zgoll, Conrad von Meding

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