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Aus der Stadt „Das ist keine One-Man-Show“
Hannover Aus der Stadt „Das ist keine One-Man-Show“
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00:15 28.04.2016
Von Tobias Morchner
Polizei-Vizepräsident Thomas Rochell im HAZ-Interview. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Herr Rochell, wie viele Stunden hat derzeit Ihr Arbeitstag im Schnitt?

Mehr als üblicherweise. Zwölf Stunden bestimmt, und auch das reicht oft nicht. 

Können Sie jetzt in der heißen Phase abschalten oder sind Sie permanent im Obama-Modus?

Es ist eher der Obama-Modus. Da muss man schon gucken, dass man die verbleibende Zeit gut zur schnellen Regeneration nutzt. Das geht aber nicht nur mir so. Der Einsatz ist keine One-Man-Show, das ist eine sehr große Herausforderung für ganz viele Beteiligte, insbesondere in diesen Vorbereitungswochen.

Sie sind der Einsatzleiter während des Besuchs des amerikanischen Präsidenten. Wie groß ist Ihr Team?

Der Vorbereitungsstab, der ganz eng an mich angebunden ist, umfasst mehr als 20 Mitarbeiter. Wir sind das Bindeglied zu den übrigen Einsatzkräften. Im Einsatz müssen wir dann natürlich 24 Stunden abdecken. Es wird also eine Tag- und eine Nachtschicht geben, sodass wir insgesamt zwei Teams im Einsatz haben werden.

Wofür ist die Polizeidirektion Hannover am Tag des Obama-Besuchs zuständig?

Für alle Programmpunkte, bei denen die Bundeskanzlerin und der amerikanische Präsident selbst Gäste sind - bei der Eröffnung der Messe im HCC und beim Messerundgang. Das Bundeskriminalamt ist immer dann federführend, wenn es um einen Programmpunkt der Bundeskanzlerin selbst geht. Das ist im Schloss Herrenhausen so, da ist die Kanzlerin Gastgeberin für den amerikanischen Präsidenten. Gleiches gilt für das Hotel, weil der Staatsgast ein Gast des Bundes ist, deshalb kümmert sich das BKA um die Sicherheit in diesen Räumlichkeiten.

Macht der Secret Service Vorgaben für den Schutz des US-Präsidenten, und müssen sich die deutschen Behörden an diese Vorgaben halten?

Wir entwickeln unser Sicherheitsnetz - ein im Prinzip sehr engmaschiges Netz - und sind davon überzeugt, dass dieses Netz auch Obama trägt. Dieses Konzept haben wir den Amerikanern dezidiert vorgestellt, und ich glaube, man kann schon sagen, dass sie im Grunde damit sehr einverstanden sind.

Gibt es andere Personen, bei deren Besuch die Sicherheitsvorkehrungen ähnlich hoch wären wie bei Barack Obama?

Außer dem amerikanischen Präsidenten gibt es nur noch den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu, bei dem dieses Maß an Sicherheitsanforderungen notwendig ist.

Auch nicht beim Papst?

Der käme da nicht ran, bei allem Respekt für den Papst.

Was hatte das wegen einer Terror-Warnung abgesagte Fußball-Länderspiel im November für Auswirkungen auf die Planung des Obama-Besuchs?

Ich glaube, wir sind seitdem noch sensibler in den Überlegungen, welche Störungen eintreten könnten. Wir stellen noch mehr infrage als vorher. Es gab Hinweise darauf, wie rund um das Stadion agiert werden sollte - und das hatte eine Dimension, die uns doch beeindruckt hat.

Viele Hannoveraner müssen wegen des Obama-Besuchs am Sonntag und Montag Einschränkungen in Kauf nehmen. Ist es wirklich notwendig, die Menschen zu bitten, nicht an die Fenster zu treten und Herrn Obama zu winken?

Ja, aus unserer Sicht muss das sein. Ich glaube aber, dass wir sehr sorgsam mit diesen Einschränkungen umgehen. Dort, wo die Bevölkerung in besonderer Weise betroffen ist, beispielsweise im Zoo-Viertel, wird es sehr abgestufte Maßnahmen geben. Durch die Einrichtung eines Sicherheitsbereichs tragen wir auch dazu bei, dass die Anzahl von Schaulustigen sich deutlich im Rahmen halten wird. Das ist auch ein Schutz für die Anwohner. Dazu kommt, dass wir lediglich in einem sehr engen Bereich um die Mars-la-Tour-Straße das Erfordernis sehen, dass man sich dort nicht im Bereich der Fenster aufhalten sollte. Ansonsten kann man sich sehr wohl in dem Sicherheitsbereich bewegen, und auch Kinder können dort natürlich draußen spielen.

Was passiert konkret, wenn jemand in dem Bereich Mars-la-Tour-Straße bei der Ankunft von Barack Obama doch an sein Fenster tritt?

Dann wird es vermutlich einen Hausbesuch der Polizei geben. Wie dieser Einsatz dann aussehen wird, hängt ab von der Einschätzung der jeweils einzelnen Situation.

Es wird also definitiv keinen Ort geben, an dem Neugierige einen Blick auf den amerikanischen Präsidenten werfen können?

Alle, die eine Einladung für die Messeeröffnung im HCC haben, und alle, die auf der Messe an einem Stand arbeiten, an dem Herr Obama vorbeikommt, werden ihn sehen.

War es Ihre Entscheidung, einen öffentlichen Auftritt von Herrn Obama nicht einzuplanen?

Nein, das ist die Aufgabe des Protokolls. Wir richten unsere Planungen nach den protokollarischen Wünschen aus.

Wann endet der Einsatz für Sie?

Etwa eine Stunde nach dem Abheben der Maschine, weil das der Zeitraum ist, in dem eine Maschine maximal noch zu dem Ausgangsflughafen zurückkehren kann.

Wie gehen Sie jetzt in die kommenden Tage?

Mit einem großen Vertrauen in mein Team und einer ordentlichen Portion Gottvertrauen.

Interview: Tobias Morchner

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