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Aus der Stadt Vergebliche Suche nach Jenisas Leiche
Hannover Aus der Stadt Vergebliche Suche nach Jenisas Leiche
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17:38 10.07.2014
Die Polizei durchkämmt erneut einen Wald bei Wunstorf. Quelle: Elsner / montage
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Hannover

Sieben Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Jenisa in Hannover hat eine erneute Suche keine Gewissheit gebracht. Mit einer Hundertschaft war die Polizei am Donnerstagmorgen in einem Waldstück bei Blumenau nahe Wunstorf angerückt, um nach der Leiche des verschwundenen Mädchens zu suchen. Auch Spürhunde begleiteten die Beamten bei der großen Suchaktion. Gegen 14 Uhr beendete die Hundertschaft die Suche in dem kleinen Waldstück und rückte ab. Nun sollen die Hunde noch einmal das Gelände absuchen.

Fast sieben Jahre nach dem Verschwinden der achtjährigen Jenisa hat die Polizei offenbar neue Erkenntnisse: Eine Hundertschaft durchkämmt ein Waldstück in Wunstorf. Dort vermuten die Beamten die Leiche des Mädchens.

Die Details hinter dem Einsatz sind bislang noch nicht umfassend bekannt gegeben worden. "Wir gehen Hinweisen aus dem Umfeld der Häftlinge nach", sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker am Morgen dieser Zeitung. Mit diesen "Häftlingen" sind offenbar der seit Juli inhaftierte Onkel von Jenisa, Ibrahim B., und vermutlich ihm bekannte Mithäftlinge gemeint. B. sitzt wegen Verdachts des Mordes an einem kleinen Jungen seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft und wird auch des Mordes an Jenisa verdächtigt. Wie die "Bild"-Zeitung am Donnerstag berichtet, hat B. im Gefängnis ein ausführliches Geständnis abgelegt. In einem Schriftstück, das der Staatsanwaltschaft vorliege, beschreibe er den Missbrauch und Mord an dem kleinen Mädchen. Laut "Bild" habe er auch eine Karte angefertigt, auf der der Ort verzeichnet sei, an dem Jenisas Leiche versteckt wurde. Anhand dieser Karte solle das betreffende Waldstück in Wunstorf gründlich durchsucht werden, so die Zeitung weiter.

Bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft diese Informationen nicht. "Ich will  nicht davon sprechen, dass ein Mordgeständnis vorliegt, um keine falschen Hoffnungen zu schüren", so Söfker. Laut "Bild" war B.s schriftliches Geständnis für einen oder mehrere Mithäftlinge verfasst worden und nur über rätselhafte Umwege in die Hände der Staatsanwälte gelangt. "Herr B. schweigt weiter", so Söfker. Sie gehe nicht davon aus, dass sich das in näherer Zukunft ändern werde. 

Juliano und Like Muja, die Eltern des Mädchens haben die Nachricht vom angeblichen Mordgeständnis mit Erschütterung aufgenommen. "Sie sind ziemlich durch den Wind, alle Verwandten sind derzeit bei ihnen", sagt der Rechtsanwalt der Familie im Gespräch mit der HAZ. Die Mujas waren bereits in der vergangenen Nacht im Internet auf die Nachricht gestoßen. "Sie haben sich dann hier mit der Polizei in Verbindung gesetzt und die Bestätigung erhalten, dass es eine erneute Suche nach Jenisa gibt", sagt der Jurist.

Vor knapp sieben Jahren verschwand die achtjährige Jenisa aus Hannover. Jetzt stehen die Ermittler möglicherweise vor der Aufklärung des Falls. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Denkbar ist derweil auch, dass andere neue Erkenntnisse die Polizei auf das Waldstück in Wunstorf gebracht haben. Erst vor wenigen Tagen waren die Ermittlungen im Fall des 2007 in Hannover verschwundenen Mädchens wieder aufgenommen worden. „Nach gründlicher Durchsicht der Akten haben wir uns dazu entschlossen, die Ermittlungen wieder aufzunehmen“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker Anfang Juli.

Chronologie des Falles

Sehen Sie hier die wichtigsten Ereignisse des Falles Jenisa im Überblick.

Der Hauptverdächtige Ibrahim B. war in den Fokus der Ermittler gerückt, nachdem er im April dieses Jahres gestanden hatte, in Herford den fünfjährigen Dano getötet zu haben. Eine konkrete Begründung für die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen den 43-Jährigen im Fall Jenisa wollten die Strafverfolger aus taktischen Gründen bislang nicht öffentlich geben. Bislang ist auch nicht klar, was die Behörden Ibrahim B. konkret vorwerfen. „Das liegt auch daran, dass wir bis jetzt nicht wissen, was mit dem Mädchen passiert ist“, sagte Staatsanwältin Söfker Anfang Juli. Die Leiche der Achtjährigen ist bislang nicht aufgetaucht. Gerüchte, sie sei ins Ausland verschleppt worden, haben sich ebenfalls nicht bestätigt. „Wir erhoffen uns, dass uns jetzt der Durchbruch im Fall Jenisa gelingt“, sagte die Behördensprecherin nach der Wieraufnahme der Ermittlungen.

tm/mic

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