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Aus der Stadt Fall Jenisa vor der Aufklärung
Hannover Aus der Stadt Fall Jenisa vor der Aufklärung
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10:06 03.09.2014
Von Jörn Kießler
Mehrfach hatte die Polizei ein Gebiet bei Wunstorf nach Jenisas Leiche durchkämmt. Am Dienstag könnten sie erfolgreich gewesen sein. Quelle: Elsner
Hannover/Wunstorf

„Endgültige Gewissheit gibt es jedoch erst nach der Untersuchung in der Rechtsmedizin“, sagte Polizeisprecherin Martina Stern. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Hannover sollen die Ergebnisse frühstens Ende der Woche vorliegen.

Die Polizei rückte am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr erneut zu dem Waldgebiet an der Kreisstraße 333 zwischen Blumenau und Liethe aus, nachdem die Beamten die vorangegangene Suche Mitte August erfolglos hatte einstellen müssen. „Nachdem bei den ersten beiden Terminen der Wald durchkämmt worden war, wurde damals mit einem Bagger am Rand eines angrenzenden Feldes gesucht“, sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker. Diese Suche wurde im August jedoch abgebrochen, weil der Bagger einen technischen Defekt hatte.

Ist es Jenisa? Eine Suchstaffel der Polizei hat am Dienstag am Galgenberg Leichenteile entdeckt. Das Mädchen soll 2007 von ihrem Onkel Ibrahim B. ermordet worden sein.

Am Dienstag suchten die Ermittler erneut mit schwerem Gerät und wurden kurz nach dem Beginn der Suche fündig. Direkt unter der Grasnarbe entdeckten die Beamten Knochen. „Sollte die Untersuchung der Rechtsmedizin ergeben, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste von Jenisa Muja handelt, wovon wir derzeit mit großer Wahrscheinlichkeit ausgehen, dann ist das ein entscheidender Schritt in dem Fall“, sagte Söfker.

Vor knapp sieben Jahren verschwand die achtjährige Jenisa aus Hannover. Jetzt stehen die Ermittler möglicherweise vor der Aufklärung des Falls. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

Für die Eltern des vor fast genau sieben Jahren verschwundenen Kindes war die Nachricht ein Schock. „Herr Muja rief mich an, noch bevor ich selbst durch die Medien von dem Fund erfahren hatte“, sagte Rechtsanwalt Joseph Sobaci, der die Familie vertritt. „Herr und Frau Muja sind vollkommen niedergeschlagen, weil es nun gewiss ist, dass Jenisa nicht mehr lebt.“ Beide hatten nie die Hoffnung aufgegeben, dass ihre damals achtjährige Tochter vielleicht doch ins Ausland verschleppt wurde, wie zeitweise angenommen wurde. „Es wird Wochen und Monate dauern, bis die Familie mit allem klarkommt“, sagte Sobaci. Er hofft, dass die Trauer nicht in Wut gegenüber anderen Familienmitgliedern umschlägt. Denn der Hauptverdächtige im Fall Jenisa ist der ehemalige Lebensgefährte von Jenisas Tante, der Schwester seines Vaters.

Ibrahim B. stand bereits 2007 unter Verdacht, das Mädchen getötet zu haben. Er wohnte damals mit Jenisas Tante im Ihme-Zentrum. Dorthin war die Achtjährige am 7. September 2007 unterwegs, als sie plötzlich verschwand. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass  sie dort auch ankam, jedoch nur auf Ibrahim B. traf. Was danach passierte, war lange Zeit unklar. Bis Ibrahim B., der 2008 mit seiner Familie nach Nordrhein-Westfalen zog, im April dieses Jahres in Herford festgenommen wurde.

Dort soll er den fünfjährigen Dano getötet haben, dessen Familie genau wie Jenisas Eltern aus dem Kosovo stammt (siehe Extratext). Auch der Tathergang erinnert an das Verbrechen in Hannover fast sieben Jahre zuvor. Auch Dano klingelte an der Wohnungstür von Ibrahim B., weil er eines von dessen Kindern zum Spielen abholen wollte. Danach verschwand der Junge spurlos. Erst mehr als zwei Wochen später fand die Polizei die Leiche des Kindes und nahm kurz darauf B. fest, der die Tat wenig später gestand.

Im Juli dann tauchte ein Geständnis auf, das zwei Mithäftlinge der Staatsanwaltschaft zuspielten. Beide saßen mit Ibrahim B. in der JVA Bielefeld. In dem sieben Seiten umfassenden Schreiben, das Jenisas Onkel den beiden anderen Häftlingen nach ihrer Aussage diktiert haben soll, gesteht der Deutschtürke den Mord an der Achtjährigen in Hannover. Als Motiv nennt er einen allgemeinen Hass auf Albaner. Neben dem Geständnis lieferten die beiden Häftlinge eine Karte, auf der die Stelle markiert sein soll, an der Ibrahim B. vor sieben Jahren die Leiche von Jenisa versteckte. Als die Polizei daraufhin das Waldstück zunächst ohne Erfolg durchsuchte, bezeichnete B.s Rechtsanwältin Christina Peterhanwahr die Vorwürfe der hannoverschen Strafverfolger als „unhaltbar“.

Sie fordert die Einstellung des Verfahrens, weil es „keine Hinweise für eine Tatbeteiligung meines Mandanten gibt“, wie sie sagt. Seit die Polizei die Knochen in Wunstorf gefunden hat, will die Anwältin sich zu dem Fall vorerst nicht mehr äußern.

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